Wandel und Watschn

Lindhof-Schulleiterin Buchwald-Wachendorf in der Schusslinie

Syke - Von Michael Walter. Mit einem unüberhörbaren Zähneknirschen hat am Mittwoch Abend der Schulausschuss dem Antrag auf Umwandlung der Grundschule am Lindhof von einer teilgebundenen in eine offene Ganztagsschule zugestimmt – gegen die eigene Überzeugung.

Der Tenor war quer durch alle politischen Fraktionen der gleiche: Probleme hin oder her, nach nur einem Jahr schon das Handtuch zu werfen, sei viel zu früh. Das entscheidende „Aber“ brachte Erster Stadtrat Thomas Kuchem auf den Punkt: „Einem einstimmigen Votum des Schulvorstands können wir uns nicht verschließen.“

Schulleiterin Ursula Buchwald-Wachendorf will die Umwandlung bei der Landesschulbehörde beantragen. Der Rat der Stadt muss dazu lediglich sein Einverständnis erklären. Und genau diese Empfehlung hat der Schulausschuss jetzt ausgesprochen. Einstimmig bei zwei Enthaltungen.

Ihre Gründe dafür zweifelt der Ausschuss gar nicht an: Die Rahmenbedingungen stimmen nicht, um das in mehrjähriger Arbeit erstellte Konzept für eine Ganztagsschule mit zwei Pflicht-Nachmittagen pro Woche auch umsetzen zu können (wir berichteten). Dennoch holte sich Buchwald-Wachendorf in der öffentlichen Sitzung eine derbe Watschn von Politik und Verwaltung. Dabei war das Thema Grundschule am Lindhof zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon durch.

Es ging um das zweite große Schulthema an diesem Abend: Die Zukunft der GTS 2001. Wie berichtet, möchte die Stadt sie trotz rückläufiger Schülerzahlen unbedingt erhalten und dazu die ganztägige Haupt- und Realschule zum nächsten Sommer in eine ebenfalls ganztägige Oberschule umwandeln sowie gleichzeitig einen Grundschulzweig dort andocken.

Zweite Grundschule im Stadtkern

So will die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mit einem durchgängigen Schulangebot von Klasse 1 bis 10 die GTS 2001 attraktiver machen und die aus allen Nähten platzende Grundschule am Lindhof möglichst schnell entlasten.

Dazu würde die Stadt zwei komplette Klassenverbände aus dem Lindhof an die neue Grundschule verlagern. Wer sich dagegen aussprach, war Ursula Buchwald-Wachendorf. Einen „Schnellschuss“ nannte sie das und betonte, im Vorfeld nicht ausreichend beteiligt worden zu sein. Und das war der Moment, in dem einigen der Kragen platzte.

„Im Satz davor haben Sie sich noch beklagt, dass Ihre Mensa zu klein ist und Sie zu wenig Räume haben“, wetterte zuerst Reinhard Hansemann (FDP) und raunzte: „Kümmern Sie sich um die Grundschule am Lindhof und lassen Sie die Schulleitung an der Ferdinand-Salfer-Straße ihre Arbeit tun.“

Auch Erster Stadtrat Thomas Kuchem war deutlich angefressen: „Mit niemandem sprechen wir so oft wie mit Ihnen. Sie kommen seit Monaten zu uns und beschweren sich, wie schrecklich die Raumsituation bei Ihnen ist. Wir kommen Ihnen so schnell wie möglich entgegen, und jetzt passt es Ihnen auch nicht. Da fehlen mir die Worte. Ich lasse mir nicht vorwerfen, wir würden Sie nicht mitnehmen.“ Grundsätzlich betonte Kuchem: „Die Grundschule am Lindhof spricht nicht mit, wie wir die Grundschule an der Ferdinand-Salfer-Straße gestalten.“ Das sei allein Sache des Schulträgers, also der Stadt.

