Überraschende Einsätze beim Neujahrskonzert der Klassischen Philharmonie NordWest in der Kreissparkasse

Wenn der Dirigent zur Flöte greift

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Dirigent Ulrich Semrau hatte auch gestern im Saal der Kreissparkasse wieder sein Ensemble und das Publikum glänzend im Griff.

Von Dagmar Voss. Ein Neujahrskonzert mit überraschenden Einsätzen und Melodien präsentierte die Klassische Philharmonie NordWest unter der Leitung von Ulrich Semrau gestern Vormittag mit dem Programm „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“.

Es erklangen außergewöhnliche Musikstücke, meist fernab von der üblichen wienerischen Zuckerbäckerware – zu den traditionellen Walzer-, Polka- und Marschstücken gesellten sich wohltuende norwegische Klangfarben und dramatische Kompositionen. Begrüßt wurde das Orchester im ausverkauften Konzertsaal der Kreissparkasse schon vorab vom rhythmischen Klatschen der knapp 200 Zuhörer.

Amüsant wurde es, als der Dirigent zwischendrin flötete oder das Ensemble nicht nur mit seinen Instrumenten wirkte.

Wie angekündigt stand Wien im Mittelpunkt, etwa mit den Mozartschen und Straußschen Walzern oder Polkas, die vom Orchester schwungvoll umgesetzt wurden. So gleich zum Auftakt mit der temperamentvollen Ouvertüre aus „Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Zu einem wahren Hochgenuss gestalteten sie aber auch die erste Peer-Gynt-Suite des Norwegers Edvard Grieg. Zum Dahinschmelzen die Flöten und Saiteninstrumente in den ersten beiden Sätzen, die von den übrigen Musikern im dritten Satz zu einem lebhaften Einzug in die Halle des Bergkönigs gesteigert wurde.

„Gruselig“, nannte es der Dirigent und kündigte dann eine Steigerung des Gruseligen an mit dem „Dance macabre“ von Camille Saint-Saëns. Fernab von munteren Klangfarben kommt hier der Tod zum Einsatz, der um Mitternacht seine Violine spielt, die Gräber sich öffnen und die Begrabenen zu des Todes Musik tanzen. Eindrucksvoll interpretiert von der Solistin und ersten Geige Reka Viktoria Lelek, die wie einige ihrer Kollegen aus Ungarn stammt.

Semrau hatte für diese Musiker extra noch die Polka „Eljen a Magyar“ (Es lebe Ungarn) ins Programm genommen. Und siehe da, die Musiker beendeten das Stück mit dem Hochruf – ohne ihre Instrumente.

Wie überhaupt einige Überraschungen in diesem Jahr anstehen sollen, betonte der Dirigent: Immerhin feiert das Orchester sein 20-jähriges Bestehen. Witzig und verblüffend auch die Straußsche Polka francaise „Im Krapfenwald“, bei der Semrau selbst zur Flöte griff und den Kuckuck intonierte, gefolgt von einigen anderen Vogelstimmen.

Für die Besucher Alfred und Birgit Schubert war dieser Vormittag gelungen; die aus Berlin zugezogenen Zuhörer wohnen erst seit zwei Jahren in Weyhe: „Wir freuen uns, dass hier soviel Kulturelles geboten wird, und sind sehr angetan.“ Auch von der Klassischen Philharmonie NordWest, die ihren Besuchern mit dieser Konzertmatinée einen schwungvollen Eintritt ins Neue Jahr beschert hatte.

Natürlich und vor allem mit dem traditionellen Abschluss (Semrau: „Das war seit 100 Jahren so bei Neujahrskonzerten und das bleibt auch die nächsten 100 Jahre so“): dem Radetzkymarsch. Auch beim Konzert in der ausverkauften Varreler Gutsscheune gab die Klassische Philharmonie NordWest gestern Nachmittag dieses besondere Musikerlebnis zum Besten.

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