Vier Syker Schüler sechs Tage auf Forschungsschiff im Wattenmeer

Alles außer Duschen

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Teamwork an Bord: Vorne die Syker Schüler Philip, Toni, Lina und Imke, hinten Mathias Reininghaus und Carolin Hendel, ihre Projekt-Paten vom Wettbewerbsausrichter.

Syke - Von Michael Walter. Verdrängt die Pazifische Felsenauster die heimische Miesmuschel aus dem Wattenmeer? – Diese Frage ließ jetzt eine Schülergruppe aus dem Gymnasium zu Seefahrern werden. Im Rahmen des Wettbewerbs „Forschen auf See“ waren sie sechs Tage lang auf einem Segelboot auf der Nordsee unterwegs.

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: „Gleich am ersten Tag haben wir das Gegenteil von dem vorgefunden, was wir erwartet hatten“, erzählt Toni Dragojevic. Er und seine Mitschüler Imke Loppe, Lina Gaumann und Philip Sänger (alle 17) fanden heraus: Beide Arten leben in Koexistenz.

„Die Miesmuscheln sind kleiner geworden, aber nicht weniger“, fasst Imke zusammen. Vielmehr profitieren die Miesmuscheln sogar von dem Einwanderern aus dem Pazifik. „Die Austern sind größer, sehr scharfkantig und sitzen wie einbetoniert an ihren Felsen. Dadurch haben die Miesmuscheln einen guten Schutz gegen Fressfeinde.“

Um das herauszufinden, haben die Oberstufenschüler reihenweise Muschelbänke im Wattenmeer um Wangerooge untersucht. Sie haben Flächen abgesteckt, die Muscheln insgesamt darin gezählt, das Zahlenverhältnis von Miesmuscheln zu Austern ermittelt, die Größe der Tiere vermessen und jede Menge Wasserproben analysiert. Und dann – zum Vergleich – das gleiche nochmal im Hafen von Wangerooge.

Als Zuhause diente ihnen in dieser Zeit das Forschungsschiff Aldebaran: Ein Aluminium-Segler, der 1986 auf Kiel gelegt und 2011 generalüberholt wurde. „Wir haben auf diesem Schiff gewohnt, gearbeitet, gegessen, geschlafen. Praktisch alles außer Duschen“, erzählt Imke. „Das haben wir dann immer im Hafen gemacht.“ Zu Anfang durchaus gewöhnungsbedürftig, zumal außer den vier Schülern und dem Skipper noch zwei Betreuer des Wettbewerbsausrichters mit an Bord gewesen sind. „Und sieben Leute auf 14 Metern Boot, das ist schon ziemlich eng“, ergänzt Lina.

„Die ganze Situation war für uns komplett neu, und die Betreuer kannten wir vorher gar nicht“, fährt sie fort. „Es lief aber besser als befürchtet. Alle waren echt nett. Man muss sich halt damit abfinden, dass man sechs Tage lang praktisch keinerlei Privatsphäre hat.“

Schlechter als gehofft kamen Toni und Lina dagegen mit dem Wellengang klar: Beide wurden auf diesem Törn mächtig seekrank. Und obwohl sie inzwischen herzlich darüber lachen können, war ihnen an Bord dabei so richtig elend.

Deswegen hatten die beiden vielleicht auch nicht ganz so viel Spaß wie Philip und Imke, als die Aldebaran den Rückweg von Wangerooge nach Cuxhaven unter Segeln zurückgelegt hat. „Wir hatten Windstärke 7“, sagt Imke. „In Böen sogar Windstärke 11.“ Das kann dann sogar härter gesottenen Seebären schon mal auf den Magen schlagen.

Wenn die Schüler diese Forschungsfahrt bewerten sollen, reichen ihre Kommentare von „ziemlich genial“ bis „richtig cool“. Doch auch die andere Seite findet nur lobende Worte. Skipper Frank Schweikert ist für „Forschen auf See“ nun schon etliche Jahre mit der Aldebaran unterwegs. „Wir hatten immer tolle Jugendliche“, betont er. „Aber diese Gruppe war eine ganz außergewöhnliche Zusammensetzung und ganz besonders toll!“

Mit Beginn der Sommerferien ist das Forschungsprojekt für die vier Syker übrigens keineswegs beendet: „Wir schreiben noch einen Abschlussbericht“, sagt Imke. Und der wird dann gleichzeitig Grundlage für den nächsten Wettbewerb von Jugend forscht im neuen Schuljahr. Abgabeschluss: Ende November.

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