„Macht keinen Sinn“

Wachendorfer Verdichtung In den Dänen bedroht geschützte Biotope

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Katja Rahders (v.l.), Henning Greve, Heinz-Jürgen Michel und Natascha Grossbach kritisieren den Plan der Stadt, in Wachendorf an der Straße In den Dänen Bauland zu schaffen. Dafür müsste unter anderem die gesamte Baumreihe in der Bildmitte weichen.

Wachendorf - Von Marc Lentvogt. Nach ausgeschlagenen Kompromissen im Bauausschuss sah die Grünen-Fraktion im Stadtrat keine andere Möglichkeit: Sie legte in der vergangenen Woche eine Kommunalaufsichtsbeschwerde ein. In Wachendorf sollen auf insgesamt 3,8 Hektar Land neue Bauflächen entstehen. An der Straße In den Dänen werden dadurch seit 800 Jahren gewachsene Moorböden bedroht.

Anwohnerin Katja Rahders ist Bauingenieurin und erklärt, dass es ohnehin Probleme gebe – im Niedermoorgebiet sei das nun mal so, „aber nach heutigen Baukenntnissen macht es keinen Sinn, dort zu bauen“. Sintflutartige Regenfälle machten Probleme. Die Keller liefen voll, dadurch drohe Schimmel.

Wie sehr die Situation sich verschärfen konnte, darauf geben die Stürme des vergangenen Jahres einen Hinweis. Zahlreiche Bäume sind im Wald umgestürzt: Sie entziehen dem Boden nun keine Flüssigkeit mehr, das Grundwasser steigt. Genauso sähe es aus, wenn Bäume entfernt werden, um Platz für Häuser zu schaffen.

Doch nicht nur die Anwohner, sondern auch die örtliche Tierwelt wäre mit Nachteilen konfrontiert. Henning Greve (Nabu) betont, wie sehr die Vielfalt an Lebewesen rund um den Wachendorfer Mühlenbach leiden würde. „Das Biotop ist für die Wanderung der Tiere entscheidend“, erklärt er.

„Das Gebiet ist so wertvoll, dass es geschützt werden müsste“

Der Stadt sind diese Einwendungen nicht unbekannt. Die Grünen hatten nach den gescheiterten Diskussionen im Bauausschuss das Gespräch mit dem Bauamtsleiter gesucht, erklärt Heinz-Jürgen Michel. Im Verfahren seien unter anderem Einwendungen seitens des Landkreises und der Syker Stadtbiologin eingegangen. Im Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises ist das Gebiet als Vorbehaltsgebiet Natur und Landschaft genannt. „Das bedeutet“, so Greve, „der Landkreis sagt, das Gebiet ist so wertvoll, dass es geschützt werden müsste“.

Eigentlich wiege das Naturschutzrecht stärker als das Baugesetz, erklärt Natascha Grossbach. Auch wenn das Gebiet um den Wachendorfer Mühlenbach kein offizielles Naturschutzgebiet ist, sei das Biotop doch durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

Alternativen wurden nicht untersucht

Der Ärger der Beteiligten steigt noch weiter, da ein erster Entwurf für den Flächennutzungsplan weitere Gebiete zur Bebauung vorsah. Diese seien nach einem Konflikt mit der Landwirtschaft sofort entfernt worden. „Der Naturschutz aber wurde dabei als nicht relevant abgetan“, klagt Michel.

Auch die notwendige Alternativenprüfung sei nach Angabe der Grünen nicht durchgeführt worden. Dabei gebe es im Norden der K121 ausreichend Platz – durch den Hügel schwer zu erschließen, aber mit deutlich geringeren Eingriffen in die Natur.

Eigentlich sei der Ansatz der Stadt, zentrale Bereiche für Bebauung zu planen und in den Ortschaften nur einen Lückenschluss zu vollführen, sehr gut, kommentiert Greve den Stadtentwicklungsplan. Warum in Wachendorf trotz aller rechtlichen Einwände so stark davon abgewichen werden soll, ist den Beteiligten unerklärlich.

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