Prozess In Verden gegen 32-Jährigen

Vater aus Syke erwürgt Frau: Tochter berichtet von Gewalt

Verden - Von Wiebke Bruns. Die Aussagen der neunjährigen Tochter einer getöteten Frau standen am Mittwoch im Mittelpunkt des dritten Verhandlungstages in dem Verdener Landgerichtsprozess gegen einen 32 Jahre alten Angeklagten aus Syke. Der Vater des Mädchens hat bereits gestanden, seine Frau am 23. April 2017 in dem von der Familie bewohnten Haus erwürgt zu haben. Die Neunjährige soll alles mit angesehen haben, während sich ihr zweijähriger Bruder hinter dem Sofa versteckte.

Ein 40 Jahre alter Rettungsassistent aus Stuhr kümmerte sich als Mitglied eines Kriseninterventionsteams kurz nach der Tat um die Kinder. Sie hätten bei der Polizei in einem wenig behaglichen Raum gesessen. Während eine Polizeibeamtin gerade Buntstifte besorgte, habe das Mädchen plötzlich angefangen zu erzählen.

Die Eltern hätten wieder einmal gestritten. Es sei um Geld gegangen, dass der Vater der Oma in den Irak schicken wollte. „Die Mutter habe kein Geld mehr abgeben wollen, es sollte für die Kinder sein“, berichtete der Zeuge aus den Schilderungen des Kindes. „Sie sagte, dass der Vater sehr wütend war. Er soll ein Messer in der Hand gehalten und auf den Tisch geknallt und die Mutter dann gewürgt haben“, so der Zeuge weiter. „Zu dem Zeitpunkt wussten die Kinder noch nicht, dass die Mutter schon tot war.“

Kinder zunächst bei Pflegeeltern

Das Kind spreche sehr gut deutsch. „Perfekt“, so der Zeuge. Er habe sie gar nicht zur Tat befragt. „Plötzlich fing sie an, im Schwall zu reden.“ Der zweijährige Junge habe irgendwann geschlafen. Die Neunjährige habe das Baby der Familie im Arm gehalten. Ein Mädchen, das noch von der Mutter gestillt worden war.

Die Kinder wurden zunächst bei Pflegeeltern untergebracht, die häufiger Kinder aufnehmen, die in Obhut genommen worden sind, berichtete die 49-Jährige. „Aus gefährdenden Situationen werden sie zu uns gebracht“, erklärte die Frau. Gegenüber dieser Zeugin soll die Neunjährige auch von Streit um Geld berichtet haben. Der Vater habe häufiger geschlagen. Weitere Aussagen gegenüber Dritten lassen darauf schließen. „Warum schlägst Du uns nicht?“, soll eines der Kinder einmal den Pflegevater verwundert gefragt haben.

Der Angeklagte bekam die Aussagen im Gerichtssaal von einer Dolmetscherin übersetzt und zeigte zunächst keine Reaktion. Nachdem die Pflegemutter von einem Brief des Mädchens an die tote Mutter berichtet hatte, geschrieben auf eine Tafel im Kinderzimmer, brach er in Tränen aus. Sinngemäß: „Liebe Mama, ich bin traurig, dass Du nicht mehr da bist und dass Du tot bist. Ich werde mich um (Namen der Geschwister) kümmern. Ich habe Dich ganz doll lieb.“

Thematisiert wurde am Mittwoch auch der Vorabend der Tat. Der Angeklagte behauptet, auf einem jesidischen Fest irgendwo in der Nähe von Bremen gewesen zu sein. Das Gericht hat Zweifel an der Aussage. Und keine Erklärung gab es bislang für die 5.000 Euro, die der 32-Jährige in der Tasche hatte, als er sich direkt nach der Tat der Polizei stellte.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Tödlicher Unfall zwischen Clues und Heiligenfelde

Tödlicher Unfall zwischen Clues und Heiligenfelde

Altpapiercontainer gerät in Brand

Altpapiercontainer gerät in Brand

„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Sendetermin und Live-Stream

„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Sendetermin und Live-Stream

Meistgelesene Artikel

Bundeswehr spendet Schutzhütten aus Flüchtlings-Projekt

Bundeswehr spendet Schutzhütten aus Flüchtlings-Projekt

Ende der Ära Landfrauenchor Sulingen

Ende der Ära Landfrauenchor Sulingen

Seit 50 Jahren „Gesund und fit für Frauen“ mit Doris Kuhn

Seit 50 Jahren „Gesund und fit für Frauen“ mit Doris Kuhn

Lisa Hermjohannes und Leonie Sander gewinnen

Lisa Hermjohannes und Leonie Sander gewinnen

Kommentare