Vortrag über hochsensible Menschen

Die Qual beim Rascheln der Zeitung

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Frauke Schulte sprach über Hochsensibilität.

Syke - Von Frank Jaursch. „Jetzt stell dich nicht so an!“ Wie oft bekommen sie solche Sätze zu hören, die „Sensibelchen“, die „zart Besaiteten“ unter uns? Dabei können sie nichts für ihre Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen oder Berührungen. Das Thema „Hochsensibilität“ stand am Montagabend im Mittelpunkt einer VHS-Veranstaltung.

Die Runde war deutlich weiblich dominiert – und das, obwohl das Phänomen sich eigentlich gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilt. So erklärte Frauke Schulte, Coach und Referentin des Abends. Und nach eigener Aussage selbst hochsensibel.

15 bis 20 Prozent der Menschen, so lauten aktuelle Schätzungen, reagieren auf „Input“ ausgeprägter als der große Rest. Sie nehmen mehr Reize auf, sind nicht in der Lage, ihre Wahrnehmungen zu filtern. Eine „besondere neurologische Konstitution“ sorgt dafür, dass scheinbar normale Vorgänge unerträglich werden.

Wenn morgens der Partner am Frühstückstisch mit der Tageszeitung raschelt, oder im Kino der Nachbar mit dem Popcorn. Hochsensible nehmen Düfte anders wahr. Sie schmecken im Restaurant nicht nur das Essen, sondern auch das Spülmittel, mit dem das Besteck gereinigt wurde. Das Geruchs- oder Geschmacksempfinden, so Schulte, ist bei hochsensiblen Menschen bis zu 1000-fach feiner ausgeprägt.

Hochsensible leiden, müssen sich – oft tränenreich – zurückziehen, um das Erlebte zu verarbeiten. Das macht sie stressanfälliger, gereizter. Die Burnout-Gefahr steigt.

Vielfaches Nicken der Teilnehmer begleitete Schultes Ausführungen. So mancher fand eigene Erfahrungen darin wieder. Ein Test bestätigte den Eindruck: Wer zwei Drittel der 42 Fragen als zutreffend ankreuzt, gilt als hochsensibel. „Ich sehe viele Kreuze“, schmunzelte Schulte. Eine Teilnehmerin war eigentlich gekommen, um mehr über das Verhalten ihres Sohnes zu erfahren. „Und jetzt lerne ich hier, dass ich selbst hochsensibel bin.“

Mehrere Teilnehmer waren anscheinend wegen ihres Nachwuchses gekommen. „In Schulen haben hochsensible Kinder keinen guten Platz“, sagte Schulte. Ihnen werde zu wenig die Möglichkeit gegeben, „runterzukommen“. Schulte: „Stattdessen ist in den Schulen der Begriff ADHS angekommen.“

Die Expertin empfahl Eltern ein „moderates Training“ ihrer Schützlinge. Eine Abrenzung dürfe nicht zu lange dauern. „Das Kind soll schließlich seine gesamte Persönlichkeit entwickeln – und nicht nur eine Sensibilität.“

Viele Elemente des Phänomens, das übrigens keine Erkrankung ist, konnte die Dozentin im Verlauf des gut zweistündigen Abends nur kurz anreißen. Die Ratschläge zu Lösungsstrategien etwa erschöpften sich in einer Reihe von Stichworten. Den Zuhörern wurde dabei dennoch ein spannender Einblick in ein Phänomen gewährt, das in den kommenden Jahren noch mehr in den Fokus rücken dürfte.

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