Ausbreitung von Krankheiten befürchtet

Wachsender Wildschweinbestand besorgt den Kreisjägermeister

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Eine Bache kann bis zu zehn Frischlinge bekommen.

Landkreis - Von Julia Kreykenbohm. Schweine bringen angeblich Glück. Allerdings nicht alle. Die Sorte mit den dichten Borsten, die frei in der Landschaft umherstreift, macht den Jägern und Landwirten im Landkreis Diepholz eher Sorgen und Ärger – und bringt im schlimmsten Fall auch noch den Tod für ihre kahlen Artgenossen in den Ställen, wie für Hunde und Katzen.

„Die Population steigt rasant an“, erläutert Kreisjägermeister Cord-Hinrich Hespe auf Nachfrage und zeigt zum Beweis die Zahlen für das Jahr 2016/17. „628 Wildschweine wurden im Landkreis geschossen. Das sind über 100 mehr als im vergangenen Jahr.“

Grund für die steigende Zahl seien die optimalen Bedingungen, die die Tiere vorfinden. „Weite Flächen, genügend Futter und schwache Winter“, zählt Hespe auf. Die Bachen bekommen ihre Frischlinge im Dezember, Januar und Februar.

Sie können drei bis zehn Kleine zur Welt bringen. Sind die Witterungen schlecht, können alle Kleinen eingehen. Sind sie gut, werden auch schon mal neun Stück groß. Und die Bachen können mit einem Jahr schon selber wieder Mutter werden. „Aktuell haben wir drei junge Bachen mit jeweils fünf Frischlingen gesehen“, berichtet Hespe.

Tiere richten enorme Schäden an

So niedlich die Kleinen auch sein mögen – die Schäden, die die Großen anrichten, sind enorm. Für die Landwirte bedeuten sie schon deswegen ein großes Ärgernis, weil sie die Ernte vernichten. Ob Mais, Kartoffeln oder auch Raps – dem Schwein schmeckts.

Doch wirklich gefährlich wird es, wenn die Wildschweine Krankheiten übertragen. Darunter fallen die Afrikanische und die klassische Schweinepest sowie der Aujeszky-Virus (Pseudowut). Die ersten beiden töten Hausschweine, während letzterer auch für Hunde und Katzen den Tod bringen kann.

„Wird der Aujeszky-Virus in einem Bereich nachgewiesen, können wir dort keine ordentliche Jagd mit Hunden mehr machen, da das Risiko für unsere Vierbeiner zu groß ist“, sagt Kreisjägermeister Hespe.

Für den Landwirt ist die Schweinepest, wenn sie erstmal auf eines seiner Tiere übergangen ist, eine Katastrophe. Nicht nur, dass das Tier daran verendet, er darf danach auch keines aus seinem Bestand mehr exportieren. Und die Übertragung geht schnell, denn Wildschweine sind neugierig und nähern sich den Gehöften.

Keine Gefahr für Menschen

Für Menschen sind die Erkrankungen unbedenklich, und auch sonst geht für sie von den Wildschweinen kaum eine Gefahr aus. „Es sei denn, man gerät mal bei einem Spaziergang zwischen eine Bache und ihre Frischlinge.“

Die Lage im Landkreis Diepholz sei zwar noch nicht so dramatisch wie beispielsweise im Heidekreis, wo 2700 Schweine geschossen wurden, aber dennoch wollen die Jäger rechtzeitig intervenieren. „Wehret den Anfängen“, sagt Hespe. Denn wenn sich beispielsweise die Afrikanische Schweinepest erstmal im Landkreis ausbreite, könne das dramatische Folgen haben. Deswegen werden Hespe und die übrigen Jäger während der Erntezeit auf die Pirsch gehen und sich darüber auch mit den heimischen Landwirten absprechen. „Wir werden das Feld, das abgeerntet wird, umstellen.“ Die Jäger werden sich allerdings immer wieder neue Tricks ausdenken müssen, denn „Wildschweine sind sehr schlau und lernen schnell dazu“, sagt Kreisjägermeister Cord-Hinrich Hespe.

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