„Weg der Trauer gehört ins Leben“

Nikolaus Schneider reflektiert Tod seiner Tochter

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Nikolaus Schneider, hier mit Fanny Lanfermann (l.) und Gaby Letzing, kennt den Weg der Trauer.

Syke - Meike ist 22 Jahre alt, als sie den Kampf gegen die Leukämie verliert. Es ist das Ende eines Lebenswegs voller Hoffnung, Wünsche und Möglichkeiten. Ein unfassbarer Schicksalsschlag. „

Ich habe selten so intensiv gelebt, geliebt, gehofft und geglaubt wie in den zwei Jahren von Meikes Krankheit und Sterben“, sagt ihr Vater. Nikolaus Schneider, der vier Jahre Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands und damit ihr höchster Repräsentant war, spürte am Freitag beim Neujahrsempfang im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz dem Umgang mit dem Unfassbaren nach. Seine Erkenntnis: „Der Weg der Trauer gehört ins Leben.“ Denn Krankheit, Sterben und Todeserfahrung gehören zum Leben: „Das ist ein intensiver Teil des Lebens.“

Den Verlust eines Kindes beschreibt Schneider als „klaffende Wunde, die sich nicht schließen lässt“ – untrennbar verbunden mit der Frage: „Wie kann ein liebender, allmächtiger Gott Leiden und einen zu frühen Tod zulassen?“ Die Antwort des Theologen: „Gott ist nun einmal kein Mensch“. Will heißen: Er kann nicht an menschlichen Kriterien gemessen werden.

Meikes Eltern haben akzeptiert, „dass sie nicht mehr mit uns auf der Erde ist“. Aber sie lassen sie auch 13 Jahre nach ihrem Tod nicht los: „Wir leben ganz bewusst mit einer Lücke. Wir wollen die Trauer nicht abschließen. Sie gehört zum Leben.“ Trotzdem könne man fröhlich sein und Feste feiern: „Wir haben festgestellt, dass der Schmerz sich immer mehr in Dankbarkeit wandelt.“ Schneider hat einen klaren Standpunkt: „Ein gelingendes Leben ohne intensive Liebesbeziehungen ist für mich nicht denkbar.“ Doch die Angst vor Abschieden gehöre zur Liebe dazu: „Auch Trauerwege gehören zur Liebe dazu – und zur Fülle des irdischen Lebens!“

Verdichtete Beziehung zu Gott und zu Menschen 

Der Tod, so Schneider, sei ein großer Wandler – und das Sterben seiner Tochter habe seinen Glauben nicht zerstört. Seine Beziehung zu Gott und zu Menschen habe sich aber verdichtet, den Blick für das Wesentliche geschärft. „Der Tod löscht die Liebe und Verbundenheit zu den Verstorbenen nicht aus.“ Glaube, Liebe und Hoffnung: Sie seien stärker als der Tod – und: „Unsere Toten sind nicht tot. Sie sind verwandelt!“ Ein Symbol dafür sei der Grabstein seiner Tochter mit einem himmelblauen Glaselement, das Lichtreflexe zum Leuchten bringe – ein Sinnbild für Lebendigkeit.

Zu Beginn des Empfangs hatte Löwenherz-Hospizleiterin Gaby Letzing berichtet, dass im vergangenen Jahr 189 Kinder und ihre Familien aufgenommen worden waren. Für die 16 Kinder, die 2017 gestorben waren, zündete sie eine Kerze an.

Geschäftsführerin Fanny Lanfermann dankte allen Löwenherz-Spendern – ebenso wie Kirsten Höfer als Leiterin der ambulanten Kinderhospizarbeit von Löwenherz. Seit Gründung vor elf Jahren hätten Ehrenamtliche 50 000 Stunden in der ambulanten Betreuung geleistet.

Den musikalischen Rahmen gestaltete die Querflötistin Carin Levine. 

 sdl

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