Betrügerischer Vertreter am Werk?

Mann bekommt Vodafone-Handyvertrag mit Unterschrift seiner Frau – die schon lange tot ist

Eduard Krämer (86) mit der Auftragsbestätigung von Vodafone. Die Unterschriften darauf sind selbst für Laien ganz offensichtlich gefälscht: Sie lauten G. Krämer. „Meine Frau hieß Gerda“, sagt Krämer. „Die ist aber schon seit acht Jahren tot. Unsere Initialen stehen noch immer vorne an der Haustür. Den Vodafone-Vertreter habe ich noch nicht mal gesehen, geschweige denn etwas unterschrieben.“ Foto: Michael Walter
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Eduard Krämer (86) mit der Auftragsbestätigung von Vodafone. Die Unterschriften darauf sind selbst für Laien ganz offensichtlich gefälscht: Sie lauten G. Krämer. „Meine Frau hieß Gerda“, sagt Krämer. „Die ist aber schon seit acht Jahren tot. Unsere Initialen stehen noch immer vorne an der Haustür. Den Vodafone-Vertreter habe ich noch nicht mal gesehen, geschweige denn etwas unterschrieben.“ 

Ein Wunder ist laut Lexikon „ein Ereignis, das menschlicher Vernunft und Erfahrung sowie den Gesetzmäßigkeiten von Natur und Geschichte widerspricht“. So gesehen ist Eduard Krämer ein Wunder geschehen: Seine Frau hat für ihn einen Mobilfunkvertrag abgeschlossen. Aber die ist schon seit vielen Jahren tot.

  • Eduard Krämer ais Syke hat einen Vodafone-Mobilfunkvertrag bekommen
  • Allerdings ist dieser von seiner Frau unterschrieben – die seit acht Jahren tot ist
  • Der Syker vermutet, dass Betrüger am Werk sind

Syke - Die Bestätigung dafür hat der 86-Jährige buchstäblich schwarz auf weiß vom Mobilfunkanbieter Vodafone. Eine Auftragsbestätigung mit dreifacher Unterschrift. Die lautet eindeutig G. Krämer. „Meine Frau hieß Gerda“, erzählt Eduard Krämer. „Unsere Initialen stehen noch immer vorne an der Haustür.“

Seine Vermutung: Ein betrügerischer Vodafone-Vertreter hat das gesehen und in ein Vertragsformular eingesetzt. Denn: „Ich habe nie selber mit einem Vodafone-Vertreter gesprochen, geschweige denn etwas unterschrieben“, sagt Krämer.

Eduard Krämer bekommt angeblichen Anruf von Vodafone

Bei seiner Mieterin hatte Ende April allerdings einer am Nebeneingang geklingelt. „Ich habe nur über die Sprechanlage mit ihm geredet und ihn dann wieder weggeschickt“, erzählt die Frau. „Ich habe dann mitbekommen, dass er anschließend auch bei meinem Vermieter geklingelt hat. Aber der hat nicht aufgemacht. Der Vertreter hat noch eine ganze Zeit vor der Tür gestanden und ist dann wieder gegangen.“

Ein paar Tage darauf erhielt Eduard Krämer einen Anruf, angeblich von Vodafone. „Die bestätigten mir einen Vertragsabschluss“, erzählt Krämer. „Ich sagte: Wie bitte? Überhaupt nichts habe ich abgeschlossen. Und dann hab ich verärgert aufgelegt.“

Nochmal ein paar Tage später kriegte Eduard Krämer es dann schriftlich: Eine Bestätigung über einen Mobilfunkvertrag mit hohem Datenvolumen für monatlich 59 ,95 Euro inklusive Zusatzleistungen. Und eine SIM-Karte für ein Handy, das er gar nicht hat. „Ich wollte das schon in den Müll schmeißen. Aber mein Enkel hat sich das angesehen und dabei auf dem einen Blatt die Unterschriften bemerkt. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Da hat jemand die Unterschrift meiner Frau gefälscht. Die ist nämlich seit acht Jahren tot.“

Fremdfirmen im Namen von Vodafone unterwegs?

Eduard Krämer ging zur Polizei und erstattete Anzeige. „Ich nehme an, dass Vodafone davon gar nichts weiß, sondern dass da Fremdfirmen unterwegs sind, die für Vodafone arbeiten“, vermutet Krämer.

Und damit liegt der Syker gar nicht so falsch: „Haustürgeschäfte sind traditionelle Vertriebswege von Energieversorgern, Telekommunikations-Unternehmen sowie Zeitungs-, und Zeitschriftenverlagen und von vielen weiteren seriösen Branchen“, sagt Vodafone-Sprecher Volker Petendorf auf Nachfrage der Kreiszeitung.

„Auch im Auftrag von Vodafone sind an jedem Tag überall in Deutschland externe Vertriebspartner von Tür zu Tür unterwegs.“ Extern heißt: Die Vertreter sind keine Außendienstmitarbeiter von Vodafone, sondern selbstständige Handelsvertreter.

„In Syke hat ein selbstständiger Vertriebspartner (Herr K), der erst seit April für Vodafone tätig ist, mehrere Kundenaufträge eingereicht, die von den Kunden nicht oder nicht in dieser Form gewollt waren“, so Petendorf. „Herr K. ist von seinem Arbeitgeber umgehend und fristlos entlassen worden. Wir überprüfen nunmehr vorsorglich sämtliche Vertragsabschlüsse, die Herr K. bei uns eingereicht hatte, und klären diese mit den jeweiligen Kunden.“ Dabei seien in bis jetzt acht Verträgen Auffälligkeiten zutage getreten, die nicht plausibel seien und näher überprüft werden müssen.

Vodafone entschuldigt sich bei Eduard Krämer

Auch der Vorwurf der Urkundenfälschung werde weiter überprüft, versichert Volker Petendorf. Wobei der Vertreter angeblich bestreitet, die Unterschriften gefälscht zu haben. „Er hat aber auch keine plausible Erklärung geliefert, weshalb Eduard Krämer dann mit G. Krämer unterzeichnet haben soll.“ Vodafone werde das weiter prüfen. Sollte sich der Verdacht erhärten, werde das Unternehmen Anzeige erstatten. Den Mobilfunkvertrag hat Vodafone inzwischen übrigens storniert – und sich bei Eduard Krämer entschuldigt.

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