Jugendbuch-Autor begeistert Grundschüler

Unheimlich-komische Begegnung in der Bibliothek

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Autor Stefan Gemmel hatte seine jungen Zuhörer in der Stadtbibliothek mit seinen gruselig-lustigen Geschichten schnell in den Bann gezogen. 

Syke - Von Frank Jaursch. Eigentlich ist eine Lesung von Thomas Gemmel gar keine Lesung. Okay, der preisgekrönte Kinder- und Jugendbuchautor hat bei seinem Besuch in Syke Auszüge aus seinem neuesten Buch „Geistergefährte“ dabei. Aber er liest sie nicht vor – er spielt sie. Mit vollem Einsatz. Gemmel knarzt und quietscht und humpelt und gestikuliert. Er schlüpft in die Figuren seiner Geschichten hinein und zieht seine Zuhörer so in seinen Bann.

Bei seiner Stippvisite am Dienstagvormittag in der Stadtbibliothek kam der vierte Jahrgang der Syker Grundschule am Lindhof in den Genuss einer Gemmelschen Lesung. Und der 46-Jährige brauchte nur ein paar Minuten, um die Kinder auf seine Seite zu bringen.

Mühelos überzeugte er sie vom Nutzen des Lesens. Wie cool es doch ist, ein Taschenbuch dabei zu haben, wenn es mal wieder zum laaaangweiligen Familienbesuch bei der Tante geht! Und wie toll man sich gruseln und trotzdem Spaß haben kann – wenn man nur das richtige Buch dabei hat. „Mal sehen, ob ich euch auch ohne Monster zum Gruseln bringen kann“, kündigte er an und gab anschließend das erste Kapitel seines brandneuen Buches „Geistergefährten“ zum Besten.

Vorm Auge des Publikums entsponn sich eine spannende Story vom zwölfjährigen, querschnittsgelähmten Lenny, der mit seiner Familie in den Urlaub fährt – und im Wald in der Nähe des Urlaubs-Reiterhofes so manche gruselige, aber auch komische Begegnung erlebt.

Die Viertklässler waren voll dabei. Kein Wunder: Gemmel beherrscht sein Handwerk nahezu perfekt. Nicht ohne Grund trug er 2011 den Titel „Lesekünstler des Jahres“. Dabei hat er selbst, als er im Alter seiner Zuhörerschaft war, „überhaupt nicht gelesen“, wie er zwischen den beiden Auftritten vor je zwei Klassen erklärte. Erst eine Deutschlehrerin habe in der siebten Klasse sein Sprachtalent erkannt, ihn gefördert und gefordert.

Das hat sich ausgezahlt: Gemmel zählt heute zu den beliebtesten Jugendbuchautoren, ist Träger des Bundesverdienstkreuzes – und Weltrekordler: Für das „größte Publikum bei der Lesung eines einzelnen Autors“ schaffte er es 2012 tatsächlich in Guinness-Buch.

In Syke überzeugte er sein junges Publikum. Und umgekehrt. „Boah, ihr könnt ja super zuhören!“, lobte Gemmel die Schüler. Und die gaben das Kompliment zurück. „Lustig, spannend und gruselig“ war es, fand Emilie (10). Sie holte sich in der Pause gleich ein paar Tipps vom Meister, wie denn ihre selbst geschriebenen Geschichten „Schneewittchen 2 und 3“ noch besser werden könnten.

Jutta Behrens, Leiterin der Stadtbibliothek, war froh über ihren Coup mit Stefan Gemmel und sah vergnügt zu, wie die Schüler so viel Spaß mit einem Buch und seinem Autor hatten. „Es ist schön, dass sie mal hierherkommen“, freute sie sich über den Besuch der Lindhof-Schüler. „Man merkt im Lauf der nächsten Tage: Einige kommen danach wieder hierher.“ Unheimlich war’s. Und komisch. Unheimlich-komisch!

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