Neue Beweisanträge eingebracht

Totschlagsprozess: Verteidiger zweifelt an Aussage der Tochter

Verden/Syke - Von Wiebke Bruns. Keine Hinweise auf eine Tat im Affekt sieht der psychiatrische Sachverständige in dem Verdener Landgerichtsprozess gegen einen 32 Jahre alten Angeklagten aus Syke.

Der aus dem Irak stammende Mann hat bereits gestanden, seine Frau am 23. April dieses Jahres erwürgt zu haben. Er muss sich wegen Totschlags verantworten. Am Mittwoch sollte die Beweisaufnahme geschlossen werden, doch dann stellte der Verteidiger fünf Beweisanträge. Diesen will das Gericht zumindest teilweise nachgehen.

Der Angeklagte will am Vorabend der Tat auf einem jesidischen Fest gewesen sein. Die Kammer hatte bereits ihre Zweifel an dieser Behauptung deutlich gemacht, denn der Angeklagte konnte weder den Anlass des Festes noch den Ort benennen. 

Am Mittwoch präsentierte der Verteidiger die Namen von drei Zeugen, die mit dem Angeklagten auf dem Fest in Ottersberg im Landkreis Verden gewesen seien sollen. Dass es dort ein solches Fest am Vorabend der Tat gegeben hat, konnte bereits in einer Verhandlungspause ermittelt werden.

Glaubwürdigkeit der Tochter infrage gestellt

In mehreren Anträgen wurde die Glaubwürdigkeit der neunjährigen Tochter des Angeklagten infrage gestellt. „Die Angaben der Zeugin sind nur zu einem geringen Teil erlebnisbezogen“, so der Verteidiger. 

Argumentiert wurde nicht nur mit der kulturellen Prägung und traumatischen Erlebnissen durch Massaker und Flucht, sondern auch durch das Ansehen von Horrorfilmen. Das Mädchen habe mehrfach die Unwahrheit gesagt. Unter anderem wurde die Einholung eines aussagepsychologischen Gutachtens sowie eines ethnologisch kulturellen Gutachtens beantragt.

Versöhnungsgeld an Familie gezahlt?

Außerdem ging es um Versöhnungsgeld, das nach der Tat an die Familie der getöteten Frau gezahlt worden sei. Laut einem Bruder der getöteten Frau, der zu Beginn des Verhandlungstages als Zeuge aussagte, waren es 6.000 Euro. 

„Nach Vollziehung der Versöhnungsregelung gibt es kein Interesse mehr an einer Strafverfolgung“, kritisierte die Staatsanwältin. Das sei in der Aussage des Bruders der Getöteten ganz deutlich geworden. Noch immer gibt es keine Erklärung für die 5.000 Euro, die der Angeklagte in der Tasche hatte, als er sich nach der Tat der Polizei stellte.

Sollte das Gericht nicht auf eine Tat im Affekt erkennen, dürfte der Angeklagte als voll schuldfähig angesehen werden. „Aus seiner Biografie ergeben sich keine Persönlichkeitsstörung und keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung oder Minderbegabung“, erklärte der Sachverständige über den als Flüchtling eingereisten Angeklagten.

Der Prozess soll am Mittwoch, 8. November, fortgesetzt werden.

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Rubriklistenbild: © dpa

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