Sykerin Ursula Starke arbeitet als Sehlehrerin

„Bauarbeiter und Gärtner brauchen keine Brille“

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Abschied von der Lesebrille? Sehtrainerin Ursula Starke ist sich sicher, dass das richtige Augentraining der Altersweitsichtigkeit entgegenwirkt.

Von Frank Jaursch. Vor der Altersweitsichtigkeit gibt es kein Entkommen: Egal, wie gut die Augen auch mal waren – mit den Lebensjahren wird das Sehen im Nahbereich immer mühevoller. Und irgendwann sind die Arme nicht mehr lang genug, um die Zeitung zu lesen. Dann folgt der Griff zur Lesebrille. Stimmt‘s?

„Stimmt nicht“, sagt Ursula Starke. Die Sykerin arbeitet seit zwölf Jahren als Sehlehrerin. Und sie ist überzeugt davon, dass das richtige Training dabei helfen kann, ohne Lesebrille auszukommen.

Für ihre Zuversicht hat sie einen guten Grund: die eigenen Erfahrungen. Sie selbst war von Altersweitsichtigkeit betroffen. Das Sehtraining habe ihr das Lesen ohne Brille wieder ermöglicht, berichtet Starke. In Oberursel begann sie 2003 eine einjährige Ausbildung zur Sehlehrerin. Ab 2004 gab sie Vorträge und Kurse, 2005 gründete sie eine Praxis in München. Vor wenigen Jahren kehrte sie nach Syke zurück.

Weil die Elastizität der Linse im Auge im Laufe des Lebens immer weiter abnimmt, fällt das Fokussieren immer schwerer. Zudem lässt auch die Kraft des ringförmigen Ziliarmuskels, an dem die Linse gewissermaßen hängt, nach.

Äußere Faktoren wie häufige PC-Arbeit und viel Stress können laut Starke für eine Verkrampfung des Muskels sorgen – und damit für früher einsetzende Alterssichtigkeit. Doch der Weg funktioniert in beide Richtungen: Wer den Ziliarmuskel trainiere, könne dem Nachlassen der Sehkraft entgegenwirken. Starke dient als Richtungsweiser, will ihren Kursteilnehmern eine „Hilfe zur Selbsthilfe“ vermitteln.

Das Training beinhaltet einige ganz banale Übungen – zum Beispiel, dreimal in der Stunde den Blick weg vom Monitor in die Ferne zu richten. „Der Nahbereich von weniger als sechs Metern strengt das Auge mehr an“, erklärt Starke.

Ihre Übungen lassen sich ganz einfach in den Alltag einbetten. „Beim Zähneputzen, beim Meeting oder an der Bushaltestellte – das kostet wirklich keine Zeit.“ Die Mischung des Fokussierens auf nahe und ferne Gegenstände fördere die Augenbeweglichkeit und sorge für eine Stärkung des Muskels.

Wer viel im Freien arbeitet, ist nach Starkes Überzeugung deutlich besser vor Alterssichtigkeit geschützt. „Bauarbeiter und Gärtner brauchen keine Brille“, sagt sie.

Ursula Starke ist der ganzheitliche Ansatz ihrer Tätigkeit wichtig. Nach ihrer Überzeugung spiegelt sich die gesamte Verfassung des Menschen in seinen Augen. In ihren Gesprächen zielt sie oft auf die Lebenssituation der Menschen ab – auf die Körperhaltung zum Beispiel, aber auch auf äußere Faktoren wie familiäre Probleme – und sucht dann Lösungen. Gern auch in Kooperation mit Heilpraktiker oder Akupunkteur.

Eines ist der Sykerin allerdings wichtig: Ihr Angebot stellt keine Konkurrenz zum Augenarzt dar. „Der ist der erste Ansprechpartner“, erklärt sie, „und das sollte auch so bleiben.“

www.prolumeno.de

Kritischer Augenarzt

Frank Dehnhardt ist Augenarzt in Syke und hat sich mit dem Angebot von Ursula Starke befasst. Seine Reaktion fällt kritisch aus. „Organische Veränderungen wie der Wasserverlust der Linse sind auch durch Sehtraining nur sehr bedingt zu beeinflussen“, erklärt Dehnhardt. Die Fähigkeit des Sehens bilde sich in den ersten sieben Lebensjahren eines Menschen aus – „nur in dieser Zeit kann man das Auge tatsächlich durch Training beeinflussen“. Die neuronalen Verknüpfungen seien ab etwa neun Jahren abgeschlossen. „Wir unterliegen alle dem Jugendlichkeitswahn, wir wollen alle ohne Brille auskommen“, sagt Dehnhardt. Dabei sei gutes Licht viel wichtiger, als „um eine Viertel-Dioptrie für eine Brille zu feilschen“. Dehnhardts Fazit: „Physiologische Effekte kann man nicht ausblenden. Wenn wir eine echte Alternative hätten, würden wir sie auch anwenden.“

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