Wenn der Tod naht: Vortrag zum Thema Palliativmedizin

Ein Thema, das keiner gerne hört

Hätten sich etwas mehr Resonanz auf den Vortrag im Ratssaal gewünscht: Grete Fritz (l., Senioren 50Plus) und Referentin Sonja Fürböter. Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Horst Meyer. Nur etwa 30 Personen waren der Einladung des Teams von Senioren 50Plus und dem Syker Seniorenbeirat gefolgt. Sie lauschten einem Vortrag zu einem Thema, „das keiner gerne hören möchte“, wie es die Referentin beschreibt. „Palliativmedizin“ lautete dieses Thema.

Der Begriff umschreibt die Situation in der medizinischen Behandlung, in der der Aspekt der Linderung vor die Heilung tritt. Medizinische Maßnahmen dienen in dieser Lebenssituation der Verbesserung der Lebensqualität.

„Ziel unserer Arbeit ist es, das Leben bis zum letzten Atemzug lebenswert zu machen“, erläuterte Sonja Fürböter. Als Koordinatorin arbeitet sie im Palliativ-Team Landkreis Diepholz, einer gemeinnützigen GmbH, hervorgegangen aus einer regionalen Ärztegenossenschaft.

Anspruch auf Leistungen der Palliativpflege hat nach ihren Worten jeder, der eine unheilbare Krankheit hat und in absehbarer Zeit stirbt. In der Mehrheit handelt es sich dabei um Krebspatienten, aber auch Schädel-, Hirn- oder Lungen- und Demenzerkrankungen können dem Sterbeprozess zugrunde liegen.

Die Palliativbetreuung vor Ort hat das Ziel, den Patienten einen Abschied in häuslicher Umgebung zu ermöglichen. Die Versorgung finanziert sich aus der Krankenversicherung. Sie wird nicht auf ein eventuelles Pflegegeld angerechnet und ist für Ärzte nicht Budget gebunden. „Ärzte können also verschreiben, was nötig ist, um Schmerzen oder Übelkeit erträglich zu machen“, schildert Sonja Fürböter.

Nebenwirkungen von Medikamenten sind dabei nachrangig. „Nebenwirkungen sollten bei Menschen vermieden werden, bei denen Heilung möglich ist. In der letzten Lebensphase kommt es darauf nicht mehr an. Da zählt nur die erhoffte Hauptwirkung des Medikamentes“, erläutert die Referentin.

Das Palliativ-Team besteht aus Koordinatorinnen, Palliativ-Care Pflegerinnen und Ärzten. In einem Erstbesuch, der von Betroffenen, deren Angehörigen oder vom Hausarzt angefordert werden kann, stellt die Koordinatorin den Hilfebedarf fest. Zusammen mit dem behandelnden Arzt und einem möglicherweise schon tätigen ambulanten Pflege- oder auch Hospizdienst wird dann der Behandlungsplan abgestimmt.

„Wir arbeiten im Netzwerk mit Haupt- und Ehrenamtlichen, nicht als Konkurrenz“, schildert Fürböter. Sie fügt hinzu: „Leider werden wir oftmals viel zu spät gerufen“. Wenn die Hilfe zu Hause nicht mehr möglich ist, stehen Palliativstationen am Krankenhaus „Links der Weser“ in Bremen, in Delmenhorst und auch in Oldenburg zur weiteren Behandlung zur Verfügung.

Die englische Ärztin Cicely Saunders gilt als Begründerin der modernen Hospizbewegung. Sie beschrieb ihre Arbeit einmal mit den Worten: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“. Besser kann man das Ziel der Palliativmedizin kaum beschreiben.

Kontakt

Das Syker Büro des Palliativ- Teams Landkreis Diepholz ist an der Schloßweide 37 (im Katasteramt) und unter 04242 / 934 63 94 für Auskünfte erreichbar.

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