Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Tödlicher Unfall auf Baustelle in Syke: Prozessbeginn

Syke - Von Dieter Niederheide. Wegen fahrlässiger Tötung haben sich vor der Strafrichterin des Amtsgerichts in Syke der Geschäftsführer und ein Kranführer eines Unternehmens aus Barrien zu verantworten. Mitangeklagt ist ein für die Firma tätiger Sicherheitsexperte. Die Männer werden von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, fahrlässig den Tod eines Zimmerers verschuldet zu haben,

Der 27-Jährige war in der Mittagszeit des 28. November 2015 auf einer Baustelle an der Steimker Höhe von einer fast 1,5 Tonnen schweren Fertighauswand getroffen worden, die abstürzte, als sie von einem Kran angehoben wurde.

Zimmerer unter Hauswand begraben

Beim Heben der Wand durch den Kran sollen, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage, zwei Sechskant-Holzschrauben gerissen sein. Der Mitarbeiter starb noch an der Unfallstelle. Im Einsatz waren Rettungskräfte und ein Rettungshubschrauber.

Bevor der eigentliche Strafprozess begann, gab es eine Überraschung. Für den mitangeklagten technischen Leiter des Syker Unternehmens und seinen Syker Anwalt war der Strafprozess schnell beendet. Es wurde festgestellt, dass der Anwalt für das Unternehmen verwaltungsrechtlich tätig sei. Die Anwältin des mitangeklagten Sicherheitsbeauftragten sah darin einen Interessenskonflikt.

Die Staatsanwältin: „Der Hinweis ist berechtigt.“ Die Strafrichterin sah ebenfalls eine Interessenkollision. Danach verließen der Anwalt und sein Mandant den Gerichtssaal. Der Firmenmitarbeiter wird sich jedoch demnächst wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung mit einem anderen Anwalt vor Gericht verantworten müssen.

Die drei verbliebenen Angeklagten machten von ihrem Recht Gebrauch, als Angeklagte nicht aussagen zu müssen. Am ersten Prozesstag sagten unter anderem zwei Arbeitskollegen des Unfallopfers aus, die damals mit am Neubau an der Straße Steimker Höhe tätig waren. Einer der beiden gab an: „Ich sah noch, wie die Wand runterrutschte.“

Die Wand sei zwischenzeitlich schon abgestellt gewesen und dann vom Kran angehoben worden. Zur Frage, wer auf der Baustelle verantwortlich war, hieß es: „Wir waren gleichgestellt.“

Eine gewichtige Rolle spielen im Strafprozess die Holzschrauben und die Frage, ob diese eingebaut werden durften, warum sie rissen und ob die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten wurden. Die beiden Mitarbeiter sagten aus, dass in der Firma Sicherheitsbelehrungen abgehalten worden seien..

Als sachverständige Zeugen wurden am ersten Verhandlungstag Vertreter des Gewerbeaufsichtsamts und der Berufsgenossenschaft gehört. Der Strafprozess wird noch in diesem Monat fortgesetzt werden. Alle drei Angeklagten haben Rechtsanwälte an ihrer Seite.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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