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Verein „Sprache verbindet“ schafft in Syke Angebote für Jugendliche und Erwachsene

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Von: Michael Walter

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Zimmer mit Aussicht: Vorsitzender Kodjovi Kougblenou richtet gerade die neue Zweigstelle des Vereins „Sprache verbindet“ in der Riedenpassage ein. Ab Mitte März möchte er gerne die Projektarbeit aufnehmen.
Zimmer mit Aussicht: Vorsitzender Kodjovi Kougblenou richtet gerade die neue Zweigstelle des Vereins „Sprache verbindet“ in der Riedenpassage ein. Ab Mitte März möchte er gerne die Projektarbeit aufnehmen. © Michael Walter

Im ersten Stock der Riedenpassage an der Hauptstraße entsteht gerade ein neuer Jugendtreff. Bis Mitte März möchte Kodjovi Kougblenou vom Bassumer Verein „Sprache verbindet“ dort Angebote für Jugendliche und Erwachsene schaffen.

Syke – Ein Schreibtisch, zwei Stühle, ein kleiner Schrank und im Raum nebenan ein Tischkicker: Viel mehr zeugt noch nicht davon, dass im ersten Stock der Riedenpassage ein neuer Jugendtreff entsteht. Der Bassumer Verein „Sprache verbindet“ hat die Räume gerade erst bezogen. Ab Mitte März will er dort einen offenen Treff, kostenlose Nachhilfe und Migrationsberatung anbieten.

Die treibende Kraft dahinter heißt Kodjovi Kougblenou, ist 35 Jahre alt, studierter Jurist und hauptberuflich im Sozialamt der Stadt Bremen tätig. Privat hat der gebürtige Togoter in Bassum Wurzeln geschlagen – und dort auch den Verein gegründet, dessen Vorsitzender und Projektmanager er ist. Nebenbei unterrichtet er als Dozent bei der VHS Französisch und „Deutsch als Fremdsprache“. Und seit der letzten Kommunalwahl sitzt er auch als Einzelkandidat im Rat der Stadt Bassum.

„Wir konkurrieren mit niemandem“

Kodjovi Kougblenou, Vorsitzender des Vereins „Sprache verbindet“

„Sprache verbindet ist vor knapp drei Jahren aus einer Elterninitiative heraus entstanden“, erzählt Kougblenou. „Familien aus vielen Nationen haben ihre Kinder zusammen spielen lassen. Das einzige verbindende Glied zwischen ihnen war die Sprache: Alle konnten entweder ein bisschen Deutsch oder Französisch. So haben sich Freundschaften entwickelt. Daraus ist dann ein Projekt entstanden. Und das Ganze führt zu Integration.“ So einfach kann das sein.

Offiziell seit dem 15. Februar ist der Verein jetzt Mieter der Räume in der Riedenpassage. „Schuld“ daran sind die Berufsbildenden Schulen. „Wir hatten eine Anfrage von der Schulsozialarbeit der BBS, ob wir ein paar Schüler betreuen könnten, die Probleme mit sich selbst hatten“, erzählt Kodjovi Kougblenou. „Die waren ein bisschen verloren.“ Der Verein sagte zu, stellte aber schnell fest: Wenn er eine Möglichkeit vor Ort hätte, wäre das deutlich praktischer, als wenn die Schüler jedes Mal erst nach Bassum kommen müssten. „Durch Zufall haben wir über ein Vereinsmitglied erfahren, dass hier ein Raum in zentraler Lage frei ist.“ Daraus wird nun eine richtige Zweigstelle mit einem offenen Angebot zusätzlich zu der Kooperationsarbeit mit den BBS.

Ein offener Treff für Leute zwischen 8 und 28, betreute Hausaufgabenhilfe und Nachhilfe... – das gibt es eigentlich schon längst in Syke: Seit vielen Jahren ist genau das ein Kernangebot des Jugend- und Kulturzentrums am Lindhof. Für Kougblenou gar kein Problem. „Wir konkurrieren mit niemandem“, betont er. „Wir verdienen ja auch kein Geld damit. Als Verein arbeiten wir ehrenamtlich.“

Kodjovi Kougblenou sieht eher die Möglichkeiten, sich gegenseitig zu ergänzen. Zumal das Angebot seines Vereins auch hauptsächlich auf Menschen mit Fluchthintergrund zielt.

Kontakt mit der städtischen Jugendpflege hat er noch nicht aufgenommen. Das steht aber für die jetzt beginnende Woche ganz oben auf seiner To-do-Liste.

Raum für Sprach-Coaching - und für Darts

Ebenso wie die beiden Räume in der Riedenpassage fertig einzurichten. Ein paar Spiele, eine Dartscheibe, ein paar Tische und Sessel sollen da noch rein. Und eine Schultafel. „Wir wollen hier auch unser Sprach-Coaching unterrichten.“ Irgendwann, wenn Corona das wieder zulässt.

Kodjovi Kougblenou freut sich darauf, dass an diesem Tisch schon bald leidenschaftlich gekickert wird.
Kodjovi Kougblenou freut sich darauf, dass an diesem Tisch schon bald leidenschaftlich gekickert wird. © Michael Walter

Das alles kostet Geld. Keine astronomischen Summen. Aber doch eine ganze Menge, wenn man es selbst bezahlen muss. Um die 5000 Euro dürfte die Jugendarbeit im Jahr kosten. Etwas weniger ein Projekt für Erwachsene und Senioren, das der Verein gerade plant. „Bis jetzt schießt der Verein alles vor“, sagt Kougblenou. Förderanträge für beide Projekte sind gestellt. Eine Zusage hat er noch nicht.

Die Migrationsberatung – das dritte Angebot, das der Verein machen will – tragen die Mitglieder ohnehin selbst. „Da entstehen keine Kosten.“ Hilfestellung bei aufenthaltsrechtlichen Fragen fällt beispielsweise darunter. Aber auch Rat, wenn es um kulturelle Unterschiede geht: Erziehung und Familie, Leben und Wohnen, welche Arbeitsmöglichkeiten es gibt oder ganz allgemein um Schwierigkeiten bei der Integration in die Gesellschaft.

Noch kann er nicht sagen, wie das alles werden wird. Aber Kodjovi Kougblenou ist zuversichtlich. „Das hat bis jetzt in Bassum ja ganz gut geklappt. Vielleicht klappt das dann ja auch in Syke. Man muss da einfach optimistisch sein.“

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