Vierbeiniger Lesepate

Golden Retriever Paul ist Vorlesehund an der Syker Erlenschule

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Vorlesehund Paul ist ganz in seinem Element. Dominic, Vincent und Mark lesen viel sicherer und flüssiger, sobald der Golden Retriever dabei ist.

Syke - Von Michael Walter. „Der Hund kann überhaupt nicht sprechen!“ – Das hat Loriot vor langer Zeit schon ganz richtig festgestellt – wenn auch in einem etwas anderen Zusammenhang. Deshalb ist auch für Paul die Bezeichnung „Vorlesehund“ eigentlich irreführend. Aber „ausgebildeter Begleithund mit der Eignung zum Therapiehund“ geht so unendlich viel schwerer über die Zunge.

Seit Mitte Oktober kommt der drei Jahre alte Golden Retriever Rüde einmal in der Woche an die Erlenschule, die Tagesbildungsstätte der Syker Lebenshilfe an der La-Chartre-Straße. Paul begleitet seine Besitzerin Martina Merx, die an der Erlenschule als ausgebildete Sozialpädagogin für die Leseförderung zuständig ist.

Einmal pro Woche treffen sich die Vorlesegruppen in einem besonderen Raum der Schule. Es gibt vier Gruppen mit jeweils drei bis vier Schülern der Jahrgänge 10 bis 12. Jeder liest den anderen etwa zehn Minuten laut aus einem Buch seiner Wahl vor.

Pauls Job ist dabei: Den Kindern den Druck zu nehmen. Und das gelingt ihm durch die bloße Anwesenheit. Wenn Paul dabei ist, lesen die Jugendlichen merkbar flüssiger und sicherer als ohne ihn. Das Ganze ist im Grunde ein gedanklicher Trick: Die Schüler lesen nicht einander, sondern dem Hund vor. Und der hat einfach eine Engelsgeduld. Er verbessert sie nicht, wenn sie mal ein Wort falsch vorlesen oder an einer komplizierten Stelle im Satz stecken bleiben. Er lacht sie nicht aus, wenn sie mal ins Stottern kommen.

„Die Kinder kommen runter“

„Man muss natürlich auch Rücksicht auf den Hund nehmen und darf ihm nicht zu viel zumuten“, weiß Martina Merx. Aber auch in solchen Momenten kann sie sich auf Paul verlassen. „Wenn Paul keinen Bock mehr hat, geht er einfach aus der Situation raus“, beschreibt sie.

Doch selbst sie staunt jedesmal wieder aufs Neue, welche positive Wirkung der Tier entfaltet. „Die Kinder kommen runter“, sagt sie. „Allein schon der Lärmpegel ist viel niedriger, wenn Paul da ist.“

Auch Schulleiterin Martina Wrobel beobachtet aufmerksam den Verlauf dieses Projekts. „Das ist erst der Anfang“, sagt sie. Wenn es gut läuft, könne sie sich vorstellen, diese Form von tiergestützter Pädagogik an der Erlenschule noch auszubauen. „Mehr rausgehen“ wäre so eine Idee von ihr. Oder vielleicht auch alternativ etwas in der Gymnastikhalle. Vor allem würde sie auch gern bei schwerer oder gar mehrfach behinderten Kindern die therapeutische Arbeit mit Tieren einführen.

In Martina Merx hätte sie dafür eine Unterstützerin. „Tiergestützte Pädagogik wird oft als Streicheltherapie belächelt“, sagt Merx. „Aber es bringt wirklich was.“

Auch bei den Eltern sei das Konzept beliebt, sagt Martina Wrobel. „Wir hatten vor einiger Zeit mal therapeutisches Reiten angeboten, das über Sponsoren finanziert wurde. Als ich das den Eltern mal vorgestellt habe, waren sie sofort begeistgert und haben gleich angefangen, zu überlegen, wie sich das umsetzen ließe.“ Den Gedanken verfolgt sie weiter. „Vielleicht können wir das ja 2018 oder 2019 wieder anbieten.“

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