Leichte Komödie „Alle unter eine Tanne“ im Theater

Tumulte unterm Weihnachtsbaum

Elli und ihre neue Affäre Micha turteln miteinander – und das am Weihnachtsabend! Ex-Mann Robert reagiert pikiert. - Foto: Ehlers

Syke - Von Ilse-Marie Voges. Gewollt schräg und wenig weihnachtstauglich startete das achtköpfige Ensemble des Bremer Tourneetheaters musikalisch mit „Stille Nacht“ in die Komödie „Alle unter eine Tanne“ am Dienstagabend im Syker Theater vor fast ausverkauftem Haus.

Die Familie Berger-Voigt ist eine deutsche Familie – so, wie sie allenthalben vorkommen und sogar am Weihnachtsabend aufeinander losgehen kann. Das „Fest der Liebe“ entwickelt sich dabei diesmal zu einem ganz besonders anstrengenden.

Das Ehepaar Elli (Marion Minetti) und Robert (Frank Stuckenbrok) – sie Psychotherapeutin, er Mediziner – gehen sich schon vor der Bescherung verbal an die Gurgel. Das Paar ist geschieden. Es hat den erwachsenen Kindern, die alle längst aus dem Haus sind, drei Jahre lang nichts von der Scheidung gesagt – um sie nicht zu verstören.

Die beiden erwarten die Kinder, tauschen sich vorab aus: mit Geschrei, wie immer. Doch diesmal ist etwas anders: Denn Ellis Affäre, der 22 Jahre jüngere Fahrlehrer Micha (Jarno Stiddien), ist auch zum Fest erschienen. Und um das Chaos perfekt zu machen, erscheint auch noch die Sprechstundenhilfe Chrissi (Silke Bollhorst), die Geliebte des Doktors: Sie beabsichtigt ebenfalls, Weihnachten im Haus von Elli zu verbringen.

Leidenschaftlicher Zickenkrieg

Zwischen beiden Frauen entwickelt sich ein leidenschaftlicher Zickenkrieg, zwischen den Ex-Eheleuten ebenfalls. „Bist du der Sprechstundenhengst?“, brüllt Elli – und der Doktor wartet mit der Antwort auf: „Du bist einfach nur ein Garagenflittchen!“

Die Kinder kommen. Elli will erst nach dem Weihnachtsessen mitteilen, dass die Ehe längst geschieden ist. Nur: Für die Wahrheit ist keine Zeit. Tochter Susanne (Vivienne Kaarow) und ihr schweigsamer Ehemann Heiner (Ulrich Matthaeus) kommen, auch die beiden anderen Kinder Leonie (Romana Suresh) und Tobias (Denis Fischer).

„Sich zu zeigen, wie man ist, ist das Mutigste“

Statt der Geschenke packt jeder seine Probleme aus. Susanne und Heiner sind pleite, brauchen Geld von den Eltern für ihren noblen Autohandel. Und Leonie ist schwanger. Das schockt. Wer ist der Vater? „Der, der von den Dreien die in Frage kommen, bis zum Frühstück geblieben ist“, ulkt Tobias.

Ein Schlagabtausch nach dem anderen, laut und wenig weihnachtlich, verdirbt Kartoffelsalat und Bockwurst. Robert, der Familienvater, hat die Nase voll: Er will den Kindern endlich sagen, was längst Wahrheit ist. Elli zögert. Dennoch wird deutlich: Micha ist Mamas Geliebter, und Chrissi ist die Muse von Papa.

Der stille Heiner macht endlich den Mund auf. „Das ist hier ein Irrenhaus! Eure Mutter vögelt den Fahrschullehrer!“ Mutter reißt sich ihr Haarteil vom Kopf, sieht nun leicht derangiert aus. Aber als 68er-Generation hat sie gelernt: „Ich bin zwar alt, aber sollen wir mit zusammengepressten Beinen hinterm Ofen sitzen?“

Am Ende des turbulenten Weihnachtsabend vertragen sich irgendwie alle, und es heißt: „Sich so zu zeigen, wie man ist, ist das Mutigste überhaupt!“ Viel Applaus für die leichte Komödie, bei der vor allem Ullrich Matthaeus und Romana Suresh in ihren Rollen überzeugen. Dem Stück hätte ein bisschen weniger Tumult, aber ein wenig mehr Tiefgang gut getan.

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