Über Neubau der Bibliothek ist nicht mal das erste Wort gesprochen –geschweige denn das letzte

„Da planen Sie mal was anderes!“

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Die Frage nach einem Neubau der Stadtbibliothek hat sich viel zu früh verselbstständigt. Das kritisierten am Donnerstag Abend die Mitglieder des Bauausschusses.

Syke - Von Michael Walter. Das Gängeviertel beschäftigt die Syker Politik stark. Das wurde am Donnerstag im Bauausschuss deutlich. Als letzten Punkt einer überaus unspektakulären Tagesordnung hatte Bauamtsleiter Timo Fleckenstein eigentlich nur die Ergebnisse des Workshops von voriger Woche kurz zusammenfassen sollen. Daraus ergab sich allerdings eine Diskussion um ganz grundsätzliche Fragen.

So wurde zum Beispiel deutlich: Allen Fraktionen liegt es ausgesprochen quer, wie schnell sich das Thema Neubau der Bibliothek im Gängeviertel verselbstständigt hat. Die Sprecher aller politischen Lager betonten: Anfangs habe die Bibliothek stets nur als Platzhalter für „irgendeine“ öffentliche Einrichtung gestanden, die der Frequenzbringer für die Belebung der oberen Hauptstraße werden solle. Inzwischen werde es in der Öffentlichkeit aber bereits als selbstverständlich angesehen, dass dies tatsächlich die Stadtbibliothek sei. Dabei sei darüber im Rat noch nicht einmal diskutiert worden, geschweige denn, dass eine Entscheidung darüber gefallen sei.

„Wir haben hier am Rathaus die Bibliothek mit den mit Abstand höchsten Besucher- und Ausleihzahlen im gesamten Landkreis“, betonte etwa Reinhard Hansemann (FDP). „Wie dumm müssen wir eigentlich sein, die hier wegnehmen zu wollen?“ Und in Richtung Fleckenstein: „Da planen Sie mal was anderes! Die Bibliothek bleibt, wo sie ist!“

Auch die Vorstellung, mit dem Gängeviertel bezahlbaren Wohnraum für niedrigere Einkommen zu schaffen, hält Hansemann für illusorisch. „Das ist die beste Lage in der ganzen Stadt. Wir werden keinen Investor finden, der dort günstig vermietet.“

Das sehen auch die anderen politischen Lager so. Günter Brockhoff (BSF): „Das müssen wir gar nicht diskutieren. Günstige Mieten und hochwertige Architektur – das beißt sich hinten und vorn. Von ››das kann sich jeder leisten‹‹ sind wir da weit entfernt.“

Auch der Bauamtsleiter bestätigte das indirekt: Allein schon die Namensfindung Gängeviertel assoziiere Baustrukturen wie in den historischen Gängevierteln von Hamburg oder Lübeck. „Das ist ja auch ein Versprechen“, so Fleckenstein. Und dann müsse da architektonisch „auch ein bisschen was kommen“.

Jutta Filikowski (Grüne) attestierte der Syker Politik in diesem Zusammenhang fehlenden Weitblick und kritisierte sie als einfallslos: „Wir reden seit Jahren über sozialen Wohnungsbau, aber nichts passiert. Weil wir es immer nur auf die Investoren schieben.“

Dabei gebe es genügend Mittel und Wege, selbst in einer Spitzenlage bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Andere Städte machen uns das vor.“ So könne die Politik beispielsweise einem Investor zur Auflage machen, dass er einen bestimmten Prozentsatz seiner Wohnflächen sozialverträglich vermieten muss. Die Stadt könnte auch Grundstücke kostenlos zur Verfügung stellen unter der Bedingung, dass dort Sozialwohnungen entstünden. Und letztlich könnte die Stadt auch eine eigene Wohnungsbaugesellschaft gründen. Dies gelte es zu prüfen.

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