Syker Autorin Myriam Witt schreibt Buch

Wanderreiten im Kreis Diepholz

Erzählt vom Verschwinden echter Naturlandschaften: die Syker Autorin Myriam Witt mit Leiftri (links) und Munnin (rechts).
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Erzählt vom Verschwinden echter Naturlandschaften: die Syker Autorin Myriam Witt mit Leiftri (links) und Munnin (rechts).

Myriam Witt aus Syke hat ein Buch über das Wanderreiten im Landkreis Diepholz geschrieben. Darin teilt sie dem Leser ihre Beobachtungen und Eindrücke mit.

  • Myriam Witt hat ihre Eindrücke vom Wanderreiten in einem Buch festgehalten.
  • Sie erzählt, wie sich die Landschaft verändert hat.
  • Naturverlust sei „unglaublich eindrücklich“

Syke – Reiseliteratur handelt selten vom Ankommen, sondern meist davon, was einem unterwegs begegnet. Als Film heißt das gerne auch Road Movie. Der Reisebericht der Autorin Myriam Witt basiert dagegen darauf, Straßen und vorgegebene Wege zu vermeiden. „Unterwegs mit Leiftri – Leben mit meinem Pferd“ heißt das gerade erschienene Buch.

„Der Zauber einer Reise liegt nicht darin, was man vor Augen hat, sondern darin, welche Gedanken das Gesehene auslöst“, schreibt Witt darin zu Beginn. Und weiter: „Eine Reise braucht Wege, auf denen man nicht nur eine Strecke zurücklegen kann, sondern die einen zum Fühlen, Schauen und Lernen verführen.“

Die Wege, die sie im Buch auf diese Weise erkundet, liegen in der unmittelbaren Umgebung, dem Landkreis Diepholz. Witt lebt mit ihrem Mann, zwei Schäferhunden, Pferden und Hühnern in Syke. Witt möchte ihre Privatsphäre gewahrt wissen, deshalb nur so viel: Ihr Hof ist so ländlich gelegen, dass zwischen ihrem Hof und dem der direkten Nachbarin 400 Meter liegen. Mit dieser Nachbarin, im Buch nur Christina genannt, unternahm sie im August 2019 einen mehrtägigen Wanderritt, davon handelt „Unterwegs mit Leiftri“.

Auf die Perspektive kommt es an

Leiftri ist der Name von Witts Isländer. Ihr Buch ist allerdings kein Protokoll. Eher sind die Ereignisse vor und während des Ritts Ausgangspunkt für Eindrücke, Beobachtungen und Gedanken.

Und für diese ist die Perspektive vom Pferderücken prägend. Dabei geht es, wie Witt sagt, um „die Partnerschaft mit dem Pferd“. Aber um eine veränderte Perspektive, was Witt im Gespräch so umschreibt: „Man guckt immer zwischen den Ohren des Pferdes durch“ – und blicke dadurch anders auf die Umgebung. Je nachdem, wie man unterwegs ist, ändert sich der Blickwinkel. Mit ihren Hunden, die mit der Nase kurz über dem Boden die Gegend erkunden, ist die Sicht eine andere als vom Pferderücken, erzählt Witt. Als Rettungsärztin kennt sie auch die Sicht von ganz oben: „Die Welt schrumpft unheimlich zusammen, wenn man einen Hubschrauber unter dem Hintern hat,“ sagt sie.

Und: „Diepholz ist im Grunde sehr, sehr schön.“ Witt beschreibt im Buch das Glück, das darin liegt, beim Wanderrit ganz im Moment und in der Landschaft aufzugehen: „Es liegt etwas unkompliziert Wahrhaftiges darin, wenn Leiftri meine Hand mit seinen warmen Nüstern berührt“, heißt es darin. „Die Art zu leben, zu sein“, lautet ein Zwischenfazit, „geht direkt über in Glücklichkeit“.

Landschaft im Wandel

Aber Witt erzählt auch davon, wie diese Landschaft mehr und mehr zur vom Menschen veränderten Kulturlandschaft wird: „Nur in den wenigen kleinen, verbliebenen Schmuckkästchenecken der Wildeshauser Geest, des Sulinger Moors und der Kirchdorfer Heide lässt sich begreifen, wie eigenwillig und ausdrucksstark diese Landschaften früher gewesen sein müssen.“ Da war zudem die Trockenheit durch die erneute Rekordhitze im Sommer vor zwei Jahren, die den Mais „fast mickrig“ habe aussehen lassen. Und dann eben das Verschwinden unberührter Flecken.

So geht das Gefühl des Glücks, der Wahrhaftigkeit und der Freiheit am Ende in eines der Nostalgie über. „Eigentlich immerfort nimmt man Abschied: von unzerstörter Landschaft, von alten Bäumen, von klarer Luft, von aussterbender Landschaft“.

Diesen „Naturverlust“ zu beobachten, war für Myriam Witt „unglaublich eindrücklich“. Denn jene Reste werde man „in 20 Jahren“ womöglich „gar nicht mehr sehen“ können.

Das Buch

„Unterwegs mit Leiftri – Leben mit meinem Pferd“, 208 Seiten, Halbleinen, Verlag Ellert & Richter, 16,95 Euro

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