Warten auf die Hauptperson

Etwa 30 Prozent der Angeklagten erscheinen nicht zum Strafprozess

Syke – Justitia lässt nicht mit sich spaßen – auch und gerade dann nicht, wenn Angeklagte oder Zeugen glauben, trotz ordnungsgemäßer Vorladung zum Gerichtstermin Strafrichter, Staatsanwalt und andere Prozessbeteiligte sitzen lassen zu können.

Strafrichter Christoph Kellermann vom Amtsgericht Syke schätzt, dass es inzwischen schon rund 30 Prozent der angeklagten Männer und Frauen sind, die Gerichtstermine durch Nichterscheinen platzen lassen. Gründe seien, so Kellermann, unter anderem dass die einen mit ihren Unterlagen nicht sorgsam umgehen, andere ein Drogen- oder Alkoholproblem haben und andere einfach den Kopf in den Sand stecken.

Welche Möglichkeiten hat das Gericht vorzugehen, wenn Angeklagte den Verhandlungstermin sausen lassen? Es kann das Strafverfahren in ein Strafbefehlsverfahren umwandeln und der oder die Angeklagten erhalten wenig später eine Geld- oder Frei heitsstrafe bis zu einem Jahr mit Bewährung.

Eine weitere Möglichkeit ist der Erlass eines Vorführungsbefehls zu einem neu festgelegten Hauptverhandlungstermin – oder auch spontan. Das heißt dann, die Polizei steht am Tag des „verschwitzten“ Hauptverhandlungstermins vor der oder dem Angeklagten.

Das traf jetzt beispielsweise auch eine Frau aus Oyten. Die wegen Betruges in vier Fällen angeklagte Frau hatte offensichtlich damit nicht gerechnet, Besuch von der Polizei zu bekommen. Weil sie zur Hauptverhandlung trotz ordnungsgemäßer Vorladung nicht im Saal 117 des Amtsgerichts Syke erschienen war, stand in den frühen Vormittagsstunden des nächsten Verhandlungstages plötzlich eine Streifenbesatzung der Achimer Polizei vor ihrer Tür. Und zwar mit einem Vorführungsbefehl, angeordnet von Strafrichter Kellermann.

Die Oytenerin wurde von der Polizei Achim bis an die Zuständigkeitsgrenze gebracht, dort von der Polizei Syke in Empfang genommen und schließlich dem Strafrichter im Saal 117 vorgeführt. Ihre Behauptung, dass sie die Ladung zum Verhandlungstermin nicht erhalten habe, konnte der Strafrichter widerlegen: Von dem Postzusteller war ihr die Vorladung per Zustellungsurkunde persönlich überreicht worden.

Da die Frau die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft abstritt und nicht erklären konnte, wird es einen neuen Verhandlungstermin mit Zeugen geben. Der Oytenerin machte Kellermann deutlich, dass sie – wenn sie erneut nicht freiwillig erscheint – wieder von der Polizei vorgeführt wird. Auf die Frau können nun zusätzliche Kosten zukommen: Zum einen die Beförderung mit dem Streifenwagen der Polizei, zum anderen die Gerichtsgebühren für den Verhandlungstag.

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