Jury am Freitag in Gessel

„Unser Dorf hat Zukunft“: Über Tellerränder blicken

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Inmitten der Idylle: Gerhard Thiel (links) vom Gesseler Ortsrat und Ortsbürgermeister Claus Ahlers sehen ihr Dorf gut vorbereitet für den Besuch der Wettbewerbs-Jury.

Gessel - Von Michael Walter. Lampenfieber? Davon kann man bei Claus Ahlers eigentlich nicht sprechen. Ein bisschen kribbelig ist der Gesseler Ortsbürgermeister vielleicht. Denn Freitag bekommt sein Dorf Besuch. Die Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ nimmt Gessel und Leerßen unter die Lupe.

„Im Grunde sind wir ja sogar gleich drei Dörfer“, sagt Ahlers und zeigt mit dem Finger auf den Stadtplan: „Da ist das Altdorf Gessel.“ Der Finger wandert zum anderen Ende des Plans: „Da ist das Altdorf Leerßen.“ Der Finger malt Achten in der Mitte des Blattes: „Und da ist die große Siedlung, die in den 50er Jahren beim Spreeken entstanden ist.“ Alles zusammen ist die Ortschaft Gessel.

Eine „schwierige Struktur“ nennt Ahlers das. Räumlich unzusammenhängend und ohne richtigen Mittelpunkt. Dörfliches Zusammenleben? Schwierig! Erst recht, als nach und nach weitere Neubaugebiete dazu kamen. „Wir hatten lange Zeit das Image eines Schlafdorfs von Bremen“, sagt Ahlers.

Das sei inzwischen spürbar anders geworden. Mit ausschlaggebend dafür war für Ahlers die erste Beteiligung Gessels am Dorfwettbewerb 2014. Obwohl in der Rangliste nur unter „ferner liefen“, habe das Dorf davon stark profitiert. Oder genauer: Die Dorfgemeinschaft.

„Die Stärkung der Dorfgemeinschaft war damals das erklärte Ziel“, blickt Ahlers zurück. „Die Entwicklung des Kriegervereins zum Dorfgemeinschaftsverein zusammen mit der Dorfjugend war eine unmittelbare Folge daraus. Heute hat der Verein 200 Mitglieder, allein 60 bei der Dorfjugend.“

Jetzt wirft Gessel erneut den Hut in den Ring. Schwerpunktthemen sind diesmal Integration und Inklusion. „Wir wollen zeigen, was bei uns schon gewachsen ist und wo wir noch Potenzial haben“, sagt Ahlers' Ortsrats-Kollege Gerd Thiel. Auch er sieht den Wettbewerb vor allem als Gelegenheit, über Tellerränder hinaus zu blicken, Leute an einen Tisch zu bringen, die ansonsten nichts oder nur wenig miteinander zu tun hätten und zu überlegen, was man gemeinsam gestalten könnte.

Handlungsdruck gibt es durchaus. „Unsere Feuerwehr fusioniert ja bekanntlich mit Ristedt“, sagt Ahlers. „Wenn der Neubau fertig ist, zieht sie aus dem Dorf weg. Und die Feuerwehr war bisher ein wesentlicher Teil des dörflichen Lebens. Diese Lücke müssen wir schließen.“ Das alte Feuerwehrgelände könnte mittelfristig der neue Dorfplatz werden.

Kein Zufall also, dass die Besichtigungstour für die Wettbewerbs-Jury Freitag genau dort startet. Weitere Anlaufpunkte sind unter anderem die Hachewiesen im Altdorf Gessel, der Hohe Berg und das Leerßer Schlatt.

Wie sie abgeschnitten haben, erfahren die Gesseler erst im Herbst. Die Preisverleihung ist am 27. Oktober im Sieger-Dorf. Das nimmt später am Entscheid auf Landesebene teil. Der Landesentscheid ermittelt den Kandidaten, der zum Bundeswettbewerb gemeldet wird.

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