Kunst, Kultur und Frieden auf 7000 Quadratmetern

Landsitz Wachendorf: Ein Ort voller Energie

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Das alte Seevers-Anwesen heißt jetzt Landsitz Wachendorf und wird ein Seminarhaus für Kunst, Kultur und Frieden.

Wachendorf - Von Michael Walter. „Um Gottes Willen: Wer soll nur all diese Fenster putzen?“ – Den spontanen Ausruf hat Sabine Greulich noch deutlich im Ohr. Gehört hat sie ihn, als eine Freundin zu Besuch kam, der Greulich ihr neues Zuhause zeigen wollte. Zusammen mit René Rameil ist sie auf dem alten Seevers-Anwesen eingezogen, das beide gerade zum Landsitz Wachendorf umgestalten.

Die Hofstelle ist seit 1521 urkundlich nachgewiesen. Das jetzige Gebäude wurde 1912 erríchtet und in den 90er-Jahren das letzte Mal renoviert. Anderthalb Jahre stand es zuletzt leer: Der jetzige Eigentümer lebt in Riede.

Über eine Annonce sind Sabine Greulich und René Rameil auf das Anwesen aufmerksam geworden. Und beim Besichtigungstermin mit dem Eigentümer stellten sie fest: Die Chemie zwischen ihnen stimmt. „Das hat auf Anhieb gefunzt“, sagt René Rameil. „Er war voll einverstanden mit dem, was wir hier vorhaben.“

Im August sind sie eingezogen. Ein Seminarhaus für Kunst, Kultur und Frieden soll der Landsitz werden. Sabine Greulich und René Rameil erfüllen sich damit einen jahrzehntelangen Lebenstraum. Und bei der Umsetzung sind sie schon ein ganzes Stück vorangekommen. „Wenn du nachts hier draußen sitzt, hörst du nichts. Nicht mal Autos“, sagt Rameil. „Diese Stille und diesen Frieden wollen wir gern teilen.“

Mehrere Ansätze verfolgen sie dabei. Zum Beispiel in Form einer Raststätte für Radwanderer nach dem Prinzip Kaffee, Kuchen und Kunst zum Mitnehmen. Und zum Mitmachen: Ab April können Besucher an ausgewählten Wochenenden großformatige Kunstwerke mitgestalten. Die dabei entstehenden Werke werden im Herbst in einer Ausstellung im öffentlichen Raum präsentiert.

Das Schild hängt schon an der Wand, das Programm steht. Sabine Greulich und René Rameil sind die kreativen Köpfe hinter dem Landsitz Wachendorf.

Im Erdgeschoss richten Rameil und Greulich gerade Seminarräume ein – flexibel gestaltbar für bis zu 50 Teilnehmer. Und im Obergeschoss stellt der studierte Künstler Rameil gerade einen Teil seiner Werke aus. Darüber hinaus sind vier weitere Ausstellungen im Lauf des Jahres geplant. „Ohne dass wir es wollten, ist das Museum über uns gekommen“, sagt er augenzwinkernd dazu.

7000 Quadratmeter Grundstück, 24 Zimmer mit rund 400 Quadratmetern Nutzfläche in Haupt- und Nebengebäuden versprechen auch sonst eine Heidenarbeit. Die überwiegend am Wochenende erledigt werden muss. Kein Problem, sagen beide. „Wir wissen genau, was da auf uns zukommt. Dieser Ort ist so kraftvoll! Wenn ich von der Arbeit komme und anfange, hier im Garten zu buddeln, dann ist das für mich wie Auftanken“, schwärmt Sabine Greulich.

Bis zum Sommer soll der Garten sowohl vorzeigbar als auch rund um das Haus begehbar sein. Denn am 27. August wird der Landsitz Wachendorf Schauplatz eines Konzerts im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestivals. Dann spielt das Bremer Ensemble Flauto e Arpa. „Sehr chillig, sehr friedvoll, hoffentlich bei schönem Wetter und mit Picknick“, sagt Rameil. Greulich ergänzt: „Das ist genau das, was wir bieten wollen. Einen schönen Platz, an dem man draußen sitzen und Musik hören kann.“

Beide sind sicher: In Wachendorf haben sie ihr Glück gefunden. Und dass sie auf lange Sicht dort bleiben wollen, liegt zu einem Teil auch an der Syker Stadtverwaltung. Rameil erzählt vom ersten Besuch im Rathaus: „Als wir erzählen wollten, was wir vorhaben, ist uns die Spucke weggeblieben. Freundliche Menschen, lachende Gesichter. Bitte kommen Sie doch rein... Diese Offenheit hat uns umgehauen.“

Und so stand am Ende dieses Besuchs für beide die Erkenntnis: „An einem Ort, an dem man respektiert wird mit dem, was man macht, sollte man sich niederlassen.“ Selbst wenn man viele Fenster putzen muss.

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