Syker Jürgen Meierdierks schraubt an englischem Renn-Motorrad Rickman-Norton / Ehrenplatz im heimischen Wohnzimmer

Vier Jahrzehnte bis zur Vollendung

Jürgen Meierdierks mit seinem Juwel: An der Rickman-Norton schraubt der Syker seit mehr als vier Jahrzehnten. ·
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Jürgen Meierdierks mit seinem Juwel: An der Rickman-Norton schraubt der Syker seit mehr als vier Jahrzehnten.

Syke - Von Ulf Kaack. In den Adern von Jürgen Meierdierks fließt Benzin – und britisches Blut. Seit einem halben Jahrhundert schraubt er mit Akribie an Motorrädern ausschließlich englischer Herkunft. Ein Schätzchen mit einer besonderen Geschichte ist seine Rickman-Norton, eine waschechte Rennmaschine von der Insel.

Seine Leidenschaft für motorisierte Zweiräder hat der 60-Jährige bereits in früher Kindheit entwickelt. Großen Anteil hatte daran sein Vater Otto, Getränkegroßhändler und Motorradliebhaber. Bei seinen Auslieferungstouren über Land – der Filius saß auf dem Beifahrersitz – kaufte er bei Landwirten alte Maschinen für kleines Geld auf.

Mit acht Jahren bekam Jürgen Meierdierks von seinem Vater sein erstes Motorrad geschenkt: Eine englische BSA. „Der Eisenhaufen war vollkommen runtergeritten“, erinnert er sich. „Aber ich habe die Maschine zum Laufen gekriegt und bin damit auf Feldwegen rumgeheizt.“

Als er mit 18 den Führerschein in den Händen hielt, führte ihn sein erster Weg zu einem Motorradhändler. Dort erwarb er eine nagelneue 750er Norton Commando. Diese Maschine fährt er bis heute. Kaum erwähnenswert, dass der schwarzlackierte Brite immer noch so glänzt wie einst im Schaufenster.

In den 1970er-Jahren ging die gesamte, bis dahin so dominierende britische Motorradindustrie vor der japanischen Konkurrenz in die Knie. Ein Hersteller nach dem anderen schloss seine Tore. Was blieb, war ein kleiner, feiner Kreis von Liebhabern der Traditionsmarken, zu denen auch der Syker zählte: „Britische Motorräder litten seinerzeit unter eklatanten Verarbeitungsmängeln und waren den Fernostprodukten technisch unterlegen.“

Doch es gab einige handverlesene Spezialisten, die durch hochwertige Umbausätze diese Defizite abfingen. Dazu zählten die Gebrüder Derek und Donald Rickman, die Meierdierks im Sommer 1973 in ihrer Edelschmiede in New Milton aufsuchte. Von den beiden Tuning-Ikonen erwarb er einen verwindungssteifen Métisse-Rennrahmen. Dazu Räder, Gabel, Schwinge, Tank, Sitzbank und Kleinteile, die direkt dem Motorsport entstammten.

„Die erste bei Motorrädern verbaute Scheibenbremsanlage hatte Rickman seinerzeit aus der Luftfahrt übernommen“, plaudert Meierdierks. „Einen passenden, natürlich scharfgemachten Norton-Motor habe ich bei einem Spezialisten in London gekauft.“

Mehrere Jahre haben die Arbeiten in der heimischen Werkstatt gedauert, bis das Prachtstück Ende der 1970er-Jahre fertiggestellt war. Gefahren hat der Syker es nie: „Mir ging es in erster Linie um den Bau der Maschine.“

Doch dann kam es zu einem Bruch in der Geschichte: Ein enger Freund kam bei einem Motorradunfall ums Leben. Jürgen Meiedierks wollte nichts mehr von Zweirädern wissen, veräußerte den Straßenrenner an einen Kumpel, der sich an einen Umbau zur Tourenmaschine wagte. Fünf Jahre später kaufte Meierdierks seine Rickmann-Norton in Teilen zerlegt wieder zurück und lagerte das eiserne Puzzlespiel ein.

„Vor einigen Jahren habe ich in aller Ruhe damit begonnen, das Motorrad komplett neu aufzubauen“, erklärt er. „Um das Triebwerk nun stehend zu montieren, habe ich neue Halteplatten konstruiert und gefräst. Diverse Teile mussten in fili graner Kleinarbeit neu angefertigt und entsprechend eingepasst werden.“

In einigen Wochen wird der Perfektionist seine Rickman-Norton nach mehr als 40 Jahren vollendet haben. Dann will er sie auf einem Rickman-Treffen in Oyten erstmals der Fangemeinde präsentieren. Aus eigener Kraft wird die Rennmaschine dort in Ermangelung einer Straßenzulassung nicht hingelangen. Auch Einsätze im historischen Motorsport hat Meierdierks nicht auf seiner Agenda: „Die Maschine ist einzigartig und viel zu wertvoll“, sagt er und schmunzelt. „Die bekommt einen trockenen und sicheren Ehrenplatz in meinem Wohnzimmer.“

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