Führender Standort in Europa

Boyd in Syke: „Uns kennt keine Sau, aber wir retten die Welt“

Arbeiter an den Maschinen.
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Boyd macht in Syke Klebebänder, O-Ringe und Stanzteile aus allen möglichen nichtmetallischen Werkstoffen. Keine sexy Produkte, aber Dinge, ohne die kein sexy Produkt funktioniert.

Syke – Stell dir vor, du leitest ein erfolgreiches Traditionsunternehmen, bist einer der größten privaten Arbeitgeber am Ort und praktisch niemand nimmt davon Notiz. Stephan Bernstorff geht das so. Er ist Werksleiter bei Boyd an der Rudolf-Diesel-Straße in Syke und er sagt: „Uns kennt keine Sau, aber wir retten die Welt.“

Naja, zumindest tragen sie bei Boyd im Gewerbegebiet ein ganzes Stück weit dazu bei, dass sie sich dreht. Und dafür sorgen aktuell so um die 140 Mitarbeiter.

Boyd Syke ist gleich in doppelter Hinsicht ein Traditionsunternehmen: Boyd ist als Firma knappe 100 Jahre alt. Das Werk in Syke ist einer der neueren Mosaiksteine im Gesamtbild, existiert selbst aber auch schon fast 60 Jahre. Günther Balkhausen hatte den Betrieb in den 1960er Jahren gegründet, jahrzehntelang geleitet und dann an seine Kinder vererbt. Das inhabergeführte Familienunternehmen ist dann später vom amerikanischen Konzern Brady aufgekauft worden, und Brady seinerseits wieder von Boyd. Unter den rund 30 Werken, die Boyd weltweit betreibt, ist Syke zwar einer der kleineren Standorte, doch der größte in Europa und er soll weiter wachsen.

Qualitätskontrolle im besonders staubgeschützten Reinraum.

Aber warum kennt den Laden eigentlich keiner? „Weil wir keine sexy Produkte machen“, sagt Bernstorff. „Aber ohne uns funktioniert kein Handy, und ohne uns fährt kein Auto.“

Was Boyd in Syke macht, sind Klebebänder, O-Ringe und Stanzteile aus allen möglichen nichtmetallischen Werkstoffen. Zum Beispiel Wärme-Ableiter für Handys. Oder Sicherheitsstifte, die aktiv werden, wenn die Sicherung rausfliegt. Nicht zu Hause am Stromzähler, sondern im großen Schaltschrank im Industriebetrieb. Schutzfolien für Displays stellen sie her. Und Wundauflagen für Pflaster im Klinik- und Pflegebedarf. Stephan Bernstorff zieht noch einen Klassiker von früher aus dem Musterköfferchen: Ein vielleicht zwei, drei Millimeter breiter und etwa handtellerlanger Streifen aus weichem Kunststoff, auf einer Seite mit einer Art Kunstteppich beschichtet. „Der Staubschutz für den Einwurfschlitz am CD-Player beim Autoradio“, erklärt er. Ein ganz banales Teil. Aber zigmillionenfach verbaut in Autoradios in aller Welt. Made in Syke.

Ohne uns fährt kein Auto.

Stephan Bernstorff, Werksleiter von Boyd Syke

„Der Kunde kommt zu uns und sagt: Ich brauche ein Teil, das muss so aussehen und das können. Und dann gehen unsere Ingenieure los und entwickeln ihm das“, erklärt Stephan Bernstorff. „Dann gibt es eine erste Materialprobe, der Kunde probiert sie aus und gibt Rückmeldung. Vom Prototyp bis zum Serienbau können wir das in Syke.“

Dass den Namen außerhalb der Branchenkreise kaum jemand parat hat, findet der Werksleiter ärgerlich. Für seinen Personalchef Axel Palkowski ist das ein echtes Problem. Vor allem bei der Suche nach Nachwuchs. „Wo bewerben sich junge Leute, wenn sie einen Ausbildungsplatz suchen? Bei Daimler, bei Airbus, bei Siemens. Uns hat da keiner auf dem Schirm.“ Dabei bildet Boyd Lagerlogistiker und Anlagenbediener aus. Und zwar für den Eigenbedarf. Heißt: Die Übernahme nach der Ausbildung ist das erklärte Ziel. Und die Perspektive ist ein ziemlich krisensicherer Job. „Wir haben nur ganz kurz mal das Thema Kurzarbeit gestreift“, blickt Palkowski auf die Auswirkungen von zwei Corona-Lockdowns zurück.

Hier werden Schutzfolien für Displays gemacht, wie sie bei Autos herkömmliche Armaturen ersetzen.

„Wachstum auf gesundem Boden“, ist für Stephan Bernstorff die Devise. „Wir haben noch ne nette Wiese nebenan“, sagt er. „Wir könnten uns locker verdoppeln. Aber nicht morgen. Und nicht auf Teufel komm raus.“

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Mitte Oktober hat Boyd ein Unternehmen im Allgäu übernommen. „Boyd kauft Siltec“ lautete die Schlagzeile in den Fachgazetten. „Nicht die Gruppe hat das Werk gekauft“, sagt Bernstorff, „sondern wir. Die Boyd GmbH Syke.“ Siltec gilt als Spezialist für Werkteile aus Silikon. Durch den Kauf verschafft sich Syke ein breiteres Portfolio. Stephan Bernstorff: „Das neue Werk wird dann irgendwann dem European Headquarters unterstellt“ – das es noch nicht gibt. Und er macht sich Hoffnungen, dass Syke das wird. „Das ist gerade in der Diskussion. Syke wäre eine realistische Möglichkeit.“ Doch Bernstorff bleibt vorsichtig: „Wir haben gerade die ersten zwei, drei Steine gelegt. Wie das fertige Haus dann am Ende aussieht, wird man sehen.“ Aber: „Beim Thema europäisches Wachstum wird Syke eine zentrale Rolle übernehmen.“

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