Urteil am Amtsgericht Syke

Ex-Freundin gewürgt und geschlagen: Täter erhält Bewährung

Syke - Von Wiebke Bruns. Zivilcourage hatte am 8. September 2017 ein Zeuge bei einem Verbrauchermarkt in Syke gezeigt. Er und seine Freundin hatten bemerkt, wie eine Frau von einem Mann bedrängt und getreten wurde. Der 36-Jährige eilte der Frau zur Hilfe und kassierte dann selbst Tritte. Der 47 Jahre alte Täter wurde später vom Amtsgericht Syke wegen dieser beiden und einer vorherigen Körperverletzung zu einer 14-monatigen Haftstrafe verurteilt. In Verden erstritt er sich im Berufungsverfahren eine Strafaussetzung zur Bewährung.

Die erste Körperverletzung hatte der Angeklagte am 19. August 2017 an der selben Frau begangen – seine Ex-Freundin. Wie diese in dem Prozess berichtete, hatten die Beiden auch nach dem Ende der Beziehung noch Kontakt. An jenem Abend im August hätten sie zunächst noch gemeinsam Fernsehen geschaut. Dann habe sie ihm erklärt, dass sie solche Besuche nicht mehr wolle. Da sei der Angeklagte ausgetickt.

„Er hat mich gewürgt“, so die Frau. Sieben- bis achtmal habe er ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. „Er hat meine Brille weggeschmissen, meine Lampe zerstört. Ich bin trotzdem ruhig geblieben und habe zugesehen, dass ich ihn loswerde“, so die Frau. Irgendwann sei er gegangen.

In den Tagen danach habe der Angeklagte mehrfach versucht, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Sie war konsequent und erstattete Anzeige. Am 8. September 2017 folgte das unfreiwillige Wiedersehen bei dem Verbrauchermarkt.

Vergeblich um Hilfe gebeten

„Er stand beim Bäcker und hat meinen Namen gerufen“, berichtete die 55-Jährige. Dann sei er ihr nach draußen gefolgt, habe sie bedrängt und ihr wiederholt gegen das Schienbein getreten. Der Angeklagte habe wissen wollen, warum sie ihn angezeigt hat. Vergebens habe sie einen Passanten um Hilfe gebeten, doch dann habe das andere Opfer Zivilcourage bewiesen: Als der 36-Jährige vom Angeklagten zu Boden gebracht wurde, sei sie zu ihrem im Auto wartenden Sohn geflüchtet.

Auf die Aufforderung des Zeugen, die Frau in Ruhe zu lassen, soll der Angeklagte nur gesagt habe: „Lass mich in Ruhe. Das ist meine Sache, was ich mit meiner Freundin mache.“ So berichtete es der Zeuge. „Er hat mir in den Rücken und den Hintern getreten“, berichtete der inzwischen in Emtinghausen wohnende Mann. Bei dem Sturz verletzte er sich an der Hand. Der Angeklagte lief davon.

Günstige Sozialprognose gegeben

Dieser äußerte sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen. Weil sich die gefährliche Körperverletzung in dem Berufungsverfahren nicht bestätigte, wurde die Strafe wegen drei (einfachen) Körperverletzungen auf ein Jahr reduziert. Bis zu dieser Strafhöhe braucht es keine besonderen Umstände für eine Bewährung. Eine günstige Sozialprognose wurde bejaht.

Auferlegt wurde dem 47-Jährigen, während der dreijährigen Bewährungszeit in keiner Form Kontakt zu der Frau aufzunehmen. Dafür aber regelmäßig zu seinem Bewährungshelfer und seinem Betreuer. Bei Verstößen droht ein Bewährungswiderruf. Dann muss er die Strafe absitzen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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