Wassermühle auf Dauer als technisches Denkmal erhalten

Das Wahrzeichen von Barrien

Neuer Förderverein für die Wassermühle in Barrien – von links: Alfred Tegtmeier, Christiane Palm-Hoffmeister, Erich Paul und Brigitte Morlock. Sie wollen für den langfristigen Erhalt der Wassermühle sorgen. - Foto: Heinfried Husmann.

Barrien - Von Michael Walter. „Man muss über seine Lebenszeit hinaus denken“, sagt Christiane Palm-Hoffmeister. Die Miteigentümerin und langjährige Betreiberin der Barrier Wassermühle tut das. Im Herbst hatte sie die Gründung eines Fördervereins angestoßen, der sich um den Erhalt der Mühle kümmern soll, wenn sie und ihr Nachbar Manfred Palm – der zweite Miteigentümer – das mal nicht mehr können. Jetzt ist der Verein aktiv. Gestern stellte sich der Vorstand in einem Pressegespräch vor.

Alfred Tegtmeier ist der erste Vorsitzende. Christiane Palm-Hoffmeister ist zweite Vorsitzende, Erich Paul kümmert sich um die Finanzen und Brigitte Morlok ist Schriftführerin. Insgesamt gibt es 16 Mitglieder aus Syke und umzu.

„Die Wassermühle ist ein technisches Denkmal und soll langfristig erhalten bleiben“, sagt Tegtmeier. „Historische Architektur ist an allen Orten ein Identifikationsmerkmal für die Menschen.“

Klingt vielleicht ein bisschen theoretisch. Die Realität gibt Tegtmeier aber Recht. Palm-Hoffmeister zählt auf: „Die Wassermühle ist im Barrier Logo. Im Seniorenheim ist sie Kern eines riesigen Wandbilds, die Mühle ist in der Kinderecke der Barrier Sparkasse zu sehen, und als die Mädchen von Zebra Orange damals den Tunnel unter der B 6 bemalt haben, war die Mühle das erste Motiv, das sie sich ausgesucht haben.“ Brigitte Morlok schlägt in die gleiche Kerbe: „Ich bin 1999 zugereist. Für mich war die Mühle immer das Wahrzeichen von Barrien.“

Als die „Gebrüder und Gevetter Klencke“ 1345 ihr Haus, ihren Hof, den Baumgarten und die Mühle im Kirchdorf Barrien an den Grafen Gerhard von Hoya verkauften, wurde die Wassermühle zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Damit ist sie wohl eine der ältesten Mühlen in Niedersachsen.

1850 kaufte Wilhelm Niebuhr, genannt Tegtmeyer (übrigens nicht verwandt mit dem Fördervereins-Vorsitzenden Alfred Tegtmeier), die Mühle für 14 500 Thaler Courant. Sein Name prangt auf einer Steintafel an der Mühle und verkündete 1857 die Fertigstellung des Neubaus in massivem Ziegelmauerwerk. Das Fachwerkgebäude von etwa 1721 entsprach nicht mehr dem Geschmack der Zeit. Der Betrieb florierte, und zeitweise war die Mühle sogar mit zwei Wasserrädern ausgestattet.

Bis 1971 haben die letzten Barrier Wassermüller Heinrich Hattesohl und sein Schwiegersohn Friedrich Urbrock die unterschlächtige Wassermühle betrieben.

Christiane Palm-Hoffmeister war 1973 Teil der Wohn- und Eigentümergemeinschaft, die das bereits im Verfall befindliche Gebäude mit beträchtlichem Aufwand saniert hat. 1985 wurde die Mühle außerdem Gasthaus und Café. Die Kulturinitiatve Rüttelschuh machte sie dann zu einem überregional gefragten kulturellen Anziehungspunkt mit Ausstellungen, Lesungen und Konzerten.

Bisher sei der Erhalt ein Selbstläufer gewesen, sagt Palm-Hoffmeister. Durch das Café und Rüttelschuh. Das Café hat sie vor fast genau einem Jahr aus Altersgründen aufgegeben. Jetzt soll sich der Förderverein um den technischen Erhalt der Mühle kümmern.

Für Palm-Hoffmeister letztlich eine Konsequenz daraus, dass der Syker Rat es vor einiger Zeit abgelehnt hatte, die Mühle zu kaufen. „Uns ist damals unterstellt worden, dass wir uns eine goldene Nase verdienen wollten“, sagt sie. „Dabei ist es uns nie ums Geld gegangen. Wenn es das wäre, hätten wir die Mühle lange schon verkaufen können.“ Angebote habe es genug gegeben.

Beiden Eigentümern, sagt sie, gehe es neben dem physischen Erhalt des Gebäudes vor allem darum, es auf Dauer für die Menschen nutzbar und erlebbar zu erhalten. „Die Mühle ist mein Lebenswerk und ich liebe sie sehr. Aber im Grunde ist es von Anfang an verkehrt gewesen, dass sie in privater Hand war und nicht in öffentlicher.“ Ziel sei es, die Mühle langfristig in die Gemeinnützigkeit zu überführen.

Der Förderverein will dazu beispielsweise mit Führungen und Vorträgen beitragen. Alfred Tegtmeier: „Unser Wunsch ist, dass aus der Mitgliedschaft und der Bevölkerung weitere Ideen kommen.“ Seine erste reguläre Mitgliederversammlung hat der Verein am 15. Juni um 19 Uhr – in der Wassermühle.

Eine eigene Homepage hat der Verein noch nicht. Zu erreichen ist er vorläufig unter der Mailadresse

kulturmuehle@t-online.de

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