Pferde-Rennbahn lockte von 1912 bis 1914 Tausende an

Tourismus-Hochburg Syke

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Vom Richterturm aus konnten die Rennen in Bassum bestens überblickt werden.

Syke - Von Marc Lentvogt. „Große Menschenmassen sind uns Syker gar nichts neues. An schönen Sommertagen haben wir solche häufig. Die Mengen pilgern durch den Ort – und dann verkrümeln sie sich im Friedeholz. Im Orte bleibt es still.“ Eine vertraute Situation? Beschrieben wurde das Treiben in der Hachestadt so vor 106 Jahren, am 8. Oktober 1912. Der Grund für die Touristenströme war der Zeppelin- und Renntag.

Nach Monaten der Planung war die Syker Pferde-Rennbahn im Oktober 1912 eröffnet worden. Gelegen hinter dem heutigen Avacon-Gelände, zwischen Nordwohlder Straße und Bassumer Landstraße, zog die Rennbahn (Umfang 800 Meter) zur Eröffnung geschätzte 5 000 bis 10 000 Menschen an.

Der Rennverein hatte sich im Juni desselben Jahres gegründet. 40 Mitglieder zählte er zu Beginn. Das Amt des Präsidenten übernahm auf Drängen aller bei der ersten Generalversammlung Anwesenden Sykes damaliger Bürgermeister Hinrich Hanno. Dieser hatte sich zunächst gesträubt: Sein Interesse soll gar nicht der Rennbahn, sondern nur den erwarteten Vorteilen für den Tourismus gegolten haben. Das geht aus Recherchen von Stadtarchivar Hermann Greve hervor.

Heute gibt es Festival-Bändchen, im frühen 20. Jahrhundert erhielten Besucher Halsketten.

Einen Monat vor der Einweihung schien dieser Plan erfolgreich zu sein: „Für das erste Rennen des hiesigen Rennvereins wird in weitem Umkreise ein lebhaftes Interesse bekundet“, schrieb die Syker Zeitung damals. All jene, die nicht nur Interesse bekundeten, sondern tatsächlich nach Syke kamen, fanden nicht nur ein eingeebnetes Rund vor: Zimmermann Dietrich Rippe hatte eine Tribüne für 150 Personen angefertigt, ein Zirkus war vor Ort, Gäste schlemmten und tanzten in fünf Zelten.

Der Höhepunkt war aber nicht auf der Rennbahn zu finden, sondern darüber: Für 500 Mark konnte der Rennverein die „Hansa“, einen Zeppelin der Firma Delag, nach Syke lotsen. Dutzende saßen auf Häuserdächern und Güterwaggons, sämtliche Anhöhen waren mit Menschenmassen gefüllt. „Selbst Nörgler [...] müssen zugestehen, daß Zeppelins Meister-Werk nicht ein Objekt zur Befriedigung müßiger Schaulust ist, sondern ein solches der Bewunderung, das jeden Deutschen mit Stolz erfüllen muß, weil er als Zeitgenosse der Entwicklung der Luftschiffahrt beiwohnt [...]“, berichtete die Zeitung damals.

500 Mark kostete es, das Luftschiff „Hansa“ der Firma Delag von Bremen aus nach Syke zu locken. 1912 war diese Aktion ein Beweis für die deutsche Ingenieurskunst und die Attraktivität Sykes.

Zu toppen war dieses Event in den Folgejahren nicht mehr, zumal die Geschichte der Syker Pferderennen mit dem Ersten Weltkrieg ein jähes Ende nahm. Anders sah das in der Nachbarstadt aus, wie Bassums Stadtarchivar Jochen Meyer herausgefunden hat: Am heutigen Sportplatz richteten der landwirtschaftliche Verein Freudenburg und der Schützen-Verein schon 1911 drei Rennen aus. Bis in die 1960er-Jahre sind Trabrennen dokumentiert.

Das Pferderennen ist mithin keine Eigenheit Sykes gewesen. Auch in Achim, Bremen-Niedervieland, Bremen-Blumenthal, Drentwede, Okel, Schwarme, Sulingen und Vehrte (Gemeinde Belm) gab es Vereine. Pferdesport-Fans konnten noch 1914 von Mai bis August an jedem zweiten Wochenende Wettbewerbe besuchen. Festzelte, Konzerte und ein kulinarisches Angebot waren in allen Orten vertreten. Heute würde es wohl Street-Food-Festival mit Rahmenprogramm heißen.

Sollte es die städtische Wirtschaftsförderung wie damals nach „ein[em] Trupp von 60 hintereinanderfahrenden Radlern in der Hauptstraße“ dürsten, wir hätten da eine Idee.

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