Theaterstück „Ziemlich beste Freunde“ begeistert mit hintergründigem Humor

Charme aus den Slums trifft auf reichen Mann

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Trotz all ihrer Gegensätze werden Driss (Felix Frenken) und Philippe (Timothy Peach) „ziemlich beste Freunde“.

Syke - Von Ilse-Marie Voges. „Kennen Sie Chopin?“ fragt Philippe (Timothy Peach) den Arbeit suchenden Driss (Felix Frenken). Nein, kennt er nicht. Will er auch nicht kennenlernen. Eigentlich braucht er nur eine Unterschrift für das Amt, um eine Stütze beantragen zu können.

In der Luxusvilla des querschnittgelähmten Philippe stiehlt Driss gleich mal eines der kostbaren Fabergé-Eier, bevor er sich dem Mann im Rollstuhl zuwendet. „Ziemlich beste Freunde“ werden die beiden gegensätzlichen Charaktere aus höchst unterschiedlichem Umfeld dennoch.

Die wahre Geschichte muss man nicht mehr erzählen, sie ist durch den gleichnamigen Film hinreichend bekannt. Aber sie ist es auch wert, auf der Bühne gespielt zu werden, kann begeistern.

Im Syker Theater war in den Pausengesprächen zu hören, dass der Film größtenteils sogar dreimal vom Publikum gesehen wurde. Kein leichtes Spiel also für die Schauspieler, bietet sich doch immer wieder der Vergleich zum Film an.

Aber soviel vorweg: Dem frechen Driss gelingt es, den reichen Mann, der nach einem Gleitschirmunfall weder Arme noch Beine bewegen kann, zu beeindrucken. Er braucht Hilfe, kein Mitleid. Driss (im Pariser Banlieus-Viertel aufgewachsen) ist um kein zotiges Wort verlegen.

Felix Frenken interpretiert seine Rolle glaubhaft. „Krass Mann, der Kinderporsche“, lacht er sich kaputt über den Rollstuhl. Driss ist wie ein zappelnder Fisch. Seine Bewegungen wirken nicht einstudiert, es scheint, er ist so. Über jede Form von Intellekt, Kunst und Kultur macht er deutliche Witze. Seine pflegerische Aufgabe nimmt er nicht ernst, erfüllt sie aber, begleitet von vielen Kraftausdrücken.

Langsam, ganz behutsam kommen sich Philippe und Driss näher. Der Arbeitgeber lässt den ungehobelten Mann machen, entdeckt in ihm einen guten Kern, eine schnelle Auffassungsgabe und viel Witz.

Bei einer Werbung, die ins Haus flattert und Damen in attraktiven Dessous zeigt, sagt Driss: „Wir sollten einen Ordner für Nutten anlegen.“ Über ein teures Kunstwerk hat er seine eigene Meinung: „Das hat ein Typ mit Nasenbluten gemalt, einfach auf die Leinwand tropfen lassen!“ Für Philippe sind solche Ausbrüche erheiternd. Er kann seine Gliedmaßen nicht bewegen. Und Driss spielt mit ihm: „Keine Arme, keine Schokolade!“

Beide Männer haben längst eine Nähe zueinander aufgebaut, aus ihrem Leben intime Familiengeschichten erzählt. Sie mögen sich, auch wenn Driss die Werke von Vivaldi als Comic-Musik empfindet. Der Charme des Mannes aus den Slums erreicht alle im Haus. Selbst die lesbische Hausdame Magalie (Sara Spennemann), die als Sekretärin, Prostituierte und Brieffreundin des Hausherrn fungiert, hat ihre Rollen bestens besetzt.

Es wird still im Theater, als Driss in seine große Familie zurückkehren muss, weil sie ihn braucht. Sein Weinen berührt. Felix Frenken bekommt mehrfach Szenenapplaus für seine herausragende Leistung, für hintergründigen Humor, für seine Art, den Alltag anzunehmen. Das Ensemble hatte den Applaus verdient. Das Stück ist nominiert für den Inthega-Preis und darf sicher hoffen.

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