Delme-Werkstätten nach Weyhe

Vier Monate nach Großbrand in Syke läuft der Wiederaufbau

Vier Monate nach dem Großbrand auf dem früheren Weser-Feinkost-Gelände sind aus den Bergen von Schutt überschaubare Hügel geworden. Eine Spezialfirma sortiert das Material gleich vor Ort sortenrein. Das meiste geht ins Recycling. Nur ein kleiner Teil ist Sondermüll.
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Vier Monate nach dem Großbrand auf dem früheren Weser-Feinkost-Gelände sind aus den Bergen von Schutt überschaubare Hügel geworden. Eine Spezialfirma sortiert das Material gleich vor Ort sortenrein. Das meiste geht ins Recycling. Nur ein kleiner Teil ist Sondermüll.

Jens Könenkamp ist jedes Mal aufs Neue fasziniert, wenn er vom Absatz der Außentreppe seines Firmengebäudes nach draußen blickt. „Es sieht alle paar Stunden anders aus.“ Vom Treppenabsatz geht der Blick auf das ehemalige Weser-Feinkost-Gelände. Ein Großbrand hatte dort Ende März Lagerhallen mit einer Fläche von etwa 7000 Quadratmetern vernichtet und einen Millionenschaden hinterlassen. Seit kurzer Zeit laufen die Aufräumarbeiten.

Syke – Eigentümer und Vermieter des Areals sind Jens Könenkamp und sein Kompagnon Lars Eickhoff. Und sie überlegen, ob sie ihren Ansprechpartnern bei der Versicherung VGH irgendwo ein Denkmal setzen könnten, so dankbar sind sie. „Die haben uns geradezu an die Hand genommen“, sagt Eickhoff und erzählt, wie in Windeseile Experten an Ort und Stelle waren. „Es hat montags gebrannt, und Dienstag waren die Regulatoren da.“ Dann kamen Baufachleute. Und Chemiker, die das Gelände nach giftigen Rückständen untersucht haben. „Auch den Abriss hat die Versicherung organisiert und eine Spezialfirma dafür engagiert.“ Ende März war der Brand, Ende Juni / Anfang Juli war das Gelände wieder freigegeben. „Das ist schon irre“, sagt Lars Eickhoff. „Du selber weißt ja gar nicht, wie dir geschieht. Wir haben schon nach einem Vierteljahr mit dem Abbruch anfangen können. Wenn man da mal das Altenheim an der Waldstraße zum Vergleich nimmt: Die haben über ein Jahr gebraucht, bis sie so weit waren.“

Schutt und Trümmern können mehrheitlich recycelt werden

Die riesigen Trümmer- und Schuttberge auf dem Gelände sind seitdem schon sichtbar kleiner geworden. Das Spezialunternehmen trennt das Material noch auf dem Gelände sortenrein. Auf dem einen Hügel liegt Stahl, auf dem anderen Holz, auf dem nächsten Stein, dann Dachpappe, Gipskarton und so weiter. „Das meiste davon geht ins Recycling“, sagt Eickhoff. Nur die kleinsten Hügel, die schwarzen mit den Ruß- und Ascheresten, sind Sondermüll. Ein Ingenieurbüro managt und überwacht die gesamte Entsorgung.

„Wir haben Glück im Unglück gehabt, dass das alles nur Handel und Lager gewesen ist“, sagt Lars Eickhoff beim Rundgang über das Brand-Areal. „Wenn eine Produktion abbrennt, brauchst du ein Jahr und länger, bis die wieder so läuft wie vorher.“

Delme-Werkstätten ziehen im September in eine Container-Lösung nach Weyhe

Drei Firmen haben bei dem Feuer ihre Räume verloren – mitsamt dem gelagerten Material. Eine davon ist die Schön sauber GmbH. Geschäftsführer Heinrich Michaelis: „Erst hatte ich gedacht, das war’s – es geht nicht weiter. Aber innerhalb von drei Tagen haben wir Lösungen gefunden.“ Durchaus auch auf Drängen der Versicherung. Andere Unternehmer haben Michaelis Lagerflächen zur Verfügung gestellt, allen voran Lars Eickhoff und Peter Frey. Seine Lieferanten haben Michaelis mit Material ausgeholfen. Ebenso seine Mitbewerber. „Nach einer Woche haben wir schon wieder gearbeitet, und nach drei Wochen waren wir schon ganz gut beieinander.“

So soll der abgebrannte Teil nach dem Wiederaufbau aussehen.

Deutlich schlimmer getroffen hat es die Delme Werkstätten: Die hatten auf dem Gelände ein Bildungszentrum für Behinderte betrieben. Die Räume waren zwar nicht abgebrannt, aber durch den Rauch unbenutzbar geworden. Außerdem besteht Einsturzgefahr. „Insofern mussten wir unsere Arbeit der Beruflichen Bildung kurzfristig auf unsere anderen Standorte in Syke, Weyhe und Bassum verteilen“, sagt Pressesprecherin Ute Stollreiter. Ab September wird dieser Berufsbildungsbereich für eine Übergangszeit in Weyhe gebündelt. „Dort bauen wir extra eine Containerlösung für die Dauer von etwa zwei Jahren auf.“

Delme plant die Rückkehr nach Syke: Optimaler Standort

Auf lange Sicht möchten die Delme Werkstätten aber zurück nach Syke. „Die bisherige Lage in Syke nahe des Bahnhofs war optimal und ermöglichte den Teilnehmenden eine selbstständige An- und Abfahrt. Insofern planen wir bereits gemeinsam mit unseren Vermietern, der Firma Könenkamp und Eickhoff, einen bedarfsgerechten Neubau in Syke, in dem wir wieder einen zentralen Bildungsort für die Delme Werkstätten bieten können.“

Die Pläne dafür gibt es schon. Sie sind Bestandteil des Wiederaufbaukonzepts vom Architektenbüro Bocklage + Buddelmeyer. Eine große Halle entsteht im ersten Bauabschnitt. Insgesamt 6500 Quadratmeter Hallen und Gewerbefläche werden neu gebaut. „Wenn alles gut läuft, können wir im Herbst anfangen und sind in einem Jahr fertig“, sagt Lars Eickhoff. Büro und Sozialräume der Delme Werkstätten kommen anschließend im zweiten Bauabschnitt an die Reihe und werden kernsaniert. „Die kriegt man wiederhergestellt.“

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