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Umfrage: Wie die Kunden an Syker Tankstellen auf die hohen Spritpreise reagieren

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Von: Michael Walter

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Rolf Wrede aus Osterholz hat gut lachen: Bei seinem Kleinschnittger F125 Baujahr 1952 passen gerade mal sechseinhalb Liter Gemisch in den Tank.
Rolf Wrede aus Osterholz hat gut lachen: Bei seinem Kleinschnittger F125 Baujahr 1952 passen gerade mal sechseinhalb Liter Gemisch in den Tank. © Michael Walter

Syke – 2,25 Euro für den Liter Super, Diesel sogar noch drei Cent mehr: Die Spritpreise liegen auf einem Rekordniveau. Und solange Putins Krieg gegen die Ukraine die Spekulationen an den Börsen der restlichen Welt befeuert, ist ein Ende dieser Preisentwicklung auch nicht abzusehen. Wie reagieren die Leute darauf, die täglich damit konfrontiert sind?

Die Mitarbeiter an den Tankstellen im Stadtgebiet möchten am liebsten gar nichts sagen, und wenn, dann nur hinter vorgehaltener Hand. „Wir haben schon genug mit Maskenverweigerern zu tun. Da muss ich mir die Preisdiskussion nicht auch noch antun“, bekommen wir auf unsere Fragen beispielsweise zu hören. Ein verändertes Tankverhalten seitens der Kunden sei bisher aber nicht festzustellen.

Unsere eigenen Beobachtungen vom Mittwochnachmittag scheinen das zu bestätigen: Weder sind die Zapfsäulen verwaist, noch bilden sich größere Warteschlangen durch Hamsterkäufer. Alles ganz normal also?

„Ich hab den Tank noch halb voll“, sagt Jennifer Leue-Theodor. „Aber bevor der Liter nächste Woche drei Euro kostet, tanke ich lieber nach.“ Sie ist selbstständig, fährt jeden Tag von Süstedt nach Stuhr zur Arbeit und ist dafür auf das Auto angewiesen. Den Sprit kann sie über die Firma abrechnen. „Dann tut das nicht ganz so weh. Aber auf die Kosten achten muss ich ja trotzdem.“

Die Spritpreise liegen auf Rekordniveau – und steigen weiter.
Die Spritpreise liegen auf Rekordniveau – und steigen weiter. © Walter, Michael

Andreas Schmidt aus Nienburg ist Handwerker und mit dem Firmentransporter unterwegs. An der Tankstelle hat er nur angehalten, weil er seinem Kollegen und sich etwas zu trinken besorgen wollte. Die Spritpreise beschäftigen ihn trotzdem. Weil er daran kaum sparen kann. „Man muss dann halt auf etwas anderes verzichten. Weniger rauchen, und das Bierchentrinkengehen am Wochenende fällt auch weg.“ Dass das nicht reichen wird, ist ihm bewusst. „Es ist ja nicht nur der Sprit! Alles andere wird ja auch teurer. Aber die Löhne bleiben unverändert. Wenn ich nächstes Jahr meine Heizkostenabrechnung kriege, kann ich einen Kredit aufnehmen.“

Heike Stöber aus Heiligenfelde sieht die Preisentwicklung noch gelassen: „Ich fahre ja nicht viel, dann geht das noch.“ Aber sie schimpft auf die Ölkonzerne: „Wenn ich in den Nachrichten höre, dass die Rohölpreise steigen, wird sofort das Benzin teurer. Sofort! Die haben noch gar nicht teurer eingekauft, aber sie erhöhen schon die Preise. Ich wohne genau gegenüber von der Tankstelle bei uns im Ort und kann das gut beobachten.“

Christine Balk hat gerade ihren VW-Bus aufgetankt: Für 30 Liter Sprit hat sie 75 Euro auf den Tisch gelegt. „Man muss es nehmen, wie es kommt“, sagt sie und sieht dem Frühling optimistisch entgegen. Heißt für sie: Das Auto öfter mal stehen lassen und mit dem Fahrrad fahren.

Jennifer Leue-Theodor ist selbstständig und fährt täglich aus Süstedt nach Stuhr zur Arbeit. Da kann sie auf den Wagen nicht verzichten.
Jennifer Leue-Theodor ist selbstständig und fährt täglich aus Süstedt nach Stuhr zur Arbeit. Da kann sie auf den Wagen nicht verzichten. © Walter, Michael

Mateusz Hunka aus Brinkum hat diese Möglichkeit nicht. Er ist Handwerker und braucht den Wagen, um zur Arbeit zu kommen. Und bei seiner Frau ist es genauso. 70 Liter fasst der Tank seines Autos. Da geht Volltanken richtig an die Substanz.

„Und die Preise sollen ja noch weiter steigen“, sagt er. „Eine Katastrophe! Ich hab jetzt für 40 Euro getankt. Das waren gerade mal 17 Liter. Die sind morgen Abend wieder weg.“ Aufs Auto verzichten kann er nicht. Und wenn das so weitergeht,... „Noch ist ein bisschen Geld da“, sagt er. „Aber irgendwann ist das mal alle.“

Mateusz Hunka fährt eine Mittelklasse-Limousine aus dem Premium-Segment. Rolf Wrede aus Osterholz verfolgt gewissermaßen das gegenteilige Konzept und rollt mit einem historischen Kleinstwagen auf die Tankstelle: Mit einem Kleinschnittger F 125 von 1952. Zweitakter, Achtelliter Hubraum, 5,5 PS und maximal Tempo 65. „Motorrad mit Regenschirm hat man den früher genannt“, sagt Wrede lachend und erzählt: Als dieser Wagen gebaut wurde, war Benzin im Verhältnis zum Einkommen genauso teuer wie jetzt. „Deshalb hat man damals Motoren und Autos so klein und leicht wie möglich gebaut.“ Der Kleinschnittger wiegt nur 150 Kilo. Deshalb braucht er nicht viel. Es passen ja auch bloß ganze sechseinhalb Liter Gemisch in den winzigen Tank direkt überm Motor. „Das reicht aber für 200 Kilometer.“

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