Warten ob die Mail rausgeht

Barrier Unternehmer sauer über zu langsames Internet am Handwerkerhof

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Breitbandkabel für schnelles Internet – davon können die Firmen am Handwerkerhof nur träumen.

Barrien - Von Michael Walter. Eine „Wirtschaftlichkeitslücke“ sorgt für Ärger bei den Unternehmern im Barrier Gewerbegebiet am Handwerkerhof. Dabei geht es nicht um die Unternehmensbilanzen, sondern um die Internetversorgung.

Der technisch mögliche Datendurchsatz ist für die meisten dort angesiedelten Firmen viel zu gering. Ein Ausbau wäre technisch möglich, würde sich für den Netzbetreiber EWE aber nicht rechnen. Das ist die besagte Wirtschaftlichkeitslücke.

Die Unternehmen sehen daher jetzt die Stadt Syke in der Pflicht. „Wenn wir die Gewerbesteuern erwirtschaften, dann muss die Stadt auch was dafür tun“, redet beispielsweise Olaf Büntemeyer Klartext. Sein Unternehmen vermietet Wohnmobile. „Die meisten Abläufe erfolgen übers Internet“, erklärt er. Anfragen bearbeiten, Bilder an Kunden verschicken, den Fahrzeugkatalog auf der Homepage pflegen ... Das sind alles keine großen Datenmengen, die da bewegt werden. Im Schnitt etwa 200 bis 300 Kilobyte pro Aktion. Doch das reicht bereits aus, um die Leitung in die Knie zu zwingen. „Wenn alle Mitarbeiter da sind und auch noch ihr Smartphone dabei haben, das sich ins WLAN einwählt, geht schon fast nichts mehr“, erzählt Büntemeyer. „Dann sitzt du da vor deinem Rechner und wartest, ob eine wichtige Mail rausgeht oder nicht. Oft genug bricht die Übertragung ab.“

Teilweise minutenlange Wartezeit

Auch Christian Eilers, Vorstandsmitglied im Barrier Werbering, kennt solche Momente. Er ist kürzlich mit seinem Dienstleistungsunternehmen von der Sudweyher Straße an den Handwerkerhof umgezogen. „Am alten Standort hatten wir eine 100 Megabit Leitung. Ich hätte nie gedacht, dass wir hier in einem reinen Gewerbegebiet so viel weniger haben würden. Da habe ich gar nicht erst danach gefragt.“

Ein Fehler, wie er heute weiß. Denn am Handwerkerhof sind lediglich Übertragungsraten von maximal 16 .000 Kilobit pro Sekunde technisch möglich. „Effektiv kommen bei uns davon im Idealfall 11 .000 an“, sagt Eilers. Viel entscheidender als die Download-Kapazität ist aber der Upload – und da stehen ihm gerade mal 890 Kilobit pro Sekunde zur Verfügung.

Eigentlich immer noch genug, um Datenmengen von 400 bis 800 Kilobyte – größer sind die einzelnen Dateien auch bei ihm nicht – zügig zu versenden. Doch die Realität sieht anders aus. Auch Eilers’ Mitarbeiterinnen müssen regelmäßig bei jedem einzelnen Vorgang warten. Mitunter minutenlang.

Keine kurzfristige Lösung

Ursache der Misere ist eine gut gemeinte Idee aus der Erschließungszeit des Gewerbegebiets: Damit die Betriebe dort nicht am gleichen Kabelstrang wie die umliegenden Wohngebiete hängen müssten, wurde damals für den Handwerkerhof ein eigener Kabelverzweiger eingerichtet. Der hängt selber noch an einem herkömmlichen Kupferkabel und ist nicht mit Glasfaser erschlossen. Und er ist mit so wenigen Anschlüssen verknüpft, dass sich für den Netzbetreiber der Ausbau nicht lohnt.

„Hinge da ein Wohngebiet mit dran, wäre das mit Sicherheit längst gemacht worden“, glaubt Erster Stadtrat Thomas Kuchem. Im Rathaus ist das Problem bekannt. Eine kurzfristige Lösung kann aber auch die Stadtverwaltung nicht anbieten. Und das hängt wieder mit den Plänen des Landkreises für einen Breitbandausbau zusammen.

„Der Handwerkerhof ist Bestandteil davon“, erklärt Kuchem. Und weil er Teil des Ausbaupakets ist, kann dort nicht vorab modernisiert werden, weil das die Fördergelder für das Gesamtpaket gefährden würde. Bleibt also nur Abwarten. Aber warten sind sie am Handwerkerhof ja gewohnt...

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