Viel Streit ums Nichts

„Kunst“ im Theater: Schauspieler-Trio begeistert mit Komödie

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Gut in Form: Leonard Lansink (l.) als Marc und Heinrich Schafmeister als Yvan machen „Kunst“ auf der Syker Theaterbühne.

Syke - Von Ilse-Marie Voges. Vor dem Syker Theater standen am Sonntagabend Fahrzeuge mit der Aufschrift „Euro-Studio -Konzertdirektion Landgraf“. Begeisterte Theaterbesucher wissen, dass es sich seit 70 Jahren um eines der besten Tourneetheater im Land handelt. Gespannt erwartete das Publikum im fast ausverkauften Haus die preisgekrönte Komödie „Kunst“ von Yasmina Reza. Es wurde, soviel vorweg, nicht enttäuscht!

Drei Schauspieler, Leonard Lansink als Luftfahrtingenieur Marc, Luc Feit in der Rolle des Dermatologen Serge und Heinrich Schafmeister als der Papierhändler Yvan gaben dem Stück von Beginn an Kraft für ein Spiel, das hintergründig die Freundschaft der Männer hinterfragt.

Serge kommt mit einem gerade gekauften Werk des Künstlers Antrios nach Hause. Dort wartet Marc auf ihn. 200. 000 Francs hat Serge gerade in einer Galerie für ein Bild bezahlt. Hinter schwarzem Tuch kommt ein weißes Gemälde zum Vorschein. Darauf zu sehen: Nichts! Nur weißes Wachstuch auf einem Bilderrahmen.

„Dahinter steht ein Gedanke“

Den Stolz des Neubesitzers kann Marc so gar nicht teilen. Er ist ein Freund der sehr klaren Worte: „Es ist scheiße!“ Es entwickelt sich ein temporeicher verbaler Schlagabtausch. Luc Feit verkörpert den vermeintlich wissenden Intellektuellen bestens: Überzeugend beschreibt er seine Sichtweise zum Kunstwerk: „Es ist eines, hinter dem ein Gedanke steht!“

Inzwischen ist auch Yvan, der Dritte im Bunde, da. Er will den Streit beenden, denn er möchte viel lieber einen schönen Abend mit Freunden erleben und über sein eigenes Problem sprechen: Er ist Junggeselle, unter der Fuchtel seiner Mutter, die hinter seinem Rücken die Hochzeit mit seiner Freundin arrangiert.

Streit setzt Freundschaft aufs Spiel

Ständig läutet sein Telefon, immer ist Mama dran. Schafmeister, als Komödiant bekannt, wird der Rolle gerecht, amüsiert mit Mimik und Gestik und erntet Szenenapplaus für seine Darstellung.

Es geht weiter um das Gemälde, das keines ist – und die drei Männer, immerhin seit 15 Jahren befreundet, setzen mit dem Streit ihre Freundschaft aufs Spiel. Sie beleidigen sich gegenseitig, werden persönlich.

Schlägerei nach Beleidigung

Serge regt sich über Paula, Marcs Ehefrau, auf, die Frau mit dem runzeligen Gesicht und der ewigen Zigarette. „Schade, dass du an eine solch negative Frau geraten bist!“, ruft Serge ihm zu. Es folgt eine Schlägerei zwischen den beiden. Das eigentliche Opfer ist am Ende Yvan, der schusselig im Weg steht und eine Wunde verpasst bekommt.

Es wird deutlich, dass im Grunde die Freundschaft der Männer das eigentliche Problem der Auseinandersetzung war und ist. Das wird etwa deutlich, als ein betroffener Marc sagt: „Es gab eine Zeit, da warst du stolz, mein Freund zu sein.“

„Köstliches Geschenk und dauernde Aufgabe“

Yvan erinnert die zwei: „Ich bin nicht wie ihr. Ich will euer Freund sein! Wie kann man sich so hinreißen lassen wegen einer weißen Scheiße!“ Er schaut auf das weiße Bild – und lacht sich plötzlich halb tot. So viel Streit wegen einer weißen Fläche?! Kurzerhand bemalt Marc sie mit rotem Edding. Kann man sogar wieder abwischen!

„Das war alles eine Versuchsperiode. Gehen wir essen“, beschließen die drei, umarmen sich – und nehmen den verdienten Applaus entgegen. Alle drei Schauspieler haben klug und spielfreudig die Aussage von Ernst Zacharias umgesetzt: „Freundschaft ist nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine dauernde Aufgabe!“ – So geht Kunst! Und bestes Theater in Syke.

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