Aber die Ressourcen sinken: Harzwasserwerke erarbeiten Zukunftsstrategien

Wasser – Nachfrage steigt enorm

Im Wasserwerk Ristedt wird das sogenannte Rohwasser aus der Erde in mehreren Stufen gefiltert und mit Kalk versetzt, um es zu enthärten. Trinkwasser gilt als bestkontrolliertestes Lebensmittel.
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Im Wasserwerk Ristedt wird das sogenannte Rohwasser aus der Erde in mehreren Stufen gefiltert und mit Kalk versetzt, um es zu enthärten. Trinkwasser gilt als bestkontrolliertestes Lebensmittel.

Syke – Der Klimawandel ist angekommen. Daran lassen Fakten der Harzwasserwerke keinen Zweifel. Zwei Millionen Menschen versorgen sie pro Jahr mit 98,7 Millionen Kubikmeter Trinkwasser – von 20 verschiedenen Standorten aus, mit 260 Mitarbeitern. Und das in einer Zeit, in der die Grundwassermengen nachweislich sinken – genauso wie die Menge an Niederschlag.

Will heißen: Die Ressource Wasser wird knapp. Sehr knapp. Was genau das für die Wasserversorger in Niedersachsen bedeutet und welche Zukunftsstrategien daraus resultieren, stellten Marie Kleine als Pressesprecherin der Harzwasserwerke, Stefan Schütte als Wasserwerksmeister in Syke-Ristedt und Maik Uhlen als Bereichsleiter Wasserwirtschaft bei den Harzwasserwerken am Montag während einer Pressekonferenz im Wasserwerk Ristedt klar. Ein bedeutender Ort, denn es ist das zweitgrößte Wasserwerk der Harzwasserwerke. 1962/63 war es – in einer Zeit, in der das Grundwasser unerschöpflich schien – für die Versorgung der Hansestadt Bremen errichtet worden. Heute fördert es im Schnitt 16,8 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr aus 27 Brunnen an 19 Standorten. Genau die sind verteilt auf einer Fläche von fast 100 Quadratkilometern.

„Wir versorgen fast eine halbe Million Menschen in Bremen und in der Region Syke mit Trinkwasser“, stellt Stefan Schütte als Wasserwerksmeister in Ristedt in der Pressekonferenz klar. Die Qualität des Lebenselixiers sichern zwei Filterstufen: Die erste eliminiert Eisen und Gase aus dem Grundwasser. Die zweite versetzt es mit Kalk, um es zu enthärten.

In Hochbehältern lagert das Trinkwasser bis zum Transport zum Kunden. Das sind zum einen die Bürger in Bremen, die einen Versorgungsvertrag mit SWB haben – und zum anderen die Bürger, deren Trinkwasserversorgung an das Netz des Wasserversorgungsverbands Syker Vorgeest angeschlossen ist. „Wir sind Vorversorger“, so erklärt Marie Kleine die Funktion der Harzwasserwerke. SWB und Syker Vorgeest seien Endversorger. Will heißen: Sie verkaufen ihren Kunden das Wasser. Aber wie lange noch und zu welchem Preis?

Denn Fakt ist, so erläutert Maik Uhlen am Beispiel der Messstelle Ristedt: Die Niederschläge sind auf der Messskala aktuell um sage und schreibe 197 Millimeter gesunken – was rund 29 Prozent des langjährigen Durchschnittswerts entspreche: „Das hat sich über die Jahre aufgebaut.“ Gleichzeitig sinke der Grundwasserspiegel kontinuierlich, betont der Wasserwirtschaftsexperte.

Ist das allein der Trinkwasserförderung geschuldet? Nein, lautet die Botschaft von Maik Uhlen. Denn an einer anderen Messstelle, die nicht von der Trinkwasserförderung beeinflusst werde, sei exakt die gleiche Entwicklung, sprich Senkung, festzustellen – wie in vielen anderen Bereichen in Deutschland auch, wie Uhlen mit den Ergebnissen einer Studie belegt. Anders gesagt: Die Dürre ist angekommen in Deutschland.

Aber wie können die Wasserversorger darauf reagieren? In einer Zeit, in der Verbraucher nachweislich so viel vom Lebenselixier Wasser verbrauchen wie nie zuvor? „Wir haben mehr Nachfrage nach Wasser als wir bedienen können“, bestätigt Marie Kleine. Mit 100 Millionen Kubikmeter Wasser hätten die Harzwasserwerke 2018 einen Absatzrekord erzielt.

Zum Vergleich: Im Fördergebiet Ristedt dürfen die Harzwasserwerke pro Jahr bis zu 20 Millionen Kubikmeter Wasser fördern. Genau das ist rechtlich festgelegt und durch Gutachten belegt. Diese Menge hat sich, so Maik Uhlen, seit der ersten Genehmigung im Jahr 1976 nicht geändert. Für jeweils 30 Jahre wird sie erteilt, die aktuelle gilt bis Ende 2040.

Aber wie verträglich ist das für Umwelt und Natur? Lässt sich die Genehmigung ausschöpfen? Genau das überwacht das Monitoring, stellt Uhlen klar. Daten aus 258 Messstellen fließen darin ein, werden alle 15 Minuten erhoben – an Bächen und sogenannten Stillgewässern. Die Rechtslage ist klar: „Wenn es durch die Grundwasserentnahme zu Umweltschäden kommt, sind wir verpflichtet, sie zu kompensieren“, stellen die Vertreter der Harzwasserwerke klar. Bisher war das nicht notwendig.

Damit es auch künftig nicht dazu kommt, arbeiten die Harzwasserwerke an einer Zukunftsstrategie. Dazu gehört zum einen Transparenz über die heutigen und zukünftigen Verbrauchsmengen an Wasser; zum anderen die optimale Nutzung von Ressourcen, ohne die Nachhaltigkeit zu gefährden; zum dritten die Verknüpfung der Versorgungsinfrastruktur der verschiedenen Wasserversorger in Niedersachsen: Wie auf einem Wasserverschiebebahnhof sollen sich Mengen und Möglichkeiten im Land ausgleichen. In der Region Syke/Bremen wollen die Harzwasserwerke mit dem Oldenburgisch Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) zusammen arbeiten.

Nachgefragt

Der Landkreis Diepholz arbeitet an einem Wasserversorgungskonzept. Das sieht unter anderem vor, Entwässerungsgräben und Acker-Dränagen in regenreichen Zeiten abzusperren, damit die Niederschläge in der Region bleiben. Ist das eine Möglichkeit, den Grundwasserspiegel langfristig anzuheben? Ja, betont Maik Uhlen als Abteilungsleiter Wasserwirtschaft bei den Harzwasserwerken: „Das ist eine durchaus intelligente Lösung.“ Und wie steht es mit dem Vorschlag von FWG-Politiker Ulrich Helms, bei Neubauten Zisternen und die Nutzung von Brauchwasser für zum Beispiel Toilettenspülungen vorzuschreiben? „Das wird bei uns schon längst diskutiert“, so Marie Kleine als Pressesprecherin der Harzwasserwerke.

Von Anke Seidel

Vom Harz bis nach Bremen: (v.l.) Stefan Schütte, Marie Kleine und Marc Uhlen erläutern, in welch großem Gebiet die Harzwasserwerke Vorversorger sind.
Akribisch auf Keime und Fremdstoffe kontrolliert: Trinkwasser wird intensiv geprüft.

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