Fans bekommen bei der Motorrad-Oldtimer-Pionierfahrt in Wachendorf ordentlich was zu sehen

22 Tropfen Öl pro Minute – „bergauf etwas mehr“

Kurt Harries auf seiner „Royal Ruby“ und Hans Göbel im Seitenwagen führten die Rundfahrten durch den Landkreis an.

Wachendorf - Von Heiner Büntemeyer. Immer dann, wenn die Teilnehmer am Hof Harries aufbrachen, drückten viele der Zuschauer – und wohl auch einige Teilnehmer – ganz tüchtig die Daumen. Schließlich sind die Maschinen hochbetagt. Da ist das Anspringen hin und wieder Glückssache. Daumen drücken hieß es aber nicht nur beim Treten der Anlasser. Auch fürs Durchhalten bis zum Ziel bekamen die Teams zahlreiche Wünsche mit auf den Weg. So geschah es am Wochenende bei der Motorrad-Oldtimer-Pionierfahrt in Wachendorf.

Alle Motorräder waren vor 1914 gebaut worden, und jede Maschine hatte ihre eigene Geschichte. Darin spiegelte sich nicht nur der Fortschritt in der Technik wider, sondern sie erzählte oftmals auch von Zeiten politischer Veränderungen und kriegerischer Auseinandersetzungen.

Die „Douglas 350“, mit der Christian Meier aus Hunzenschwil (Schweiz) teilnahm, hatte im Ersten Weltkrieg als Kuriermaschine gedient und verfügte über ein sehr zuverlässiges Zweigang-Getriebe. Meier musste nur aufpassen, dass unterwegs die Ölzufuhr nicht abriss. „22 Tropfen pro Minute bei normaler Fahrt, bergauf etwas mehr“, ist die benötigte Menge.

Wann es bergauf ging, bestimmte der Motor. Aber zu viel geliefertes Öl wurde von der Maschine als Schmierung für die Primärkette verbraucht. Sie verbindet den Motor mit dem Getriebe. Von dort führt eine Keilriemenkette zum Hinterrad. Durch die Kombination der beiden Ketten war die Kraftübertragung etwas elastischer.

Natürlich sind alle Maschinen vom Tüv zugelassen, obwohl nicht alle über ein Signalhorn, sondern nur über eine Ballonhupe verfügen. Einige der Motorräder haben auch keine Beleuchtung. Die Fahrer müssen sich dann einschränken. Ohne Signalhorn dürfen sie nicht schneller als Tempo 25 fahren, ohne Licht ist ihnen das Fahren nur bei guter Sicht erlaubt. „Tunnel dürfen nicht benutzt werden“, heißt es in der Betriebserlaubnis. Für Christian Meier aus der Schweiz „ist das schon ein Problem“.

Werner Ehlers aus Braunschweig hatte an seiner „Laurin & Klemens“ eine Kontermutter an der Bandbremse nicht fest genug angezogen und sie unterwegs verloren. „Das kann schon mal vorkommen“, blieb er ganz gelassen, als seine Bremse keine Wirkung mehr zeigte. Auch beim Bruch des Ventilaushebers blieb Ehlers ruhig: Gastgeber Kurt Harries schweißte den Hebel schnell wieder zusammen.

Ehlers’ Maschine, Baujahr 1903, stammt aus Mlada Boleslav, jenem Ort, in dem jetzt Autos der Marke Skoda gebaut werden. Die Hersteller produzierten damals schon für den Export. Die in Böhmen verkauften Maschinen zeigten auf beiden Seiten des Tanks als Herstellungsland „Slavia“. Bei den für den Export bestimmten Modellen stand „Slavia“ nur auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist „Republic“ zu lesen.

„Das war 1903 eine Provokation“, sagte Arndt. Schon damals hätten sich Passanten von Motorrädern belästigt gefühlt. Daher verfügt seine Maschine über eine Auspuffklappe, die er wie einen Schalldämpfer nur bei Überlandfahrten voll öffnet.

„Da kommt ein Springbock“, wusste Johannes Götze aus Berlin sofort, ohne dass er das Motorrad gesehen hatte, das da auf den Hof rollte. Es ist ein zehn PS starkes Motorrad, das als „D“-Modell in Berlin-Spandau gebaut wurde und über eine sehr lange Blattfederung verfügt.

Alle Maschinen kehrten auch nach der zweiten Rundfahrt wohlbehalten wieder nach Wachendorf zurück. Die Fahrer hatten unterwegs unter anderem am Nostalgiemuseum in Okel eine Kaffeepause eingelegt und schauten sich die dort ausgestellten Fahrzeuge an. Wohl wissend, dass ihr Motorrad-Uroldtimer dort auch jederzeit einen Ehrenplatz einnehmen könnte.

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