Belgisches Militär-Archiv hilft mit Dokumenten

Bremer Geschichtsstudent sucht verschollenen Zwangsarbeiter

Die Kriegsgefangenen (v.l.) Jean Henri Nauwelearts, Heetos Musschot und Alexander Joos mussten 1940 Zwangsarbeit im Bereich Mellinghausen und Bassum leisten. - Fotos: Defence-Centre for Historical Documentation, Belgien

Mellinghausen/Bremen - Von Anke Seidel. Jetzt hat er ein Gesicht, der rätselhafte Jan Hendrik oder Jean Henri Nauwelaerts, der im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeit in der Region leisten musste:

Das belgische Defence-Centre for Historical Documentation hat dem Bremer Geschichtsstudenten Kevin Kyburz die Wehrmachtsunterlagen über den Belgier geschickt. Wie berichtet, versucht Kevin Kyburz, sein Schicksal aufzuklären und in der Region Mellinghausen Menschen zu finden, die sich an den Zwangsarbeiter erinnern können.

Die Dokumente aus dem Defence-Centre for Historical Documentation haben den 28-jährigen Studenten einen großen Schritt weiter gebracht. Denn aus ihnen geht zweifelsfrei hervor: Jean Henri Nauwelaerts war im Kriegsgefangenen-Stammlager Sandbostel untergebracht. Ein Foto und ein Fingerabdruck sind auf der alten Karteikarte vermerkt – und genauso, dass der als „gesund“ befundene Belgier im Kommando „Mellinghausen Bassum“ eingesetzt war – sprich dort arbeiten musste, wahrscheinlich auf Bauernhöfen.

Und nicht nur er: Offensichtlich teilten zwei andere belgische Soldaten dieses Schicksal. Alexander Joos und Heetos Musschot waren 1940 ebenfalls in Sandbostel interniert und zur Zwangsarbeit nach „Mellinghausen Bassum“ abgeordnet. Deshalb geht Kevin Kyburz davon aus, dass die drei gemeinsam unterwegs waren – und sich von anderen Kriegsgefangenen möglicherweise durch ihr vergleichsweise fortgeschrittenes Alter abhoben: Nauwelaerts war damals 50 Jahre alt, Joos 44 Jahre und Musschot 47 Jahre.

Alle drei waren in den Wirren der Schlacht um Dünkirchen (26. Mai bis 5. Juni 1940) in deutsche Gefangenschaft geraten und nach Sandbostel gebracht worden.

Herausgefunden hatte Kevin Kyburz bereits, dass Nauwelaerts am 28. Mai 1890 in Niel geboren und mit 22 Jahren Soldat geworden war. 1922 wurde er als Brigadier geführt. Die historischen Dokumente belegen: Zwei Weltkriege musste der Belgier erleben. Am 1. Juni 1940 beschrieben ihn belgische Aufzeichnungen als „Krygsgevangen in Deutschland“. Bis zum 13. Februar 1941 war er offensichtlich in der Region.

Immer noch ungeklärt ist die Frage: Wo haben Nauwelaerts, Joos und Musschot 1940 und 1941 gearbeitet? Wer kann sich an sie erinnern, selbst wenn er damals noch Kind war? Für Kevin Kyburz (E-Mail: kevin.kyburz@googlemail.com) sind Hinweise von Bürgern überaus wertvoll. Denn er möchte das Rätsel um den Kriegsgefangenen lösen, dessen Militärmarke das Erdreich nach mehr als sieben Jahrzehnten freigegeben hat.

Mithilfe des belgischen Journalisten Paul Verbraeken und über einen Artikel in der Zeitung Gazet van Antwerpen konnte eine weitläufige Verwandte des gesuchten Soldaten gefunden werden, die den Kontakt zum mittlerweile 83-jährigen Enkel von Nauwelaerts ermöglichte.

Aus diesen Quellen weiß Kyburz, dass der einstige Zwangsarbeiter unter seinen Erlebnissen in zwei Weltkriegen schmerzlich gelitten hat. Im Alter von etwa 80 Jahren ist er gestorben. Das genaue Datum ist unklar.

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