Verteidigung ist die beste Verteidigung

Aikido-Training ist nichts für Ungeduldige und Krawallmacher

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Karl-Heinz Bode (mit Bart) ist Tori, Ralf Lübnitz ist Uke: Tori weicht Ukes Angriff mit dem Holzschwert seitlich aus.

Syke - Von Robin Grulke. Ein Aikidoka versucht, den Angreifer nicht zu verletzen. Ein Aikidoka führt ihn in eine Situation, in der sich dieser beruhigen kann. Auch wird ein Aikidoka wohl nie an einem Wettkampf teilnehmen, „denn das widerspricht der Philosophie des Aikido“. Karl-Heinz Bode leitet den Aikido-Club Syke mit nur 38 Mitgliedern und gewährt einen Einblick in die moderne japanische Kampfkunst. Sie ist nichts für Möchtegern-Prügler und Hobby-Aggressoren – fristet sie deshalb ein Schattendasein?

„Ihr geht keiner Bewegung aus dem Weg!“, ruft Ralf Lübnitz. Die Kinder, seine Schüler, wuseln auf den Matten um ihn herum, weichen aber nicht aus. Trifft ein Schüler dabei auf seinen Lehrer, haken beide mit ihren Armen ein, drehen sich umeinander und lassen wieder los, ohne an Geschwindigkeit zu verlieren. Die erste Lektion im Training: Ein Aikidoka nutzt die Energie seines Gegenübers.

Flüssige Bewegungen ohne viel Action

„Der Lernerfolg ist am Anfang eher gering“, meint Lübnitz, der selbst den 1. Kyu besitzt (vergleichbar mit dem Braungurt beim Judo – eine Stufe vor Schwarz). „Und Kinder wollen sich meist eher raufen.“ Nur die wenigsten hätten Spaß daran, über Jahre die flüssigen Bewegungen einzustudieren und zu verinnerlichen – ohne viel Action. „Es ist nicht unbedingt das, was sie sich vorgestellt haben.“ So kommt es, dass beim ersten Jugend-Training nach den Sommerferien lediglich fünf Kinder auf der Matte stehen.

Er greift Ukes Handgelenk und dreht es so ein, dass Uke der Bewegung folgen muss.

Nach den Aufwärmübungen üben die Kinder in Partnerarbeit einen Handdreh-Griff, wiederholen die Bewegung immer und immer wieder. Sie wirken konzentriert und aufmerksam und spielen die Erinnerung ab, wie Lübnitz es gerade noch vorgemacht hatte. Das tun sie mit einem Blick, als müssten sie in Gedanken einen bunten Zauberwürfel lösen.

Bei fast jeder Übung stehen sich – wie bei japanischen Kampfkünsten üblich – Tori und Uke gegenüber. Als Tori wird der Verteidiger bezeichnet, der die Haupthandlung durchführt, beispielsweise einen Wurf oder Griff. Uke provoziert vorher eine Reaktion von Tori, in dem er Tori ans Handgelenk greift oder mit dem Holzschwert zuschlägt. Dabei sind Angriff und Verteidigung mit beiden Parteien abgesprochen.

Speziell für Frauen geeignet

Aikido eignet sich Bode zufolge auch speziell für Frauen, weil weiche Bewegungen anstatt harter Schläge gelernt werden. „Es gibt kein Draufhauen, und die Techniken verletzen nicht. Aikido ist Liebe, Harmonie und Atemkraft.“ Die Werte hat Bode von Aikido-Begründer Ueshiba Morihei, dessen Porträt in jedem Aikido-Dojo zu sehen ist, übernommen. Morihei sagte einst: „Ich unterrichte euch nicht eine Kampfkunsttechnik, ich unterrichte euch Gewaltlosigkeit.“

Nun führt Tori Uke zu Boden, wo er ihm das Schwert aus dem geschwächten Handgelenk entreißen kann. Der Angreifer ist entwaffnet und der Angegriffene in der überlegenen Position.

Die Frage, die sich nun viele stellen mögen: Nützt mir Aikido in einer echten Gefahrensituation? „Ja, das bringt Selbstvertrauen“, meint Bode. Mit der Ausstrahlung und dem Wissen über Verteidigungstechniken falle man bereits aus der klassischen Opferrolle heraus, nach der „Rempler“, wie Bode so schön sagt, suchen.

Wer im Internet nach dem exotischen Sport sucht, findet zumeist beeindruckende Schau-Kämpfe, bei denen erfahrene Aikidoka ihre Fähigkeiten demonstrieren. Bis man auf dem Level ist, vergehen allerdings viele Jahre. Denn wie Lübnitz sagt: „Es ist wirklich schwer zu lernen.“

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