Künstlerische Frischzellenkur für die Figuren auf dem Märchenplatz

Von Skulpturen und Vollpfosten

Prüfender Blick von Detlef Voges: Jou, so kann’s bleiben. Die Figuren auf dem Märchenplatz im Friedeholz strahlen wieder.
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Prüfender Blick von Detlef Voges: Jou, so kann’s bleiben. Die Figuren auf dem Märchenplatz im Friedeholz strahlen wieder.

Syke – „Das sieht wieder richtig schön aus“, ruft die Waldspaziergängerin dem Mann zu, der mit Latzhose und Schirmmütze auf einer Lichtung steht und mit Bedacht den Pinsel schwingt. „Ich komme jeden Tag hier lang und finde das richtig gut.“ Der Mann lächelt, dankt freundlich und malt weiter. Detlef Voges restauriert die Figuren auf dem Märchenplatz im Friedeholz, den er 2006 selbst angelegt hat.

Der Märchenplatz ist ein zentrales Element des Kunstprojekts Waldwegzeichen: Quasi ein Wegweiser in Form verschiedener Skulpturen auf der kürzesten Strecke vom Kreismuseum bis zum Vorwerk. 2006 entstanden die ersten, 2015 die jüngsten. Die Figuren sind Eigentum des Kreismuseums.

„Es ist halt Holz“, sagt Voges und streicht einer seiner Figuren fast schon liebevoll über den Kopf. „Das verwittert. Deshalb muss man immer wieder was dran tun. Restaurieren und renovieren.“ Zuletzt hat er das vor fünf Jahren gemacht. Seitdem hat der Zahn der Zeit schon wieder kräftig genagt.

Detlef Voges erklärt es an zwei Figuren: „König und Königin hatten Unterleibsschmerzen. Die haben sie jetzt nicht mehr.“ Die Rümpfe aus massiven Baumstämmen waren von innen völlig verrottet. Voges hat neue gemacht und die Köpfe wieder draufgesetzt. Er zeigt auf den Rumpf des Königs: „Das ist Douglasienholz. Das hat schon fünf Jahre gelegen. Trotzdem hat sich da jetzt innerhalb von 14 Tagen dieser große Riss hier gebildet. Da kommt Feuchtigkeit rein, da kommen Insekten rein. Das höhlt den Stamm langsam aus. Es ist alles nur eine Frage der Zeit.“

Zwei Rümpfe bleiben kopflos. „Die sind jetzt zum Spielen“, sagt Voges. Der eine war mal eine Clownsfigur. Der hatten letztes Jahr irgendwelche Idioten den Kopf abgeschlagen und verfeuert (wir berichteten). Den Rumpf hat Voges ausgetauscht. „Da ragte oben die Befestigungsstange raus. Da bestand Verletzungsgefahr. Deshalb konnte man das nicht so stehen lassen.“ Einen neuen Kopf wird der Künstler „erst mal nicht“ anfertigen „Aber es kann sein, dass ich da irgendwann noch mal was mache.“

Vor fünf Jahren hatte Detlef Voges zuletzt die Figuren am Märchenplatz restauriert. Diese hier soll er übrigens selber sein.

Donnerstag war der erste Farb-Tag der aktuellen Frischzellenkur. Detlef Voges verwendet knallige Acrylfarben. Das bleibt nicht unbemerkt. Die Spaziergängerin war nicht die Einzige, die ihn auf seine Arbeit ansprach. „Vorhin war eine Gruppe junger Leute hier, das muss irgendeine Sprachlernklasse gewesen sein“, erzählt Voges. „Denen war in der Schule die Decke auf den Kopf gefallen, und da ist ihre Lehrerin mit ihnen in den Wald gegangen. Sie hat versucht, ihnen zu übersetzen, was das hier ist und was ich hier mache. So was hatten die vorher überhaupt noch nicht gesehen.“

Auch die Gruppe vom Waldkindergarten, der quasi in Rufweite vom Märchenplatz entfernt ist, hat schon mal Hallo gesagt. „Die waren sehr interessiert“, sagt Voges. „Die haben sich gefreut, dass sie mal den Mann kennenlernen, der die Figuren hier macht und haben nach allem gefragt. Was ich für Farben benutze. Warum ich den Pinsel immer so abtupfe.“

Detlef Voges geht ein paar Schritte zurück und betrachtet die Figuren, denen er gerade frische Farbe angehaucht hat. „Es ist jedenfalls so, dass es auffällt“, sagt er. „Gut, gut, gut.“ Zwei weitere will er an diesem Tag noch fertig kriegen. Und für den Rest wird er noch ein paarmal wiederkommen müssen.

Wer ihm dabei zuschauen möchte, muss ein bisschen Glück haben: Detlef Voges ist nicht regelmäßig auf dem Märchenplatz. Aber wer’s versuchen will: Spätvormittags stehen die Chancen ganz gut.

Von Michael Walter

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