Stadt und Verein teilen Kosten

„Alte Herren“ renovieren Fachwerkspieker am Jugendhaus

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Durchhängende Traufen, verfaulte Ständer und ein Wespennest: Der alte Spieker verlangt der Firma Fach & Werk Expertenwissen und Geduld ab. Ende 2019 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. 

Syke - Von Detlef Voges. Ein 172 Jahre alter Fachwerkspieker mit undichtem Dach birgt so manche Überraschung. Das weiß keiner besser als Otto Westermann, der Senior-Chef der Firma Fach & Werk aus Hilgermissen.

Seit Ende Juni ist die Firma maßgeblich an der Sanierung des alten Spiekers am Syker Jugendhaus beteiligt.Jetzt ist die erste Phase abgeschlossen, das Fachwerk restauriert und wieder standhaft. Darüber freuten sich dieser Tage bei der Besichtigung neben Otto Westermann auch Bürgermeisterin Suse Laue und Johannes Huljus, Vorsitzender des Vereins „Rund ums Syker Rathaus“.

Dass der Spieker überhaupt noch steht, hat mit der Einsicht des Syker Stadtrats, der Fürsprache der Verwaltungsspitze und dem Engagement des Vereins zu tun.

Ein „heißes Eisen“ war das Objekt wegen seines maroden Zustands seit langer Zeit. Die Stadt musste Spieker und das Gelände umzu aus Sicherheitsgründen absperren. Im Stadtrat war wegen unwägbarer Kosten von Abriss die Rede.

Der Verein „Rund ums Syker Rathaus“ packt an

Das wäre vielleicht auch das Finale gewesen, hätten sich nicht die „alten Herren“ des Vereins „Rund ums Syker Rathaus“ eingeschaltet. Die haben bis jetzt schon zweimal bewiesen, dass sie alte Bausubstanz fachgerecht aufmöbeln können. Das Café Alte Posthalterei und der dazu gehörende Spieker sind längst nicht nur Hingucker, sondern auch Treffpunkte von Leuten, die das Besondere lieben.

„Wir haben die Sanierung des Jugendhaus-Spiekers ja sogar in unserer Satzung stehen, es war immer unser Wunschprojekt“, sagt Huljus. Gesagt und umgesetzt. Stadt und Verein teilen sich die Chose mit je 35.000 Euro. Damit ist das Gros finanziert. Die Beteiligten hoffen jetzt auf das Talent von Huljus, Gelder einzuwerben.

Der Spieker war vom ersten Tag an eine Herausforderung. Traufen hingen durch, Ständer waren verfault. Das Problem waren ein undichtes Dach und die Feuchtigkeit. „Wenn man ein altes Haus sanieren will, sollte man zuerst nach oben schauen, ob das Dach dicht ist“, erklärt Westermann. War es in diesem Fall nicht. Deshalb mussten die Handwerker teilweise neue Eichenständer einbauen und andere ausbessern. 

Die Sanierung hätte früher begonnen werden müssen

Die Schwellen sind komplett neu. Das Dach musste ausgesteift werden. „Wir haben das Fachwerk oben eingezogen, weil es aufgrund der Feuchtigkeit eine Krümmung hatte“, betont ein Handwerker. Die Deckenbalken waren abgesackt. „Es wurde mit der Sanierung zu lange gewartet. Das erleben wir immer wieder“, so Westermann.

„Wir hatten hier mehr Ärger als bei dem Spieker an der Waldstraße“, ergänzt Huljus, der immer wieder auch für fleißige Helfer sorgte, darunter die zwei Afghanen Abdul-Maroo Ibrahimi und Ghulam-Hossein Kordi. Die seien vom ersten Tag an dabei gewesen.

Als wäre das marode Ständerwerk nicht schon Problemzone genug, gab es im Deckenbereich auch noch ein großes Wespennest, dessen Bewohner nicht immer einverstanden waren mit dem, was die Handwerker dort taten. Huljus: „Wir haben uns für ,nicht anrühren‘ entschieden.“

Der Spieker soll Ende 2019 übergeben werden

Mit der Stabilisierung des Spiekers ist ein Grundstock gelegt. Jetzt geht es an die Verfüllung des Kellers und den Fußboden auf einer Grundfläche von sechs mal zehn Metern, dann an die Ausmauerung der Gefache. „Wir suchen übrigens noch alte Steine“, sagt Huljus.

Der Spieker erhält eine einfache Innendämmung und Heizung. Er bleibt Bestandteil des Jugendhauses mit multifunktionaler Nutzung als Ort der Begehung auch für Tagungen und Veranstaltungen der Stadt. Toiletten, Wasser- und Schmutzwasseranschluss sind geplant, aber noch nicht durchfinanziert. Ende 2019 soll der Spieker seiner Bestimmung übergeben werden.

Und dann? Was haben die „alten Männer“ dann vor? Huljus schmunzelt und erinnert an den anderen Spieker an der Waldstraße: „Wir sind fünf Jahre älter, der Mut hat uns nicht verlassen, aber die Kräfte lassen nach.“

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