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Tödlicher Stacheldraht

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Von: Michael Walter

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Peter Ehrt (mit Sammy) findet in den Bürgerfuhren überall die Reste einer alten Stacheldraht-Umzäunung.
Peter Ehrt (mit Sammy) findet in den Bürgerfuhren überall die Reste einer alten Stacheldraht-Umzäunung. © Michael Walter

Syke – Peter Ehrt hat die Stelle ziemlich schnell wiedergefunden: Fell-Reste zeigen recht deutlich, wo seine Frau vor ein paar Tagen beim Spaziergang mit dem Hund das tote Reh gefunden hat. Verendet, weil es in einem seit Jahrzehnten nutzlos in der Gegend herumstehenden Stacheldraht hängen geblieben ist.

Unmittelbar vor seiner Haustür hat Peter Ehrt das Gewerbegebiet. Wie etliche andere selbstständige Unternehmer dort, hat er seinen Wohnsitz da, wo auch der Betrieb steht. Unmittelbar hinter seinem Grundstück beginnt das Paradies: Wiesen, Felder, Knickhecken und ein kleines Wäldchen, das malerisch auf einem Hügel über allem thront. Alte Kulturlandschaft, abseits aller gängigen Wege. Außer den Anwohnern verirren sich nur recht selten Spaziergänger dort hin.

Für dieses Reh wurde der Stacheldraht zur tödlichen Falle.
Für dieses Reh wurde der Stacheldraht zur tödlichen Falle. © Ehrt

„Das sind die Bürgerfuhren“, kennt Peter Ehrt die alte Flurbezeichnung für dieses Gebiet. „Das Wäldchen gehört drei verschiedenen Eigentümern. Da hinten verläuft noch mittendurch eine alte Abgrenzung“, zeigt er ins Innere des Wäldchens. Und auch nach außen war es mal mit Stacheldraht umzäunt.

Den hat schon seit Ewigkeiten niemand mehr instand gehalten. Aber auch nicht abgebaut. Folglich ist der Zaun zwar verfallen, aber immer noch da. „Hier vorne stehen ein paar Meter am Stück, dann sind 50 Meter Lücke, danach kommen wieder 20 Meter Stacheldraht. So geht das immer weiter. Und da drüben liegt noch der Rest von einer ganzen Rolle im Unterholz.“ Peter Ehrt ärgert das massiv. „Das ist hier der Haupt-Wildwechsel. Da laufen jeden Tag die Rehe durch. Das war nur eine Frage der Zeit, bis da etwas passiert.“

Peter Ehrt zeigt es: Ein alter rostiger Stacheldraht hängt von einem Baum. Ein neuerer ist darunter gespannt – und auch schon wieder so alt, dass er tief in den Baum eingewachsen ist.
Peter Ehrt zeigt es: Ein alter rostiger Stacheldraht hängt von einem Baum. Ein neuerer ist darunter gespannt – und auch schon wieder so alt, dass er tief in den Baum eingewachsen ist. © Michael Walter

Deshalb hatte er vor Wochen schon mal bei der Stadtverwaltung vorgesprochen. Aber die konnte nichts machen. „Das Gelände ist Privatbesitz“, erklärt Erster Stadtrat Thomas Kuchem auf Nachfrage. „Da haben wir keine Handhabe, ordnungsbehördlich einzugreifen. Wir können in solchen Fällen höchstens die Eigentümer ansprechen und an sie appellieren. Mehr geht nicht.“

Jetzt ist genau das passiert, was Peter Ehrt befürchtet hatte. Ehrts haben das tote Reh von einem Experten begutachten lassen, weil sie erst einen Wolfsriss vermutet hatten. „Der konnte ziemlich genau rekonstruieren, was abgelaufen ist.“ Peter Ehrt zeigt von der Fundstelle hügelaufwärts: „Von da ist es gekommen und mit dem Hals am Stacheldraht hängen geblieben. Die Höhe stimmt genau mit den Malen überein, die das Tier aufwies. Dann muss es kopfüber hier den Hügel heruntergefallen sein. Ob es sich beim Sturz das Genick gebrochen hat oder bewusstlos verblutet ist, konnten wir nicht mehr feststellen.“

 „Das ist hier der Haupt-Wildwechsel. Da laufen jeden Tag die Rehe durch. Das war nur eine Frage der Zeit, bis da etwas passiert.“

Peter Ehrt

Peter Ehrt kennt die Grundeigentümer nicht und hat demzufolge auch nicht mit ihnen gesprochen. Ein paar Fragen hätte er schon. Zum Beispiel, warum sie den Stacheldraht nicht einfach abgebaut haben, wenn die Umzäunung ganz offensichtlich nicht mehr benötigt wird. „So wie es jetzt ist, ist das alles völlig sinnlos. So wie der Tod des Rehs.“

Von Michael Walter

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