Praktikum in Syke

Volle Regale, nette Kollegen

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Frank Mithöfer (l.) bringt den estnischen Praktikanten Margaret Vanner und Mikael Kelomees die „Alt gegen Neu“-Aktion von Nesemann näher. 

Syke - Von Ulf Buschmann. Was bedeutet Rohertrag? Diese Frage konnten Margaret Vanner und Mikael Kelomees ohne Probleme beantworten – „im Gegensatz zu manchen deutschen Auszubildenden“, sagt Heike Vetter. Die Drei bilden im Haushaltswarengeschäfte Nesemann in Syke zurzeit so etwas wie ein dynamisches Trio. Vetter, ehemalige Inhaberin, kümmert sich in dieser Woche um Margaret Vanner und Mikael Kelomees. Beide schnuppern im Rahmen eines Praktikums Betriebsluft bei Nesemann.

Allerdings sind die beiden 18-Jährigen nicht irgendwelche Praktikanten, im Gegenteil: Sie besuchen das Deutsche Gymnasium Kadriorg in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Zusammen mit vier Mitschülern sind sie bis Sonnabend in und um Syke zu Gast. Möglich macht solches das Austauschprogramm „Erasmus+“. Es bietet Schülern und Auszubildenden die Möglichkeit, in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) den eigenen Horizont zu weiten. Partner des Deutschen Gymnasiums Tallinn sind die Berufsbildenden Schulen (BBS) Syke.

Ziel im Sinne des Programms erreicht – so oder ähnlich heißt es unter dem Strich. Denn für die beiden jungen Esten geht es nicht nur um das Durchblicken hiesiger wirtschaftlicher Zusammenhänge. Auch das Schärfen der Sprachkenntnisse und das Kennenlernen der Kultur sind als Leitlinie ausgegeben worden.

„Ich kenne jetzt das Wort ,Moin’“

Wie schnell es mit der Sprache gehen kann, haben beide schon nach wenigen Tagen gemerkt. „Wenn ich zum Beispiel mit einer Freundin spreche, muss ich manchmal überlegen, wie ein Wort auf Estnisch heißt“, sagt die junge Frau. Und sie ist stolz darauf, einiges an Sprachwissen mit nach Hause zu nehmen. „Ich kenne jetzt das Wort ,Moin’ und weiß, dass es so viel wie ,Guten Tag’ heißt“, ergänzt sie. Mikael Kelomees geht es ähnlich. „Ich fange an, auf Deutsch zu denken“, berichtet er.

Dieses Eintauchen in die Sprache hilft den Esten, wenn sie bei Nesemann ihr kleines Projekt umsetzen. Vanna und Kelomees sollen die Koffer-Umtausch-Aktion auf Facebook bewerben. Auch in diesem Teil des Austausches greift ein „Erasmus“-Rädchen ins andere. Zwar hätten sie in der Schule den Umgang mit Bildbearbeitungssoftware gelernt. Doch bei Nesemann habe es die volle Ladung Praxis gegeben, freuen sich Heike Vetter und ihre beiden Schützlinge.

„Nette und hilfsbereite Kollegen“

Die Aufgabe am ersten Tag war eine andere. „Sie sollten aufschreiben, was ihnen gefällt und was nicht und was anders ist. Welche Produkte gibt es in Estland nicht?“, erklärt Vetter. Anhand dessen haben sich Vanna und Kelomees einen ersten Überblick über die Unterschiede im Einzelhandel verschafft. Die Waren würden teilweise so eng zusammen stehen, dass einiges untergehe, findet Mikael Kelomees. Margaret Vanna sind die „netten und hilfsbereiten Kollegen“ aufgefallen. In Estland seien die Leute in den Geschäften nicht so freundlich.

Allerdings müssen die estnischen Besucher nicht nur arbeiten. Es gibt auch ein Programm. Auf dem Programm standen eine Stadtführung in Bremen, ein Abstecher ins Klimahaus Bremerhaven und ins Watt und ein Besuch des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Für Kelomees ist der Konzertbesuch bei den Bremer Philharmonikern sicherlich das Highlight. „Ich möchte Komponist und Pianist werden“, sagt er. Vanna hat die Juristerei im Auge.

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