17-Jähriger begeistert sich für betagte Traktoren

Trecker-Virus wurde Timo in die Wiege gelegt

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Vater und Sohn: Bernd und Timo Wetjen teilen ihre Leidenschaft für alte Traktoren.

Syke - Von Ulf Kaack. Jungen Menschen wird gemeinhin eher eine Affinität zu Smartphones, Computern und digitaler Technik nachgesagt. Bei Timo Wetjen ist das anders. Der 17-Jährige steht auf ebenso betagte wie robuste Dieselmotoren und dickwandiges Blech.

Zwei historische Trecker des längst verblühten Herstellers Fahr nennt er sein eigen. Bereits von Kindsbeinen an ist Timo vom Oldtimerbazillus infiziert, besonders wenn es um alte Traktoren geht. Zurück geht das auf seinen Großvater Hermann Hänjes. Der hatte eine Schmiede in Wachendorf, reparierte Traktoren und Landmaschinen. 

„Opa hatte ein Faible für die Marke Fahr – weil die Modelle technisch ausgereift und robust waren, aber auch, weil er das Werk und die Ingenieure im baden-württembergischen Gottmadingen auf verschiedenen Lehrgängen persönlich kennengelernt hat“, sagt der junge Syker.

Vater hat Interesse geweckt

Befeuert hat diese Leidenschaft außerdem Bernd Wetjen, sein ebenfalls oldtimerbegeisterter Vater. Er besitzt einen alten Unimog, der einst bei der Bundeswehr seinen Dienst versah. Seinen Filius hat er von klein auf zu den Treffen in der Region mitgenommen. Als Timo eine Runde auf dem Beifahrersitz eines rabiat bollernden Lanz Bulldog drehen durfte, war die Saat ausgebracht.

Wer wünscht sich schon im Alter von 13 Jahren einen Trecker? Timo Wetjen hat das getan – und ihn bekommen. Und zwar einen seltenen Fahr D 15. Finanziert hat er den ferrariroten Zweizylinder mit 17 PS aus 1,3 Litern Hubraum übrigens aus eigener Tasche. Dafür hat er Jobs wie Rasenmähen übernommen und Geldgeschenke zu Weihnachten und an seinen Geburtstagen konsequent beiseitegelegt.

„Von dem Modell wurden von 1950 bis 1951 nur 2126 Exemplare gebaut“, kennt sich Timo Wetjen aus. „Der Nachfolger verkaufte sich weit über 10 000 Mal. Außerdem handelt es sich bei meinem D 15 um eine Hochrad-Version mit erhöhter Bodenfreiheit und von der Serie abweichenden Kotflügeln. Diese Ausführung ging nie in Serie. Ich vermute, dass mein Fahr ein Einzelstück ist.“

Zu den Treffen in der Region mitgenommen

Bernd Wetjen nahm fortan seinen Sohn zusammen mit dem kleinen Fahr zu den Treffen in der Region. Der Vater hinterm Lenkrad, der Fahrzeugbesitzer auf dem Notsitz auf dem Kotflügel. Klar, dass Timo am Tag seines 16. Geburtstags einen druckfrischen Treckerführerschein in der Hand hielt und von diesem Zeitpunkt an auf eigener Achse unterwegs war.

Im vergangenen Herbst hat er den D 15 in seine Einzelteile zerlegt. Eine Restaurierung ist in vollem Gange. Blech- und Lackierarbeiten sind angesagt. Außerdem ist die Kopfdichtung undicht. Und wenn der 17-Jährige eh den Motor geöffnet hat, müssen auch Kolben, Lager und Kurbelwelle seinem kritischen Blick standhalten. Der Auspuff war dabei, sich in seine Bestandteile zu zerlegen. Ersatz ist im Handel nicht mehr erhältlich. Da hat ihn Timo einfach nachkonstruiert und neugebaut.

Sein Vater muss ihm handwerklich mittlerweile kaum noch zur Hand gehen. Timo absolviert im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung zum Industriemechaniker, geht mit Werkzeug, Schweißgerät und Drehbank um wie ein Profi. Selbst einen ehemaligen Bauwagen, finanziert vom Konfirmationsgeld, hat er zum Übernachten auf den Treffen zum rollenden Einzimmerapartment umgebaut.

Besonderer Zukauf im Frühjahr

Im Frühjahr gelang Timo Wetjen ein besonderer Coup. Im Internet stieß er eher durch Zufall auf einen äußerst seltenen Fahr D 45 L. Der Schlepper stammte aus einer Sammlungsauflösung, war optisch und technisch in nahezu erstklassigem Zustand. Entsprechend hoch war die Nachfrage. Doch Wetjen hatte Glück und konnte den Exoten vom Münsterland auf eigener Achse nach Syke holen. Fast neun Stunden hat das gedauert.

„Von 1952 bis 1954 baute Fahr lediglich 184 Fahrzeugen dieses Typs“, freut sich Timo über den seltenen Neuerwerb. Viele dieser Schlepper, der mit seinem 45 PS starken Deutz-Dieselmotor seinerzeit in der oberen Leistungsklasse angesiedelt war, dürften nicht überlebt haben. „Ich habe jedenfalls noch keinen zweiten gesehen“, sagt Timo Wetjen. Der 45er wurde nach Argentinien ausgeliefert, später nach Deutschland reimportiert. Seine Fahrerkabine ist eine Eigenkonstruktion eines Vorbesitzers.

Einen weiteren Ausbau seiner Trecker-Flotte plant Timo Wetjen derzeit nicht: „Obwohl, es gab mal den Fahr D 800 mit sechs Zylindern und 100 PS, von dem nur 55 Exemplare ausschließlich in Argentinien gebaut wurden. Das wäre noch mal was!“

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