Verwandt ist nicht verboten

Neuer Koch der Grundschul-Mensa ist Vater von Suse Laues Enkelin

Syke - Von Michael Walter. Die Stadt Syke hat einen Koch für die Mensa der Grundschule am Lindhof. Er soll zum 1. September anfangen und die Einstellung des weiteren Küchenpersonals begleiten, damit die Mensa zum 1. November den Betrieb aufnehmen kann. Eigentlich nur eine Personalie, wenn da nicht ein Detail wäre, dass dem Ganzen eine besondere Würze gibt.

Es handelt sich dabei um den Vater von Suse Laues Enkelin, also um den Quasi-Schwiegersohn der Bürgermeisterin. Und es gibt Stimmen aus dem Rathaus-Umfeld, die unterstellen, er habe den Job nur deshalb bekommen.

Bürgermeisterin hat sich aus dem gesamten Verfahren zurückgezogen

Nichts liege der Wahrheit ferner als das, sagt Suse Laue dazu und begründet: Sie habe sich von dem Moment an, an dem die Bewerbung auf dem Tisch lag, aus dem gesamten Einstellungsverfahren komplett ausgeklinkt.

Fakt ist: Erster Stadtrat Thomas Kuchem hat das Einstellungsverfahren geleitet und sämtliche Vorstellungsgespräche geführt. Fakt ist auch: Seine Wahl fiel auf den Vater von Laues Enkeltochter. Fakt ist ferner: Der Personalrat war mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. Fakt ist aber auch: Grund dafür waren nicht etwa Bedenken wegen der Quasi-Verwandschaft.

Vielmehr hatte der Personalrat bemängelt, ein anderer Bewerber sei nur aus Altersgründen abgelehnt worden – was rechtswidrig gewesen wäre.

Wegen des Einspruchs des Personalrats musste der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss des Rats eingeschaltet werden. Kuchem hat dem VA die Gründe erläutert, die zu seiner Bewerberauswahl geführt haben, und nach Informationen der Kreiszeitung hat der Ausschuss die Auffassung Thomas Kuchems einstimmig bestätigt.

Der Rat muss bei der Einstellung eines Koches nicht gefragt werden

Alles sauber also? Oder bleibt da vielleicht doch ein Geschmäckle?

Ratsvorsitzender Karsten Bödeker dazu: „Der Rat weiß offiziell noch nichts von dieser Personalentscheidung. Das ist aber normal. Wir werden ja auch nicht informiert, wenn der Bauhof einen neuen Mitarbeiter bekommt.“

Personalien unterhalb der Abteilungsleiter-Ebene seien grundsätzlich keine Aufgabe des Rats. „Die Einstellung eines Kochs ist ein Thema, das absolut in die Personalhoheit der Bürgermeisterin fällt. Es gibt auch keine dienstrechtliche Regelung, die solch ein Quasi-Verwandschaftsverhältnis verbietet.“ Je kleiner die Stadt, desto größer sei nun mal die Wahrscheinlichkeit, „dass Leute miteinander arbeiten, die quasi verwandt sind“.

Einen Interessenkonflikt kann Bödeker, der auch zur Fraktionsspitze der SPD gehört, nicht erkennen. „Ich wüsste nicht, wo der sein sollte. Koch und Verwaltungs-Chefin haben dienstlich überhaupt keine Berührungspunkte. Da sind noch etliche Leute dazwischen.“ Auch den Verdacht einer Vetternwirtschaft kann er nicht nachvollziehen. „Ich gehe davon aus, dass man in so einem Bewerbungsverfahren denjenigen auswählt, der der Beste ist.“

Einigkeit bei den Parteien: Keine Probleme

Ähnlich sieht das auch die Freie Wählergemeinschaft. Fraktions-Vize Jochen Harries: „Das war der mit Abstand qualifizierteste Bewerber. Da braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben. Und Suse Laue hat alles richtig gemacht.“

Heinz-Jürgen Michel von der Gruppe Grüne /  Linke findet: „Das ist eine so untergeordnete Stelle. Es war ja sogar schon mal der Mann der Bürgermeisterin Fachbereichsleiter.“ Damit meint er Harm-Dirk Hüppe, der sich nach der Wahl Suse Laues aus dem Syker Rathaus wegbeworben hatte.

Wilken Hartje von der Gruppe CDU/FDP sagt dazu: „Damit haben wir überhaupt kein Problem. Wichtig ist einzig, dass der Koch motiviert ist und gute Arbeit macht.“

Rubriklistenbild: © dpa

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