Bildende Kunst vs. Musikschule

Was wird aus der Steinwiese in Syke?

Skulpturen auf der Steinwiese.
+
Carrara-Marmor: Die Skulpturen sind nicht im allerbesten Zustand.

Für den Neubau der Kreismusikschule in Syke müssen drei der sechs Marmor-Skulpturen auf der sogenannten Steinwiese versetzt werden.

Syke – Die Kreismusikschule des Landkreises Diepholz soll ein neues Gebäude erhalten. Dafür hat sich Mitte Juni der Betriebsausschuss ausgesprochen. Entstehen soll es auf der sogenannten Steinwiese an der La-Chartre-Straße zwischen Gymnasium und Busbahnhof. Das Problem: Drei der sechs Skulpturen aus Cararra-Marmor müssten dort umgestellt werden.

„Die potenzielle Baufläche befindet sich im Eigentum des Landkreises“, sagt Mischa Flaspöhler, Architekt beim Fachdienst für Liegenschaften in Diepholz. Und Uwe Wegert, Direktor der Kreismusikschule, sagt: „Geplant ist, dass im Frühjahr nächsten Jahres die Baustelle eingerichtet wird.“

Wegert spricht sich für das Umstellen und Neuanordnen der betroffenen Skulpturen aus. Und er ist optimistisch, sich mit allen Parteien zu einigen. Die drei betroffenen Skulpturen sind von Jiri Seifer (Tschechien), Werner Stötzer und Louis Niebuhr (beide Deutschland) 1991 geschaffen worden. Die von Seifer gehört heute dem Landkreis, die von Stötzer der Sparkassenstiftung des Landes Niedersachsen und die von Niebuhr ist im städtischen Besitz, so Wegert.

Der Syker Künstler und Schöpfer des Marmor-Parks, Louis Niebuhr, möchte dem Vorhaben nicht im Wege stehen, lässt über seine Ehefrau Beate Zitzlaff ausrichten. „Herr Wegert hat uns am 11. Juni besucht und für die Neuanordnung geworben“, sagt sie. Aus gesundheitlichen Gründen könne sich ihr Mann nicht persönlich zur Versetzung der Kunstobjekte äußern, so Zitzlaff. Jedoch dürften die Skulpturen laut Zitzlaff nur bewegt werden, wenn sie auf dem dortigen Areal verbleiben und mit den übrigen Kunstwerken entsprechend im Einklang gestalterisch neu arrangiert werden.

Beate Zitzlaff sagt, Wegert habe ihr und Louis Niebuhr eine Begehung mit einem Architekten angeboten. Außerdem bekämen beide die Pläne der Neuanordnung der Skulpturen. Wegert versichert auf Anfrage unserer Zeitung außerdem, dass er das Ehepaar bei der Versetzung der Skulpturen zurate ziehen werde.

Bildhauer-Symposion aus den 1990er-Jahren

Entstanden ist der Skulpturen-Park in Syke im Jahr 1991. Damals holte Organisator und Bildhauer Niebuhr eine europäische Künstlerriege nach Syke und erschuf in sechs Wochen aus 40 Tonnen Marmor die Gebilde im öffentlichen Raum. Das Projekt hatte damals laut Dennis Landt von der Kreissparkasse Syke ein Volumen von 185 000 Mark und wurde vom Landkreis und der Stadt (150 000 Mark) sowie dem Auswärtigen Amt (15 000 Mark) und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung Hannover (20 000 Mark) finanziert.d

„Die entstandenen Skulpturen sind absprachegemäß nach dem Symposion in den Besitz der Geldgeber übergegangen“, so Landt. Die Skulptur „Große Sitzende“ von Werner Stötzer hat demnach die Niedersächsische Sparkassenstiftung erhalten. „Sie ist als Dauerleihgabe an die Stadt Syke am Ort ihrer Entstehung verblieben.“

Die Werke sollten damals den Ausbau des Gymnasiums künstlerisch bereichern und ein gemeinsames Europa symbolisieren. Zu den damaligen Bildhauern zählen außerdem Miguel Ausili (Italien), Ioanna Filippidu (Griechenland) und Janez Lenassi (Slowenien). Dass die Skulpturen versetzt werden sollen, dürfte die Künstler selbst heute nicht mehr stören. Bis auf Ausili und Niebuhr sind alle tot.

Doch könnte die Gefahr bestehen, dass die eher unscheinbaren Skulpturen sang- und klanglos aus dem öffentlichen Raum verschwinden? Kultur entsteht eben auch aus Konflikten, und unterliegt der Gefahr der Verdrängung. So sah es 1991 Helga Schuchardt, Niedersächsische Ministerin für Kultur und Wissenschaft. „Kunst im öffentlichen Raum lebt von der Auseinandersetzung mit der Natur und der gegebenen städtebaulichen Situation“, schrieb sie im Vorwort des Begleittextes zum Skulpturen-Symposion.

Musikschuldirektor Wegert jedenfalls setzt sich dafür ein, dass sich auch seine künftigen Schüler mit „der anderen Kunst“ befassen. „Bildende Kunst ist eine stehende Kunst, die immer wieder neu mit Interesse belebt werden muss“, sagt Wegert.

Wille alleine genügt nicht. Niebuhrs Ehefrau Beate Zitzlaff übt Kritik an der öffentlichen Hand. Die Skulpturen würden bislang verschmutzen und nicht ordentlich gepflegt, meint sie. „Wir haben die Stadt Syke schriftlich und ganz detailliert informiert, wie der Marmor zu pflegen ist“, sagt Zitzlaff. Verwitterung liege über den Skulpturen. „Der Zustand spricht für sich“, so Zitzlaff. Tatsächlich sind die Kunstwerke teils mit Schmierereien verunstaltet und Schmutz bedeckt den italienischen Marmor.

Der Kunstkritiker und -historiker Jürgen Weichardt sagte 1991: „Bleiben nach Abschluss des Symposions die Skulpturen am Ort ihres Entstehens, wird Syke eine attraktive Stadt zeitgemäßer Bildhauerkunst.“ Und heute? „Das konnte man damals nicht voraussehen, dass daraus nichts geworden ist“, sagt Weichardt knapp 30 Jahre später der Kreiszeitung. Woran lag das? Weichardt spekuliert, dass sich vielleicht die damals gut vernetzte Bildhauerszene einfach aus den Augen verloren habe.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde

Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde

Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde
Mann bedroht Frauen mit Schusswaffe – das SEK greift nach Stunden ein

Mann bedroht Frauen mit Schusswaffe – das SEK greift nach Stunden ein

Mann bedroht Frauen mit Schusswaffe – das SEK greift nach Stunden ein
Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück

Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück

Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück
Zirkusfamilie Köhler eröffnet Hüpfburgpark in Sulingen-Gaue zugunsten der Tiere

Zirkusfamilie Köhler eröffnet Hüpfburgpark in Sulingen-Gaue zugunsten der Tiere

Zirkusfamilie Köhler eröffnet Hüpfburgpark in Sulingen-Gaue zugunsten der Tiere

Kommentare