Sykerinnen vermitteln rumänische Hunde

„Tierschutz darf nicht an der deutschen Grenze enden“

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Mischlingsrüde Gustav wird auf ein Alter zwischen zehn und zwölf Jahren geschätzt. Jana Breuhahn (l.) und Maren Schmidt hoffen dennoch, dass sich ein Hundefreund des rumänischen Hundes annimmt, der derzeit in einer Pflegestelle in Zeven lebt.

Syke - Von Frank Jaursch. Gustav schließt genüsslich die Augen. Die Streicheleinheiten seiner beiden Begleiterinnen sind offenkundig ganz nach seinem Geschmack. Wer den tiefenentspannten Mischlingsrüden auf dem Rasen sitzen sieht, mag sich gar nicht ausmalen, was für ein Leben das Tier wohl hinter sich hat. Gustav kommt aus Rumänien. Nach einem Leben auf der Straße wartete er dort in einer Tötungsstation auf das Ende. Tierliebe und viel Engagement haben ihn nach Deutschland gebracht.

Zwei Sykerinnen haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Leid der Hunde in Rumänien ein bisschen zu lindern. Maren Schmidt und Jana Breuhahn engagieren sich seit Jahren für den Verein „Arche Noah Transilvania“. Der hat nichts mit dem Stuhrer Tierheim „Arche Noah“ zu tun. Er hat seinen Sitz im Kreis Aschaffenburg und unterstützt die Arbeit eines gleichnamigen Vereins in Rumänien.

Dort hat Birgit Hüttemann aus einem alten Schweinestall eine Zuflucht für etwa 60 Tiere geschaffen – mit deutschen Standards an Größe und Hygiene. Die Hunde werden von der Tötungsstation geholt, entwurmt und kastriert, gechippt und mit einem EU-Pass ausgestattet. Über eine Reihe von Plattformen vermittelt der Verein die Tiere nach Deutschland und organisiert den Transport.

Die beiden Sykerinnen sind quasi durch Zufall bei der „Arche Noah Transilvania“ gelandet. „Ich wollte was Gutes tun“, umschreibt es Schmidt. Die 37-Jährige ist vor rund vier Jahren quasi in den ehrenamtlichen Tierschutz „reingerutscht“ – und investiert nun fast jede freie Minute ihrer Freizeit in die Vermittlung der Hunde.

Bei der Tiervermittlung muss man schnell sein 

Ähnlich geht es Jana Breuhahn, die vor zweieinhalb Jahren überlegt hatte, sich mehr zu engagieren als mit Futterspenden, und über eine Anzeige auf das Projekt in Rumänien aufmerksam wurde. Beiden war zu Beginn ihres Einsatzes wohl nicht ganz klar, wie sehr das Engagement ihr Leben in der Folge verändern würde.

Denn beim Vermitteln von Hunden kommt es mitunter auf jede Minute an. „Man muss schnell sein“, weiß Maren Schmidt. Also antwortet sie jedem Interessenten möglichst zügig. Der Kontakt über Whatsapp bleibt bis lange nach der Vermittlung bestehen – „falls es Probleme gibt, sind wir da“, betont sie.

Die beiden Sykerinnen haben ein Umdenken in der Gesellschaft wahrgenommen, wenn es um Hunde geht. „Viele müssen keinen Rassehund mehr haben“, so Schmidt. Auch wenn das bedeuten kann, dass das Wesen des Hundes vielleicht nicht ganz so vorgegeben ist wie bei einem Hund vom Züchter. „Die Tiere aus dem Tierheim“, lächelt Breuhahn, „sind so was wie ein Überraschungs-Ei.“

„Wir sind ein ziemlich pingeliger Verein“, sagt Schmidt

Bis es tatsächlich zur Vermittlung kommt, erkundigen sich die ehrenamtlichen Helfer wie Breuhahn oder Schmidt nach den Hintergründen. In welche Wohnung, in welches Umfeld kommen die Tiere? „Wir sind ein ziemlich pingeliger Verein“, umschreibt es Schmidt schmunzelnd. „Wir vermitteln lieber einen Hund weniger, aber dafür alle gut.“

Rund 400 Tiere hat der Verein bislang vermittelt und nach Deutschland gebracht – der Großteil davon geht auf das Konto des rührigen Syker Duos. So manches Mal begegnen den Frauen beim Spaziergang Hunde, die sie selbst hierher vermittelt haben. „Ein tolles Gefühl“, sagt Breuhahn. 

Ein besonderer Moment sei auch immer, wenn der Transporter mit den „adoptierten“ Hunden in Deutschland ankommt. Mehr als einmal hatten die neuen Eigentümer Tränen in den Augen, als sie das von ihnen ausgesuchte Tier nach wochenlanger Wartezeit in die Arme schließen konnten.

Interessenten können sich jederzeit melden

Warum engagiert man sich so sehr für Tiere, die rund 1600 Kilometer entfernt leben? Maren Schmidts Antwort kommt ohne Zögern. „Jedes Tier hat ein Recht auf ein schönes Leben. Tierschutz darf nicht an der deutschen Grenze enden.“

Gustav, der „Ü10-Rüde“, lebt derzeit in einer Pflegestelle in Zeven. Einen neuen Eigentümer hat er noch nicht gefunden. Schmidt wünscht sich, dass es einen Hundefreund gibt, der sich des Mischlings annimmt. Wer Interesse an Gustav, an einem anderen Hund oder an der Arbeit von „Arche Noah Transilvania“ hat, kann sich bei Maren Schmidt (0172 / 458 26 87) oder bei Jana Breuhahn (0176 / 215 77 892) melden.

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