„Viele haben von Pädagogik keine Ahnung“

Der schärfste Vorwurf kam von Florian Kastner (FWG): „Der größte Verdienst, dass es am Lindhof nicht läuft, liegt bei Ihnen!“

Etwas Beistand erhielt Buchwald-Wachendorf einzig von Peter Jahnke (SPD): „Viele haben von Pädagogik keine Ahnung. Man kann bestehende Klassen nicht so einfach auseinanderreißen oder an einen anderen Standort schicken.“ Das sei es, was Buchwald-Wachendorf lediglich gemeint habe.

Grüne und Linke hatten in letzter Minute noch einen Antrag eingereicht, die Stadt möge alternativ zum Modell Oberschule prüfen, ob die GTS 2001 nicht besser in eine Integrierte Gesamtschule umgestaltet werden solle. Das habe die Stadt bereits im Vorfeld geprüft, erklärte Thomas Kuchem. Für eine IGS sei eine Mindestgröße von 96 Schülern pro Jahrgang erforderlich. „Die könnten wir nicht mal ansatzweise nachweisen.“ Außerdem: Für eine IGS müsste die Stadt auch noch eine gymnasiale Oberstufe einrichten. „Das ist weit weg von der Realität. Daher hatten wir diesen Gedanken gleich wieder verworfen.“

Der Ausschuss lehnte somit das Modell IGS ab. Einstimmig bei vier Enthaltungen empfahl er: Die GTS 2001 soll eine (mindestens) teilgebundene Oberschule werden. Eine zweizügige Grundschule soll als offene Ganztagsschule eingerichtet werden. Ein bis zwei Klassenverbände sollen im Sommer vom Lindhof an die neue Grundschule verlegt werden. Die soll organisatorisch an die Oberschule angedockt werden. Sollte das rechtlich nicht möglich sein, wird sie als neue eigenständige Grundschule eingerichtet.

Die Entscheidung darüber trifft in der kommenden Woche der Syker Rat.

Kommentar von Redakteur Michael Walter

Der grobe Rüffel für Lindhof-Leiterin Ursula Buchwald-Wachendorf im Schulausschuss war sicher nicht die feine englische Art. Und ob die persönlichen Vorwürfe an sie gerechtfertig sind, lassen wir mal dahingestellt bleiben. Eines zeigt dieser Vorfall aber ganz deutlich: Die Leiterin der Grundschule am Lindhof hat in der Syker Politik und bei der Stadtverwaltung inzwischen so ziemlich jeden Kredit verspielt.

Deutlich wurde auch: Nur um den eigenen Prinzipien gerecht zu bleiben, gab der Ausschuss ihrem Antrag auf Umwandlung der Schule in eine offene Ganztagsform seinen Segen. Alles andere hätte einen unmittelbaren Eingriff in die pädagogische Arbeit an der Schule bedeutet – und die Schulleiterin demontiert. Und sowas macht man eben nicht, war die einhellige Auffassung, weder das eine noch das andere.

Michael Walter.

Unmissverständlich war aber auch der Vorwurf, viel zu früh das Handtuch geworfen zu haben. Der von Buchwald-Wachendorf mit großem persönlichem Engagement eingeleitete Umbau zur Ganztagsschule mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht zweimal die Woche ist noch nicht einmal abgeschlossen (und bezahlt!), da kapituliert sie schon vor den Anlaufschwierigkeiten – die ja nun keineswegs überraschend gekommen sind. Damit hat sie sich und ihrer Schule einen gewaltigen Bärendienst erwiesen. Denn der Ausschuss ließ quer durch alle politischen Farben keinerlei Zweifel aufkommen: Das ursprüngliche Konzept sei zwar gut und solle auch nicht aufgegeben werden. Auf keinen Fall werde man aber in den nächsten Jahren noch einmal über eine erneute Umwandlung in eine teilverpflichtende Ganztagsschule diskutieren. Jedenfalls nicht – auch wenn das niemand laut sagte – solange die Leiterin am Lindhof noch Buchwald-Wachendorf heißt.

Was außerdem klar sein dürfte: Mit irgendwelchen Wünschen oder gar Forderungen, die über das bloße Pflichtprogramm hinaus gehen, braucht sich Ursula Buchwald-Wachendorf an Stadt und Politik nicht mehr zu wenden.

Rubriklistenbild: © dpa

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