Grundschule an der Wassermühle in Barrien

Grundschulrektor Björn Scheer ist ein Überzeugungstäter

Dass Björn Scheer heute Schulleiter ist, hätte er sich in jungen Jahren nicht träumen lassen. Nach dem Abitur war für ihn die Maxime: „Nie studieren!“
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Dass Björn Scheer heute Schulleiter ist, hätte er sich in jungen Jahren nicht träumen lassen. Nach dem Abitur war für ihn die Maxime: „Nie studieren!“

Barrien – Über Corona und Kontaktbeschränkungen ist es ein wenig untergegangen: Die Syker Grundschulen haben wieder neue Rektoren. Die Stelle an der Luise-Chevalier-Grund- und Oberschule ist, nach einigem Hin und Her, vor den letzten Sommerferien mit Petra Raue besetzt worden (wir berichteten). Seit dem Jahresende sind aber auch die Chef-Posten an den drei anderen Grundschulen wieder vergeben.

Björn Scheer ist von diesen drei Schulleitern der dienstälteste: Schon seit Sommer 2019 ist er Rektor der Grundschule an der Wassermühle in Barrien. Aber aus den unterschiedlichsten Gründen hatte es mit seiner offiziellen Vorstellung nie geklappt.

Scheer – Baujahr 1977 – ist in Bremen geboren und aufgewachsen und nennt sich selbst „amtlicher Fischkopp“. Nach dem Abitur 1996 stand für ihn ein Grundsatz wie in Stein gemeißelt: „Niemals studieren!“ Also absolvierte er seinen Zivildienst – das gab’s damals noch – und wurde anschließend Physiotherapeut.

Dass er das nicht geblieben ist, hat zu nicht ganz unwesentlichen Teilen etwas mit Nicole zu tun. Die hatte er am 14. Juni 2004 kennengelernt, und es war Liebe auf den ersten Blick. „Bei mir. Bei ihr nicht“, erzählt er. „Aber ich konnte sie zum Glück so an die Wand quatschen, dass sie gesagt hat: Versuchen wir’s mal. Und das hat dann auch Früchte getragen. Genau drei. Amelie, Paula und Kalle.“ Die sind heute 14, 11 und 5 Jahre alt. Als sich Amelie 2007 ankündigte, stand für die werdenden Eltern eine Grundsatzentscheidung an. „Meine Frau hatte gerade ein Angebot für eine neue Stelle. Das wollte sie gerne annehmen, und sie hätte dort auch erheblich mehr verdient als ich. Also bin ich als einer der ersten Männer in Bremen in Elternzeit gegangen.“

Dabei hat Björn Scheer dann auch die Weichen für seine weitere Zukunft neu gestellt. „Ich hatte vorher schon als Physiotherapeut an der Heilpraktikerschule doziert und gemerkt: Das kann ich und das macht mir auch Spaß. In der Elternzeit habe ich mich dann immer mehr mit dem Gedanken angefreundet, Lehrer zu werden.“

Und so wurde Björn Scheer mit 31 Jahren doch noch Student. 2013 machte er sein Referendariat an der Grundschule Kirchweyhe, und weil gerade eine Stelle frei war, ist er da anschließend auch gleich als Lehrer geblieben.

Wenn man entscheiden möchte, in welche Richtung es geht, kann man nicht auf der Rückbank sitzen.

Björn Scheer

Die Entscheidung für die Grundschule hat Scheer ganz bewusst getroffen. „In diesem Alter kann man die Kinder am besten erreichen“, sagt er. „Jedes Kind geht erst mal gerne zur Schule. Leider ebbt das oft sehr schnell ab. Ich würde gerne dazu beitragen, dass Schule für die Kinder positiv bleibt und sie die Freude daran lange behalten. Wenn möglich sogar für immer.“

Scheer sagt, er kann jeden Kollegen verstehen, der sich anders entscheidet. Immerhin liegt zwischen Grundschule und weiterführender Schule eine ganze Gehaltsgruppe. „Aber Geld ist nicht alles.“

In Kirchweyhe ist dann für ihn sehr überraschend die Konrektorenstelle freigeworden. Das war, als Imke Bünstorf – heute Rektorin der Grundschule in Heiligenfelde – von diesem Posten quasi zurückgetreten war und um ihre Versetzung gebeten hatte (wir berichteten). Jemand musste diesen Posten schnell besetzen, die Wahl fiel auf Scheer und der sagte sich: Okay, ich probier’s mal. „Es hat mir dann sehr gefallen, mehr mitgestalten zu können.“ Oder etwas bildlicher ausgedrückt: „Wenn man entscheiden möchte, in welche Richtung es geht, kann man nicht auf der Rückbank sitzen.“ Folgerichtig absolvierte Scheer dann die Schulleiterprüfung.

„Die Wassermühle hatte ich da noch gar nicht auf dem Schirm.“ Dort in Barrien war die Schulleiterstelle schon lange unbesetzt, und es war klar, dass die kommissarische Leiterin den Posten als Rektorin nicht auf Dauer übernehmen wollte. Auf mehrere Ausschreibungen hatte es aber nie einen Bewerber gegeben. „Haben die da irgendwelche Leichen im Keller“, war die erste Frage, die Scheer sich stellte, als er eines Tages selbst mit dieser Stelle konfrontiert wurde. „Schuldezernent Hippenstiel hat mir versichert: Nein! Nur sei Barrien bei vielen einfach nicht so auf dem Radar.“ Scheer ließ sich darauf ein und wechselte Ostern 2019 – also außer der Reihe und mitten im Schulhalbjahr – nach Barrien. Zunächst nur abgeordnet und noch nicht versetzt. Und zum 1. August dann offiziell.

„Ich bin oft gefragt worden: Björn, hast du dir das gut überlegt?“, erzählt Scheer. „Es gibt nur wenige, die auf diesem Stuhl sitzen wollen. Der Schulleiter ist am Ende für alles verantwortlich, was an der Schule passiert. Wenn man weniger als 180 Schüler hat, gibt es nicht mal einen Konrektor. Dann hat man schon sehr viel zu tun.“ In Barrien muss er sich bei rund 300 Schülern zumindest darum keine Gedanken machen.

Ähnlich wie Imke Bünstorf in Heiligenfelde ist Björn Scheer in eine beginnende Großbaustelle gekommen. In Barrien hatte der Umbau zur Ganztagsschule sogar schon begonnen, hat dann aber aus verschiedenen Gründen nach dem Neubau des Verwaltungstrakts quasi pausiert. „Eigentlich wären wir jetzt schon mittendrin im Ganztagsbetrieb. Als einer, der gerne selber renoviert, war mir aber klar, dass es so schnell dann doch nicht gehen würde.“ Von den Menschen, die diesen Prozess damals angestoßen haben, sind viele heute nicht mehr da. „Im Schulamt, hier, im Bauamt,...“, zählt Scheer auf. „Wir haben dann überlegt, wie wir den Faden wieder anknüpfen können. Wir wollen die Arbeit wieder aufnehmen.“

Von Michael Walter

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