Traditionshaus ohne Besitzer

Wessels Hotel in Syke: Unklare Zukunft nach dem Tod von Andrea und Ilse Delicat

Was passiert mit Wessels Hotel? Nach dem Tod von Andrea und Ilse Delicat ist der Betrieb geschlossen. Fotos: Michael Walter
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Was passiert mit Wessels Hotel? Nach dem Tod von Andrea und Ilse Delicat ist der Betrieb geschlossen.

Syke – „Wegen eines Trauerfalls vorübergehend geschlossen“, steht auf dem Schild an der Eingangstür zu Wessels Hotel. Es hängt schon eine ganze Weile da. Und es wird wohl auch noch länger da hängen.

Denn derzeit weiß niemand, wie es mit dem Traditionsbetrieb an der Hauptstraße weitergeht. Es steht aber zu befürchten, dass aus dem „vorübergehend“ ein „endgültig“ wird.

Wessels Hotel in Syke: Nach Betreiberin stirbt auch die Seniorchefin

Am 12. Januar war Betreiberin Andrea Delicat überraschend gestorben. Ihre Mutter Ilse Delicat – schon fast 90 Jahre alt – führte den Betrieb gemeinsam mit zwei Angestellten weiter. Doch am 5. März starb auch die Seniorchefin. Direkte Verwandte gibt es nicht.

Nachlassverwalter ist eine Person aus Andrea Delicats Freundeskreis, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Es gibt ein Testament“, sagt er. „Das ist abernoch nicht eröffnet worden.“

Wessels Hotel steht zu Teilen unter Denkmalschutz

Laut Informationen der Kreiszeitung aus dem persönlichen Umfeld von Andrea und Ilse Delicat hat die Seniorchefin ihren Besitz einer gemeinnützigen Organisation vermacht. Die prüfe derzeit noch, ob sie das Erbe überhaupt annehmen will. Denn das ist nicht ganz unkompliziert.

Da wäre zunächst mal der Altbau direkt an der Hauptstraße. Er gilt als stadtbildprägendes Gebäude und steht zu Teilen unter Denkmalschutz.

Das eigentliche Hotel befindet sich auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks. Nach heutigen Begriffen unterer Standard und noch immer im hohen sechsstelligen Bereich mit Schulden belastet. Der Bau vor ungefähr 20 Jahren sei komplett fremdfinanziert gewesen, heißt es. Zwei weitere bebaute Grundstücke gehören ebenfalls zur Erbmasse. Alle Gebäude müssten in erheblichem Umfang modernisiert werden. Ein unbebautes Grundstück im Gewerbegebiet, das derzeit noch landwirtschaftlich genutzt wird, rundet das Paket ab.

Das eigentliche Hotel ist der Neubau auf dem hinteren Teil des Grundstücks – und noch immer mit hohen Schulen belastet.

Beträchtliches Vermögen stehen beträchtliche Schulden gegenüber

Alles in allem ergibt das eine durchaus ungewöhnliche Melange aus einem beträchtlichen Vermögen, beträchtlichen Schulden und beträchtlichem Modernisierungsbedarf, bei der man zwangläufig ans Rechnen kommt. „Für eine Privatperson, die darauf Erbschaftssteuer zahlen müsste, wäre es wahrscheinlich ratsam, das Erbe auszuschlagen“, meint eine Person aus dem Umfeld. „Eine gemeinnützige Organisation müsste dagegen keine Erbschaftssteuer zahlen. Für die gilt das also nicht.“ Und die würde – sofern sie das Erbe annimmt – wahrscheinlich versuchen, es zu Geld zu machen.

Bei den beiden erwähnten bebauten Grundstücken wäre das noch verhältnismäßig einfach. Ebenso bei der Gewerbefläche. Bei dem Hotelkomplex an der Hauptstraße dürfte das aber schwierig werden: Würde jemand das Hotel weiter betreiben wollen, müsste er neben dem Kaufpreis noch einmal sehr viel Geld zusätzlich in die Hand nehmen. Und wollte er es anders nutzen, noch mehr.

Stadtverwaltung Syke will Gängeviertel in Umgebung realisieren

Fakt ist: Die Unternehmer Rolf Specht aus Bremen und Reiner Schulte aus Syke hatten schon vor einiger Zeit Andrea Delicat ein Kaufangebot gemacht, das sie damals abgelehnt hat. Da, wo bis vor kurzem noch die ehemalige Tankstelle und Brünings Gasthaus lagen, wollen die beiden Unternehmer eine Seniorenresidenz bauen. Also direkt neben Wessels Hotel. Fakt ist auch: Dieses Bauvorhaben gilt immer noch als der Startschuss für das Gängeviertel. Unter diesem Stichwort plant die Stadtverwaltung die Neugestaltung großer Teile der Innenstadt.

Fakt ist aber auch: „Aktuell gibt es kein konkretes Kaufangebot.“ Das bestätigt der Nachlassverwalter.

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