Ein Veteran als Neuzugang

Kreissparkasse gibt Citroën (Baujahr 1928) als Dauerleihgabe ans Nostalgiemuseum

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Am 16. April öffnet das Nostalgiemuseum in Okel seine Pforten. Über das Prachtstück der Ausstellung, einen 1928 gebauten Citroën C 6 F, freute sich Dennis Landt aus der Marketing-Abteilung der Kreissparkasse Syke mit Okels Geschäftsstellenleiter Jörg Wachendorf sowie die Museumsdirektoren in spe, Elke und Wolfgang Kaeding.

Okel/Syke - Von Ulf Kaack. Er hat sich in den vergangenen Jahren doch etwas rar gemacht auf den Straßen des Nordkreises: der Citroën-Oldtimer der Kreissparkasse. Kurz vor seinem 90. Geburtstag hat der Veteran nun im vor seiner Eröffnung stehenden Nostalgiemuseum in Okel ein neues Domizil gefunden.

Seit August 1980 ist der 1928 gebaute Citroën C 6 F bei Events und als Hochzeitsfahrzeug immer wieder im hiesigen Straßenbild aufgetaucht. Ein beeindruckendes Fahrzeug mit markant geschwungenen Kotflügeln und einer luxuriösen Karosserie.

Seltenes Fahrzeug - seltene Ersatzteile

„Zu seiner Zeit war er ein hochherrschaftliches Fahrzeug“, weiß Dennis Landt von der KSK-Marketing-Abteilung. „Ein solches Modell konnten sich nur betuchte Menschen leisten. Entsprechend niedrig waren seinerzeit die Produktionszahlen, entsprechend hoch ist sein heutiger Wert – und der Erhaltungsaufwand.“

Bei Letzterem liegt der Hund begraben: Durch das regelmäßige Fahren wurde die historische Technik nicht besser. Ersatzteile sind heute kaum oder nur mit hohem Aufwand zu beschaffen. Wenn überhaupt, kommen sie aus Frankreich. Oder müssen per Hand nachgefertigt werden. „Manchmal stand der Citroën wegen eines kleinen Defekts fast ein Jahr lang still“, weiß Dennis Landt.

„Auch erfordert das Fahren einen Fachmann. Statt Servolenkung und ABS sind Zwischengas und vorausschauendes Fahren die Ansage. Das kann nicht jeder.“

Paar holt sein Hochzeitsauto in das eigene Museum

Aus besagten Gründen wurde der C 6 F in den vergangenen Jahren kaum noch bewegt. Trennen will sich die Kreissparkasse auf keinen Fall von ihrem automobilhistorischen Schätzchen. Aber sein bisheriges Dasein in der Tiefgarage war auch keine langfristige Lösung. Da kamen Elke und Wolfgang Kaeding aus Okel ins Spiel.

„Als unser Projekt Nostalgiemuseum Konturen annahm, begaben wir uns auf die Suche nach Dauerleihgaben für den Ausstellungsbereich“, erinnert sich Wolfgang Kaeding. „Schnell kam uns der Sparkassen-Oldtimer in den Sinn. Dieses Fahrzeug kam vor 17 Jahren bei unserer Hochzeit zum Einsatz. Für uns also eine Herzensangelegenheit. Es bedurfte keiner großen Überzeugungsarbeit beim KSK-Vorstand: Nach einem kurzen Gespräch überließ man uns den Citroën als Leihgabe. Die Modalitäten sind vertraglich geregelt.“

Wie kommt der seltene Oldie überhaupt nach Syke? Dennis Landt hat seine Geschichte erforscht: „Der C 6 F wurde von Citroën von 1928 bis 1932 gebaut. Es gab ihn in verschiedenen Karosserievarianten – als Tourenwagen, Roadster, Coupé, Cabriolet und Limousine. Unter der Haube geht ein Sechszylinder-Motor mit 45 PS zur Sache. Das war damals fast schon Highend, heute ist es mühsam, mit dieser Leistung im normalen Verkehr mitzuschwimmen. Ab 80 Stundenkilometern wird es laut, bei 100 Sachen ist Schluss.“

Museumseröffnung am 16. April

1930 nutzte Papst Pius XI. einen C 6 F als Dienstfahrzeug. Allerdings nicht besonders intensiv. Dieser Bruder des Syker Citroëns steht heute im Museo Storico im Vatikan. Es war ein Geschenk Benito Mussolinis an den Heiligen Vater.

Etwas weniger spektakulär ist die Vita des Sparkassen- Citroëns. Bis 1980 diente es als Werbefahrzeug für ein Geldinstitut in Nordrhein-Westfalen. Werner Peter, damaliger Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Syke, hatte eine Affinität zu Oldtimern und schlug sofort zu, als der Oldie zum Verkauf angeboten wurde. In Syke angekommen, nahmen die Hausmeister und Kurierfahrer die Restaurierung in Angriff. Der C 6 F wurde zerlegt und mit vielen Neuteilen wieder aufgebaut. Hier erhielt er die schwarz-weiße Lackierung, in der sein Blechkleid auch heute noch rostfrei dasteht.

Jahrzehntelang kümmerte sich Sparkassen-Fahrer Dieter Heins mit großer Leidenschaft um den Oldtimer. Nach seiner Pensionierung übernahm Gebhard Grasshoff diese Aufgabe.

Mit fast 90 Jahren darf der Wagen in den Ruhestand gehen

Regelmäßig war der Citroën am Weltspartag, bei der Eröffnung neuer Geschäftsstellen, auf Stadtfesten und auch als Hochzeitsfahrzeug im Einsatz. Gerd Stötzel, einst Landrat und zuvor Stadtdirektor in Bassum, hat den betagten Franzosen 1994 sogar mitgenommen in dessen Geburtsland. „Damals waren wir mit einer Bassumer Delegation zu Besuch in unserer Partnerstadt Fresnay sur Sarthe“, erinnert sich der Automobilbegeisterte an diese Episode.

„Mit nunmehr fast 90 Jahren hat unser Citroën die Schwelle zum Eintritt in die verdiente Rente schon lange überschritten“, zieht Dennis Landt Bilanz über ein langes Automobilleben. „Hier im Nostalgiemuseum, das am 16. April eröffnet wird, hat er ein ideales Altenteil gefunden und wird ganz sicher vielen Menschen Freude bereiten.“

Doch rüstig ist der Neurentner nach wie vor. Der Motor läuft seidenweich, die Technik funktioniert, der Tüv-Stempel verrät Gültigkeit. Der Wagen kann also jederzeit zurück auf die Straße. Eine Option, die die Kaedings und die Kreissparkasse im Auge haben – wenn die passende Gelegenheit kommt.

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