Serie: Bauvorhaben, die in der Schublade verschwunden sind

Das fehlende Glanzlicht am Eingang zur Innenstadt

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Diese kombinierte Ansicht zeigt den nördlichen Teil des Raiffeisengeländes von der Gartenstraße aus gesehen. Oben in der Draufsicht, darunter zeigt die Skizze, wie die Gebäude aussehen würden, die sich Bauamtsleiter Timo Fleckenstein dort vorstellen könnte. Ein gewisser Hang zum Klassizismus lässt sich dabei nicht verleugnen. Grafik: Stadt Syke

Syke - Von Michael Walter. „Wir brauchen Architektur, mit der man sich in der Stadt identifizieren kann.“ Davon ist Timo Fleckenstein, der Leiter des Fachbereichs Bau, Planung und Umwelt bei der Stadtverwaltung, überzeugt. „Etwas, wovon man sagen kann: Das ist Syke!“

Leider ist in der Vergangenheit aber vieles verloren gegangen, das diese Forderung erfüllt hätte. Und so mancher Zweckbau, der ursprünglich vielleicht einmal nur als Provisorium gedacht war, steht diesem angestrebten Ziel sogar entgegen.

Der nördliche Teil des Raiffeisengeländes an der Ecke Gartenstraße/Bahnhofstraße ist für den Syker Bauamtsleiter sogar ein ausgesprochener „städtebaulicher Missstand.“ Damit meint er noch nicht einmal unbedingt die Tankstelle im hinteren Bereich oder den Raiffeisenmarkt daneben, sondern vor allem die Spielhalle unmittelbar auf dem Eckgrundstück. „Es sollte ein Glanzlicht an dieser Stelle entstehen“, findet Fleckenstein.

Zu einem Zeitpunkt, als die Raiffeisengenossenschaft nach einem Käufer für das Gelände suchte, hat Fleckenstein einen Entwurf skizziert, wie man dieses Areal zu solch einem Glanzlicht entwickeln könnte. Was ihm dabei vorschwebte, war: „Eine urbane Mischung in der Nähe des Bahnhofs als Eingangstor zur Stadt.“ Das Prinzip dahinter: Alte Stadtbilder wieder aufzunehmen oder sich auf sie zu beziehen.

Zwei wesentliche Orientierungspunkte dafür sind in unmittelbarer Nähe vorhanden: Das JugendstilGebäude auf dem zur Bahn gelegenen Nachbargrundstück, in dem heute die türkische DTiB-Gemeinde zuhause ist, und das Geschäftshaus schräg gegenüber, das ursprünglich einmal ein Hotel gewesen ist. Anhand dieser Formensprache hat Fleckenstein nicht nur für das Eckgrundstück einen Gebäudeentwurf skizziert, sondern gleich ein ganzes Ensemble. Das würde sich die Gartenstraße entlang ziehen und an den südlichen Teil anknüpfen, wo aus den alten Silos zwei Wohntürme werden könnten (wir berichteten). Die Räume dazwischen wären geprägt durch „klare Platz- und Wegesituationen, die zum Verweilen einladen“, so Fleckenstein.

Die Ecke Bahnhofstraße / Gartenstraße ist für Bauamtsleiter Timo Fleckenstein ein „städtebaulicher Missstand“, den er gerne abstellen würde. Ideen dazu hätte er viele. Doch seine Möglichkeiten sind begrenzt. Zumal das Gelände nicht der Stadt gehört.

Unabhängig von der Einfahrt für den Fahrzeugverkehr könnte er sich für die fußläufige Erschließung eine Art Tor-Situation vorstellen: Einen Weg, der auf einen Brunnen am Ende der Sichtachse zuführt, rechts und links flankiert von einer Art kleinem Wachhaus. Ein gewisser Hang zum Klassizismus ist in den Skizzen nicht zu verleugnen.

Die übrigen Gebäude hätten oben Wohnungen und im Erdgeschoss Gastronomie. „Die Rückseite geht nach Westen raus. Dort könnte man im Sommer schön auf Terrassen in der Abendsonne sitzen“, malt Timo Fleckenstein die Situation aus.

Beim Blick auf seinen Entwurf ist sich der Bauamtsleiter bewusst: „Da müsste ein Investor schon sehr mutig und innovativ sein.“ Realistisch betrachtet, sei eine Umsetzung „schwer bis unmöglich.“ Dennoch: „Der Entwurf hechelt keinem Trend hinterher. Er ist zeitlos und schiebt keinen Keil zwischen gewachsene Strukturen.“ Und wenn eine neue Entwicklung auf dem Gelände möglich wäre, „könnte man ihn auch in zehn Jahren noch guten Gewissens wieder aus der Schublade holen“.

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