Neujahrskonzert im KSK-Saal 

Walzerklänge statt Brathendln

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Die Klassische Philharmonie Nordwest sorgte gestern gleich zweimal für einen bunten Reigen beschwingter Melodien als Stimmungmacher für 2017: Am Vormittag spielte das Ensemble in Syke, am Nachmittag in Varrel. 

Syke - Von Angelika Kratz. „Heute bleibt die Küche kalt“, war ein einschlägiger Werbeslogan der 60er-Jahre. In den Wienerwald sollte es damals zum leckeren Hendl-Essen gehen. Den besuchten auch die erwartungsfreudigen Gäste gestern im ausverkauften Saal der Kreissparkasse Syke zum traditionellen – und kalorienfreien! – Neujahrskonzert. Statt Brathuhn servierte die Klassische Philharmonie Nordwest unter der Leitung von Ulrich Semrau einen bunten Reigen beschwingter Melodien als besten Stimmungsmacher für den Start in das Jahr 2017.

„Unter dem Doppeladler“ lautete das Motto des Neujahrkonzertes, und das startete entsprechend mit dem Komponisten Josef Wagner und einem zünftigen Marsch. Den Blick auf ein walzerbeschwingtes Österreich und Ungarn längst vergangener Zeiten gerichtet, ging es im Programm weiter mit Johann Strauss und „Tausend und eine Nacht“ aus seiner ersten aufgeführten Operette „Indigo und die 40 Räuber“.

Als morgendliche Gymnastikeinheit hätten sich einige Walzerschritte sicherlich gut gemacht, aber die Enge im Saal ließ dies nicht zu. Fast greifbar vom Publikum agierten die Musiker, und im eigentlichen Scheinwerferlicht „sonnten“ sich nur die Flötisten auf der kleinen Bühne. Der jungen Klassischen Philharmonie Nordwest machen solche „Engpässe“ nichts aus, mit fröhlichem Lächeln und voller Euphorie spürte der Saal einen ansteckenden Spaß am Musizieren.

Den verbreitete auch Klarinettist Martin Kratzsch mit jeweils einem Soloblock im ersten und zweiten Programmteil. Die Rhapsodie „Odessa“ wurde bereits vor einigen Jahren für die Klassische Philharmonie Nordwest und Klarinette von Martin Kratzsch auf „den Leib“ geschrieben. Das walzerbeschwingte Wien musste kurzfristig verlassen werden und mitten in der bunten Klezmer-Musik fand sich das Publikum wieder. Ungarn, Rumänien und Russland tanzten, die Klarinette jubilierte und gemeinsam mit den Streichern ergab sich ein ganz besonderer Ohrenschmaus.

Rosen aus dem Süden zum Abschluss

Zum Sackenlassen ging es mit Johann Strauss wieder zurück nach Wien in das Jahr 1867 zur Polka Mazur aus dem „Lob der Frauen“. Nach mächtigem Trommelwirbel folgte ein Verbrechen aus Leidenschaft mit dem Tango Jalousie von dem dänischen Stummfilmkomponisten Jacob Gade. „Ein Morgen, Mittag und Abend in Wien“ war eine weitere Versprechung mit Franz von Sauté. Ganz andere Streicheleinheiten bot der Blick gen Norddeutschland mit Willi Krulls „Weserlegenden“. Dem folgte nach der Uraufführung am Freitag in Wildeshausen die Erstaufführung von Martin Kratzsch neuester Komposition der „Balkan-Sketche“ in Syke. Bulgarischer Dudelsack, Roma-Melodien, Fanfarenklänge und Tänze ergaben eine überbordende Klarinette mit Unterstützung des Orchesters. „Einfach toll“, zumindest für jeden Klarinetten- und Klezmerfreund.

Entgegen sonstiger Gewohnheit wurde das Neujahrskonzert nicht mit dem Walzer „An der schönen blauen Donau“ beendet. Stattdessen gab es „Rosen aus dem Süden“ aus der Operette „Das Spitzentuch der Königin“ von Johann Strauss. Unbedingte Tradition hat indes der Radetzky-Marsch zum Ende des Neujahrskonzertes.

Damit verabschiedeten sich die Musiker und Ulrich Semrau nach einem abwechslungsreichen Programm voller gelungener Überraschungen.

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