„Überreaktion“

Versöhnung vor Gericht: Unfallgegner legen Streit bei

Syke - Von Dieter Niederheide. Waren sich ein Kradfahrer (28) aus Rethem und ein Autofahrer (48) aus Heiligenfelde an einem Septembertag vorigen Jahres auf der Götestorfer Straße gar nicht grün, so sah das am Ende des Strafprozesses im Syker Gerichtssaal ganz anders aus.

Der Kradfahrer entschuldigte sich per Handschlag bei dem Autofahrer und sprach von einer Überreaktion seinerseits. Sogar nach der Verhandlung vor der Strafrichterin unterhielten sich die Betroffenen vor dem Gerichtssaal in einer fast versöhnlichen Atmosphäre.

Was war an jenem Septembertag, als der Autofahrer mit seiner Frau und der Kradfahrer Richtung Thedinghausen unterwegs waren? Folgt man der Aussage des Autofahrers, wurde er von dem Motorradfahrer zwei- bis dreimal heftig ausgebremst und beim Versuch, den Zweiradfahrer zu überholen, von diesem daran gehindert. Der Autofahrer gab an, dass der Kradfahrer ihn überholte und knapp vor ihm wieder einscherte und langsamer fuhr. Das soll zwei- oder dreimal passiert sein. Er (der Autofahrer) habe in die Anker steigen müssen. „Ich wollte ihn überholen und da wurde er schneller“, schilderte er den Vorgang weiter.

Als das passierte, war der Autofahrer es leid. Er fuhr statt nach Thedinghausen nach Syke zurück und erstattete Strafanzeige bei der Polizei. Die Ehefrau des Autofahrers sagte als Zeugin: „Er wollte uns wohl provozieren, ich habe Angst gehabt.“

Der Motorradfahrer erwiderte, dass der Autofahrer, als er ihn überholte, die Scheibenwischanlage mehrfach betätigte und Helm wie Visier nass wurden. Der Autofahrer hielt es für möglich, dass dies aufgrund einer dreckigen Scheibe passiert sein könnte.

Offen und ehrlich, wie die Strafrichterin anmerkte, gab der Kradfahrer zu, dass er sich zweimal vor das Auto setzte und abbremste. „Ich war über ihn stark frustriert“ sagte der Motorradfahrer. Er gab auch zu, schneller geworden zu sein, als der Autofahrer ihn überholen wollte.

Verfahren eingestellt

Die Strafrichterin: „Es kommen immer wieder solche und ähnliche Vorfälle im Straßenverkehr vor.“ Angeklagt war der Kradfahrer wegen Straßenverkehrsgefährdung, doch am Ende regte die Strafrichterin an, das Strafverfahren einzustellen. So geschah es dann mit Einverständnis des Anklagevertreters. Einen Denkzettel gab es auf Antrag des Staatsanwaltes dennoch. Der Motorradfahrer zahlt 500 Euro an die Verkehrswacht, bleibt davon abgesehen jedoch unbestraft – es hätte ihn auch den Führerschein kosten können.

Der Staatsanwalt richtete noch einige Worte an den Kradfahrer: „Die Verkehrserziehung ist nicht Aufgabe der Verkehrsteilnehmer.“

Die versöhnlichen Gespräche zwischen den Beteiligten gibt es nach Strafprozessen im Gerichtssaal leider viel zu selten zu beobachten. Das hatte irgendwie Format.

Rubriklistenbild: © dpa

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